Agility: Alles Hundesport

Sam hört auf mich. Aufgabe erledigt. Sam vertraut mir nun. Aufgabe erledigt. Sam hat die Begleithundeprüfung. Aufgabe erledigt. Bereits einen Tag nach unserer Prüfung saßen wir an einem warmen sonnigen Tag im Gras des Trainingsplatzes in Landshut zusammen. Weder ich noch mein schwarz befellter Freund wussten, was auf uns beim heutigen Agility-Seminar mit Renate Kalteis zukommen wird. Also beschränkten wir uns zunächst mal auf das Zuschauen und Zuhören.

Von Helmut Schwarzmeier

Renate Kalteis wusste, dass wir absolute Novizen auf dem Gebiet des Hundesports, also auch in Sachen Agility waren. Sie ließ uns die Zeit die wir brauchten. Ich war schier geplättet als ich sah, was die anderen Fellnasen so alles drauf hatten. Sie folgten ihrem Frauchen oder Herrchen ohne Wenn und Aber, stürzten sich durch die aufgebauten Tunnel, erklommen die A-Wand und hantelten sich in atemberaubender Geschwindigkeit durch den Slalom. Mir wurde gleich klar: „Die Herausforderung nur annähernd so gut zu werden wird riesig werden.“ Für mich stand fest, wenn ich weiter mache, dann nur auf Hobby-Basis. Auf Turniere zu gehen kommt für uns absolut nicht in Frage – Das stand für mich außer Zweifel. Jetzt, als regelmäßiger Turniergänger weiß ich, so haben fast alle Turniersportler gedacht, bis sie Blut geleckt haben. Schließlich will man wissen, wofür man trainiert und schauen auf welchem Niveau man ist bzw. wie es die „Helden“ des Agilitysports machen.

Sam und Hundesport? Lieber tollt er mit seinem Ball herum. (Foto: A. Schwarzmeier)

Aber nun wieder zurück zur Gegenwart. Ich entschloss mich, mal zu probieren, wie Sam und ich uns schlagen. Ich meldete mich bei Peter Nonner zu seinen wöchentlichen Trainings an. Eine gute Adresse, denn Peter war mit seinem leider zu früh verstorbenen Kubsch auch bei Bayerischen Meisterschaften aktiv. Wir waren eine Neulingsgruppe und das war auch gut. Wir konnten uns gegenseitig motivieren. Es gab keinen, der durch für uns übermenschlichen Parcoursläufe demotivieren konnte.Wir starteten also bei „0“. Und da war sie wieder, die Frustrationstoleranz. Wer daran denkt, sich ebenfalls dem Sport der „Steckerlschupser“ zu widmen, wie es manch Außenstehende despektierlich bezeichnen, darf sich nie aus der Ruhe bringen lassen, muss Rückschläge als selbstverständlich erachten (denn diese sind völlig normal) und seine Merkfähigkeit trainieren. (Es gilt einen Parcours von rund 20 Hindernissen in kurzer Zeit in seine Gehirnwindungen zu pflanzen).

Sam und Helmut sind ein Team, wenn es um den Hundesport geht und nicht nur da. (Foto: A. Schwarzmeier)

Gefragt sind Beweglichkeit, schnelles Umschalten, wenn es mal etwas anders als geplant läuft (und das ist keine Seltenheit) und vor allem auch Kondition (von Herrle und Hundi). Trainiert man regelmäßig, stellt sich alles ein. Aber es dauert eine gewisse Zeit. Zumindest war das bei mir so, denn ich bin kein Schnellspanner. Aber wenn ich mir mal etwas in den Kopf gesetzt habe, lege ich meine Scheuklappen an und lasse mich durch nichts von meinen gehegten Plänen abbringen. (Meine Frau kann ein Lied davon singen).

Helmut führt Sam über eine Hürde. (Foto: A. Schwarzmeier)

Natürlich zweifelte ich auch mal, aber Peter rückte mir wieder den Kopf zurecht und gut war es. Hopp, hopp, durch, rauf, Wippe, zick, zack, hopp, außen – gebetsmühlenartig wurden Sequenzen wiederholt. Während für Sam nach dem Training Schluss war, ging es in meinem Kopf drunter und drüber. Vor meinem geistigen Auge wurden der Parcours und die notwendigen Führungsarten immer wieder wiederholt. Das führte sogar soweit, dass mich meine Arbeitskollegen angesprochen haben. Sie konnten mich auf den langen Gängen bei für sie undefinierbaren Drehungen, Bewegungen oder Handbewegungen beobachten. Das mir jemand zusieht, haben ich meist gar nicht mitbekommen. So manche dürften wohl schon an meinem Geisteszustand gezweifelt haben. Egal, ich wollte vorwärts kommen. Zusätzlich zu den Gruppentrainings nahm ich mir bei Peter Einzelstunden. So lernten wir uns besser kennen, schätzen und mögen. Mit der Zeit lernte ich dann die Teams der beiden Mannschaften des „Roten Haufens“ kennen. Der „Rote Haufen“, ist unser Agility Verein mit dem Sitz in Deggendorf und einer Zweigstelle in Landshut. Da Deggendorf verkehrstechnisch näher und vor allem schneller für mich zu erreichen ist, trainierten Sam und ich sogar manchmal zweimal wöchentlich. Nahe am Bayerischen Wald weihten mit vieeeel Geduld Anita und Hartmut Kops sowie Waltraud Rösch mich in die Finessen des Agilitysports ein.

Ein Haufen voller hundesportbegeisterter Menschen trifft sich in Landshut oder in Deggendorf. (Foto: A. Schwarzmeier)

Während des Trainings bestaunte ich, wie weit die anderen schon waren. Sam, als Hütehund, hatte natürlich auch viel Spaß an unserer neuen Sportart. Doch ich merkte schon, dass er manchmal verzweifelte, als ich nicht mehr weiter wusste und die “Parcoursdemenz” unerbittlich zuschlug. Doch ganz “gentlemanlike” hatte er Geduld mit mir. Es war noch nicht mal ein Jahr her, als wir mit dem Agility begonnen hatten – und ich bekam ein für mich sehr überraschendes Angebot, das unser Mensch-Hund- Leben nachhaltig verändern sollte. Aber dazu mehr im nächsten Teil…..

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