Landauer Weinfest: Fahrvergnügen

Ich liebe meinen Mann – außer er sitzt neben mir im Auto. Den Gurt drei Mal um den Bauch geschlungen, mit der rechten Hand fest am Griff eingekrallt, die linke Hand scheinbar cool am Oberschenkel drapiert, ist er jederzeit bereit, ins Straßengeschehen einzugreifen. Seine Beine hat er fest in Richtung Bodenblech gestemmt und lässt, alle Gliedmaßen bestens positioniert, seiner Meinung über meine Fahrkünste ungefragt Lauf.

Von Andrea Schwarzmeier

“Paaasss aauuuuufff”, predigt er auf Straßen so ganz ohne Gegenverkehr. “Da vorne kimmt a Auto. Fahr weiter rechts!” – “Schalt an Gang höher”, “Brems net so gach!”, “Dreh des Liacht an!” Da lässt er sich wie Graf Koks chauffieren und zum Lohn wird man wegen angeblicher Fahrfehler zurecht gewiesen. Leichte Lotsendienste, bei Bedarf der Fahrerin einen Keks rüberreichen oder ein Erfrischungstuch oder einfach nur den Mund halten? Vergiss es! Ehemänner leisten wenig Beiträge zur gelungenen Autofahrt, wenn sie auf dem Beifahrersitz Platz nehmen. Und setzt die Ehefrau erst einmal zum Überholmanöver an, reißt Mann die Augen auf, so als würde er am hellen Tage Zeuge eines galaktischen Wunders, bei dem sich plötzlich ein Planet im All wendet und seine Pole neu ausrichtet oder als ob der FC Bayern München gegen die 60er verliert. Der Ehemann atmet laut durch, beißt ein Stück seines Fingernagels ab – erübrigt sich zu sagen, dass wir kein Geld für Nagelscheren brauchen. Auch bei der Einschätzung von Geschwindigkeiten versagt mein Mann auf dem Beifahrersitz kläglich: “Fahre nicht so schnell!”, obwohl sich die Tachonadel noch keinen Millimeter bewegt hat. Auch wenn er selbst immer ziemlich flott durch die Gegend heizt, bei der eigenen Frau wird er schon bei 30 km/h hysterisch. Darf man eigentlich Ehemänner als Beifahrer ungestraft am nächsten Straßenrand aussetzen? Hier versagt die Straßenverkehrsordnung jämmerlich.

Mein Mann vertraut mir nicht und glaubt, dass sein blechernes Schätzchen mit mir als Fahrerin bald Schrott ist. (Foto: Schwarzmeier)

Doch einmal im Jahr habe ich meinen großen Tag. Und der ist am Weinfestsamstag. Die Promillegrenze weit hinter sich gelassen, gibt mir mein angetrauter Anhang sogar freiwillig die Autoschlüssel, um sein frischgewienertes blechernes Schätzchen zu später Stunde zusammen mit ihm gen Heimat zu manövrieren.  Mit verklärtem Blick und leicht orientierungslos nimmt er wortlos und völlig entspannt Platz am Beifahrersitz. Der Ehemann ist zufrieden mit sich und seiner “Chauffeuse”. Dankt des Pfälzer Zaubertranks. Es ist also eigentlich ganz einfach, Ehemänner als Beifahrer zu bändigen. Mein Tipp an alle Fahrerfrauen: Nutzt nach dem Besuch des Landauer Weinfestes die Gunst der Stunde. Tretet auf´s Gas, so dass Sebastian Vettel vor Neid erblassen würde. Das ist euer Tag! Der nörgelnde, besserwissende, siebengescheite, übervorsichtige, ängstliche, sich verkrampfende und ins Bodenblech einspreitzende Ehemann, Liebhaber, Freund oder Lebensgefährte ist, dank des Weines der Freunde aus Landau in der Pfalz, für wenige Stunden zum Vorzeigebeifahrer mutiert. – Und ihr könnt zu mindestens einmal im Jahr als Autofahrerin des Jahres den Heimweg antreten!

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