Saarloos: Lakota – Der Wolf, der keiner ist

Spaziergänger entlang der Isar zwischen Frammering und Zeholfing oder Radfahrer, die durch Kleegarten fahren, sollten erst ein zweites Mal hinschauen, bevor sie die Meldung herausgeben oder gar folgenden Notruf tätigen: “Ich habe einen Wolf gesehen.” Letztendlich wird sich dieser Wolf als “Lakota” entpuppen – die dreijährige Saarloos-Hündin von “Rudelführerin” Silvia Nothaft-Wachs.

Von Helmut Schwarzmeier – Erschienen am 27. Juli 2017 in der Landauer Zeitung

Lakota sieht einem Wolf zum Verwechseln ähnlich. Und das soll auch so sein. Mops, Border-Collie, Schäferhund, Boxer, Australien Shepherd, Bernhardiner, Sheltie oder Bulldogge – allesamt Hunde, die den meisten Menschen nicht unbekannt sind. Als für Nothaft-Wachs feststand, dass sie ihren Beruf als Altenpflegerin aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben kann, beschloss sie: “Ich werde mir einen Hund anschaffen.”

Nachdem sie in den vergangenen Jahren immer mit Vierbeinern aus dem Tierschutz zu tun hatte, wollte sie sich diesmal an eine Welpenaufzucht heranwagen. Doch es sollte eine ganz besondere Rasse werden. Deswegen hat sie sich im Vorfeld genauestens informiert, bis sie auf die Rasse “Saarloos” stieß. Die Rasse ist benannt nach dessen “Erfinder”, dem Holländer Lenndert Saarloos (1884-1969). Nach seinem Tod im Jahr 1969 wurde der Saarloos als Rasse anerkannt. Bis dahin war es jedoch für den Züchter ein langer Weg.

Silvia Nothaft-Wachs mit ihrer Saarloos-Hündin. (Foto: Helmut Schwarzmeier)

Ein Hund mit Anspruch  – Der Holländer störte sich daran, dass die Hunde seiner Ansicht nach zu vermenschlicht sind. Deswegen kreuzte er in den 30er Jahren seinen Schäferhund mit einer Wölfin aus dem Rotterdamer Zoo und die Geschichte einer der wohl außergewöhnlichsten Hunderassen nahm ihren Anfang. Das letzte Mal wurde 1960 ein Wolf in diese Linie hineingezüchtet. Unter dem Kennel-Namen: Van de Kilström hat seine Tochter Mareike das Erbe ihres Vaters weitergetragen So kam vor zwei Jahren ein pelziger Nachkomme auch nach Kleegarten. Der Name stand für Silvia Nothaft-Wachs schnell fest. “Lakota” ist indianisch und heißt Freundin.

“Ich kann doch einen solchen Hund nicht Emma nennen. Das finde ich äußerst unpassend. Außerdem haben die meisten Hunde dieser Rasse indianische Namen”, berichtet die Hundefreundin. Sie wollte einen Hund, der eine Herausforderung ist. “Die Saarloos sind einen Tick anders, da bei ihnen der Urinstink vom Wolf herrührt. Die Rassd ist dafür bekannt: lieber einmal mehr vorsichtig als einmal tot. Während andere Hunde freundlich auf andere Menschen zulaufen, hält sich der Saarloos zurück. Gehen hinter ihm Menschen, schaut er oftmals zurück, um hinten abzusichern und versteckt sich lieber, damit er nicht gesehen wird. Würde jedoch jemand seine Familie (Rudel) angreifen oder gefährden, wird er sie rigoros und ohne Wenn und Aber verteidigen. Hat er seine Bezugsperson gefunden, ist er ihr ein lebenslanger Begleiter”, berichtet Nothaft-Wachs.

Bei der Erziehung der seltenen Rasse ist Geduld, Konsequenz und viel Liebe gefragt, denn bevor es ans Ausführen eines Befehls geht, überlegt der Wolfshund erst: “Brauch ich das zum Überleben?” – Wenn er nicht mehr will, will er nicht mehr.

 

Der Saarlos sollte nicht der erste Hund sein. Ihre erste Welpenaufzucht würde die Hundefreundin nie wieder hergeben. “Wer vorher jedoch noch nie einen Hund gehabt hat, sollte sich gut überlegen, sich einen Saarloos anzuschaffen”, rät Nothaft-Wachs. Sind “normale” Welpen temperamentvoll, hat diese Rasse noch ein paar “PS” mehr. “Ich habe anfänglich auch damit Probleme gehabt, als mir meine Züchterin geraten hat, meiner Lakota leicht, aber spürbar auf die Nase zu hauen, schließlich würde ihre Mutter sie auch maßregeln, wenn sie ungezogen ist. Nach einiger Lektüre über Wölfe habe ich mich sogar entschlossen, Lakota ins Ohr oder in die Schnauze zu beißen, bis sie gequickt hat, wenn sie mal übers Ziel hinaus geschossen hat. Das hat am besten funktioniert und das Studium einiger Videos von Wolfsrudeln hat sich gelohnt”, freut sich Silvia Nothaft-Wachs, und sie betont: “Man braucht keine Gewalt in der Hundeerziehung.”

Dass sie mit ihrer Lakota einen Glücksgriff gemacht hat, wurde ihr bei einer Hundeschau in Straubing bestätigt. Ihr Saarloos bekam die Bestnote “V1” und wurde Zweite in der Kategorie “Best of Class”. Noch spekuliert Nothaft-Wachs nicht auf einen zweiten Wolfshund. Züchten will sie bislang nicht. Obwohl das durchaus Sinn machen würde. Denn vom Saarloos gibt es nicht viele. Um die Rasse zu erhalten, müssten sich noch mehr Züchter dieser Rasse verschreiben.

 

 

 

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