Agility:“Ghupftwiagsprunga“

Ich kann mich noch daran erinnern, als wäre es gestern gewesen. Dabei ist es mittlerweile schon über ein Jahr her. Meine Eltern waren mit ihrem Malteserrüden „Willy“ zu Besuch. Jedes Mal wenn das der Fall ist, geht es turbulent zu. Schließlich sind Willy und Sam zwei Kumpels. Wenn sich zwei Kumpels nach geraumer Zeit wieder sehen, dann wird der Turbo gezündet. Dementsprechend laut war der Lärmpegel. Beinahe hätte ich das Telefon nicht gehört.

Von Helmut Schwarzmeier

Am anderen Ende der Leitung hörte ich die Stimme von Anita, einer der Trainerin vom „Roten Haufen“. Ich wunderte mich gleich, denn normalerweise gehen unsere Unterhaltungen immer über „whatsapp“ . Anita machte es kurz und bündig: „Helmut hättest du Lust mit Sam in unserer Mannschaft mitzumachen?“ Über das Angebot war ich hocherfreut und geschockt zugleich. Schließlich handelt es sich um die Bayerischen Vereinsmeisterschaften im Agility.

Das ganze Team fiebert mit den Mannschaftskollegen mit. (Foto: A. Schwarzmeier)

Ich glaube, ich hatte damals erst einen oder zwei Turnierstarts in der Halle. (Es war Wintersaison). Und diese waren für mich zwar sehr zufriedenstellend, doch objektiv betrachtet noch seeehr verbesserungswürdig. Der rote Haufen ging mit zwei Mannschaften an den Start. Da einige nicht mehr mit von der Partie waren, sollte ich diese Lücke auffüllen. Ich sagte unter Vorbehalt zu, wollte aber noch ein Gespräch beim Treffen aller Mannschaftsmitglieder. Bei diesem Treffen war auch mein Trainer Peter Nonner aus Landshut dabei, der, ehrlich wie er immer war (und das ist auch gut so), Zweifel anmeldete. Schließlich fehlte mir ein Jahr, das man mindestens braucht um sich einigermaßen auf dem Parcours zurechtzufinden. Insgeheim wusste ich, dass er Recht hatte. Auch ich ließ wissen, dass man mit mir als Punktelieferung nicht rechnen könnte. Wir einigten uns darauf, davon auszugehen, dass ich bei den insgesamt drei Läufen nichts zum Erfolg beitragen werde. Liefe es anders wäre das eine positive Überraschung. Schließlich sind in einer Mannschaft sieben Starter, wovon nur die besten fünf Ergebnisse gewertet werden.

Auf dem Agi-Platz gibt es viel zu entdecken. (Foto: A. Schwarzmeier)

Zwar gab es die eine oder andere Überraschung doch es kam so, wie wir es erwartet hatten. Noch heute bin ich dafür dankbar, dass es kein einziges kritisches Wort gab. Alle hatten ihr Versprechen gehalten und mich nicht unter Druck gesetzt, auch wenn unsere Mannschaft wegen der Erkrankung eines Hundes und familiärer Gründe erheblich dezimiert war. Ich trainierte regelmäßig mit Sam bei Peter in Landshut sowie bei Waltraud und Anita in Deggendorf. Es wurde laaaaangsam besser. Die Parcoursdemenz machte mir zu schaffen. Sich bis zu 20 Hindernisse zu merken, war (noch) nicht mein Ding. Schließlich musste ich mich zusätzlich auf die Führungstechniken und meinen Sam konzentrieren. Das war eine ganz schöne Herausforderung. Doch ich hatte Blut geleckt und gemerkt, das Sam an der Herausforderung einen Heidenspaß hatte.

Wir von der Mannschaft „ghupftwiagsprunga“ landeten, obwohl wir teilweise nur mit vier Startern antreten konnten, auf den vorletzten Platz, was sehr beachtlich war. Unsere Mannschaftskameraden von Team „drunter und drüber“ landeten auf einen tollen vierten Platz. Beim Start auf der BASS konnte ich 20 Punkte und beim Turnier der Eringer 30 Punkte. Pro Lauf (es gibt einen A-Lauf und ein Jumping), kann man bis zu 40 Punkte bei einem 0-Fehler-Lauf erringen. Nun war es endgültig zu spät – ich war infiziert. Das Bakterium heißt Agility. Der Ansteckung hatte mehrere Gründe. Der allerwichtigste Grund – Sam hat schnell gemerkt, dass Menschen eigentlich gar nicht so übel sind und das man nicht gleich zu jedem Hund mit Karacho rennen muss. Meine Fellnase errang durch Hundesport endlich die fehlende Sozialkompetenz. Das macht das Herrle glücklich.

Ich und Mitglied einer BVC-Mannschaft – hiermit sei dem „Roten Haufen“ für das Vertrauen und die Unterstützung gedankt. (Foto: A. Schwarzmeier)

Aber auch mir persönlich hat der Agilitysport einiges gezeigt. Sagen mir es mal so – mein Selbstbewusstsein ist nicht das allergrößte. Dass lasse ich mir nicht anmerken – aber es ist halt nun mal so. Die Gründe dafür kenne ich. Mit der Zeit haben sich dank meiner Hartnäckigkeit und meinem Drang nach dem perfekten Lauf erste Erfolge eingestellt. Es gab Siege und Stockerlplätze und damit verbunden der Aufstieg in die A2 Ende diesen Jahres. Es fehlt noch ein Aufstieg und dann könnten ich und Sam in der A 3, der höchst möglichen Klasse laufen.

Auf dem Turnier trifft Sam auch viele attraktive Hunde-Damen. (Foto: A. Schwarzmeier)

Doch derzeit bin ich zufrieden so wie es ist. Ich weiß, es fehlen nur noch Kleinigkeiten bis zur ersten von fünf nötigen Qualifikationen (Man braucht null Fehler und einen Platz unter den ersten Drei für eine Qualifikation). Seit ich den Agilitysport betreibe, sind mir viele wertvolle Menschen begegnet. Einer davon spielt in meiner weiteren Entwicklung eine große Rolle. Es ist eine Person, die mich, immer wenn ich sie getroffen habe, mit mir geredet und sich nach meinen Fortschritten erkundigt hat. Hier sei erwähnt, dass ich die Erfahrung gemacht habe, dass es im Agilitysport sehr wohl so eine Art Kastensystem gibt. Manche Cracks schauen die A1 –Starter mit dem Ar… nicht an.

So sehen Sieger aus! Sam mit seiner ersten Medaille. (Foto: Schwarzmeier)

Das war bei Angelika nicht so. Sie hat mir sehr geholfen, mit ihren Trainings aber auch mit ihren Verbindungen und Tipps, die mich und Sam im vergangenen Winterhalbjahr weit nach vorne gebracht haben. Wie, wann und wo, folgt im Teil fünf meiner Geschichte.

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