Begleithundepfrüfung: Sam und die Impulskontrolle

Erst einmal vielen Dank an die stattliche Anzahl von Hundefreunden oder solche die es werden wollen und an alle Leser von „Dorf-Lady“. Bin geplättet das es weit über 200 Menschen waren, die den ersten Teil meiner „Mensch-Hund“ Geschichte gelesen haben. Diese endete ja mit der Frustrationstoleranz die ganz arg auf die Folter gespannt wurde. Nein, nicht nur meine, bestimmt auch die von Sam.

Von Helmut Schwarzmeier

Schließlich wusste er lange Zeit nicht, was ich eigentlich vom ihm wollte. Doch meine Fellnase hielt die ganze Zeit zu mir, wie auch ich zu ihm. Wir ließen uns nicht von den diversen Zwischenfällen entmutigen. Na ja, fast nicht. Ein paar Mal stand ich ehrlicherweise vor der Aufgabe. Sam ließ sich von fremden Menschen aber auch von Bekannten streicheln und switchte innerhalb von einer Millisekunde auf „Zwickmodus“. Glücklicherweise konnte ich Sam schon so gut „lesen“, dass ich ihm ansah, wenn es soweit war und so brachte ich ihn aus der Situation.

Die Welt aus Hundesicht sieht anders aus als die Welt aus Menschensicht. (Foto: Schwarzmeier)

Wir gingen jede Woche zu Maike in die Hundeschule. Stadttraining, Social Walk, Begegnungstraining, arbeiten an der Impulskontrolle, Übungen an diversen Geräten, Arbeiten auf Abstand – wir taten unser Bestes. Mit der Zeit stellten sich die ersten Erfolge ein. Plötzlich interessierte sich mein „Aussie“ nicht mehr für Autos oder Roller. Doch die Menschen waren immer noch ein Problem, nicht immer aber manchmal. Wie gut, dass Maike ziemlich fleißig war und überaus hilfsbereit. Es war Kindertraining angesagt. Zuerst mit ihren beiden Söhnen und der Tochter ihres Lebensgefährten. Danach mit ihrem Baby, der kleinen Melissa. Als Maike ihr Baby Sam vorstellte, indem sie sich mit ihr vor ihm hinkniete und schnuppern ließ, wurde es mir zu viel. Ich drehte mich um und ging – schließlich wollte ich mir nicht anschauen, wie es gefährlich wurde. Aber – was soll ich sagen – nichts passierte. Im Gegenteil – Sam fand es toll und begrüßte schwanzwedeln die neue Erdenbewohnerin. Ich war fassungslos. „Das gibt`s doch gar nicht. Wie kann das sein? “ – während ich völlig verdattert war meinte Maike ganz nebenbei: „Ich weiß nicht was du immer hast – du hast doch einen tollen Hund.“

Sam zeigt Benimm. (Foto: A. Schwarzmeier)

Zugegeben ich brauche meist etwas länger bis ich etwas kapiere. Heute weiß ich, dass ich es war, der Sams Reaktionen auslöste. Ich hatte einfach kein Vertrauen zu ihm. Das wurde mir aber erst viel später klar. Ich bekam also eine sehr schwere Aufgabe. Keine direkten Menschenbegegnungen für die nächsten drei Monate. Wenn Besuch kam, wurde Sam nicht weggesperrt. Er durfte das Geschehen von seiner Box aus beobachten. Und seit gestern bin ich einmal mehr fasziniert von Maikes Ideen. Bei Sonnenuntergang nach einem wunderschönen Frühsommerabend, war ich mit Sam an seinem Lieblingsteich unterwegs, natürlich mit seiner Rettungsboje, die er liebend gerne immer wieder aus dem kühlen Nass fischt. Bei solchen Spaziergänge gehe ich meistens in mich und sinniere vor mich hin. Plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Hätte mir Maike erzählt, dass diese Übung dazu diente, das ich ruhiger und entspannter werde, hätte ich immer wieder mein Inneres gefragt, ob es nun wohl soweit ist. Es wäre wohl nie so weit gekommen. Das wurde mir gestern klar. Ich dachte immer, diese „Abstinenz“ wäre für Sam. Nun bin ich mir sicher, dieses Vierteljahr war für mich um runter zu kommen. Und…. es funktionierte. Ich war nicht mehr aufgeregt und Sam….. ? Na was wohl? Danach machten wir weiter stetige Fortschritte. In jedem unserer Spaziergang wurden Übungseinheiten eingebaut. Mal Impulskontrolle, mal Sitz, Platz, Sitz aus der Entfernung etc. Es lief sehr gut. Trotz allem war ich mehr als verblüfft als mir Maike vorschlug mit Sam die Begleithundeprüfung zu machen.

Begleithundeprüfung? – Sam nimmt es easy. Was dass Herrchen wohl immer hat? (Foto: Schwarzmeier)

„Waaas ! Ich und Sam! Begleithundeprüfung?! Das klappt doch nie!“ – doch da war Maike anderer Meinung. Und da sie ja bisher immer Recht hatte, meldete ich mich an. Die Übungseinheiten übernahm Peter Nonner. Peter trainierte eigentlich die Agility-Mannschaften. Doch um diesen Sport turniermäßig ausüben zu können, braucht es eben diese Begleithundeprüfung. Diese umfasst einen theoretischen Teil (fürs Herrle) und einen praktischen Teil. Der Gehorsam deines Hundes wird mit einigen Kommandos überprüft. Hierzu zählen die Leinenführigkeit (im Normalschritt und Schnellschritt, im Langsamschritt und in der Winkelarbeit). Der Hund muss hier eng, freudig und aufmerksam neben seinem Mensch laufen. Vor dem Beginn der Übung kannst der Hundeführer ein Hörzeichen geben. Beim Stehenbleiben soll sich der Hund selbstständig neben einem setzen. Die Leine muss während der gesamten Übung leicht durchhängen; der Hund sollte eigenständig folgen.

Um den Agility-Sport ausüben zu dürfen braucht es erst eine Begleithundeprüfung. (Foto: Schwarzmeier)

In der nächsten Übung gehen Vierbeiner und Herrchen/Frauchen mehrfach durch eine Personengruppe hindurch und bleiben in der Nähe einer fremden Person stehen. Der Hund sollte sich selbstständig, gelassen und uninteressiert setzen. Die gleiche Übung wird anschließend ohne Leine durchgeführt. Oftmals wird bei diesem Prüfungsteil ein vorgegebenes Laufschema angewendet. Es folgen noch zwei weitere Übungen ohne Leine, also in Freifolge. Hierzu gehört die Sitzübung. Man läuft eine lange Gerade, bei der der Hund in Fuß-Position folgt. Man nimmt dann nach 10-15 Schritten eine Grundstellung ein, bei der der Hund das Kommando „Sitz“ erhält. Der Mensch entfernt sich daraufhin weitere 15 Schritte vom Hund und holt ihn anschließend wieder ab. Der Hund sollte aufmerksam sitzen bleiben, bis er das Kommando zum Folgen („Fuß“) bekommt.

„Doping“ für die Begleithundeprüfung. (Foto: Schwarzmeier)

Die zweite Übung ohne Leine ist das Ablegen in Verbindung mit Herankommen. Ausgangspunkt ist die 15 Schritte entfernte Position aus der Vorübung, dann nimmt man die Grundstellung ein, gibt das Kommando „Platz“ und entfernt sich weitere 30 Schritte. Anschließend ruft man den Hund zu sich. Dieser sollte sofort und zügig kommen und sich aufmerksam schauend direkt vor sein Herrchen setzen. Nach dem Kommando „Fuß“ muss sich der Hund an die linke Seite setzen. (Kommando „Platz“). Dann entfernt sich der Halter 30 Schritte und bleibt mit dem Rücken zu ihm stehen. Im letzten Teil der Begleithundeprüfung testet man reale Außenbedingungen und der Hund muss dabei ein gleichgültiges Verhalten zeigen. Der Prüfungsteil wird häufig an stark besuchten Orten wie Parkplätzen oder Bahnhöfen durchgeführt.

Pfote drauf! Wir schaffen die Begleithundeprüfung. (Foto: Schwarzmeier)

Obwohl ich mich angemeldet hatte, glaubte ich immer noch nicht, dass wir überhaupt so weit kommen werden. So musste es wohl auch Peter gehen, denn Maike verriet mir: „ Peter zweifelt, ob das mit euch beiden etwas werden wird. Ich habe ihm gesagt, er müsse nur sagen was ihr zu tun hättet und ihr das schon machen werdet.“ Danke Maike – mein Ehrgeiz war geweckt und…. wir wurden zu zwei Musterschülern. Schnell lief alles wie am Schnürchen. Der Prüfungstag war gekommen. Als Prüferin fungierte Renate Kalteis. Eine Frau, die mich nachhaltig beeindruckte mit ihrer Ruhe und Souveränität. Leider lief es an diesem Tag nicht perfekt. Renate drückte aber beide Augen zu und wir schafften es. Jipiiiiii – das hätte ich nie im Leben gedacht. Das gab mir einen unheimlichen Auftrieb.

Begleithund Sam und Kater Zwibal. An Zwibal übte Sam die Impulskontrolle, da Kater Zwibal Hund Sam oft an der Nase herumführt. (Foto: Schwarzmeier) Ach ja, einen Tag nach der Begleithundeprüfung gab Renate Kalteis ein Agilityseminar. Ich und Sam waren mit dabei und es kam, wie es kommen musste – aber dazu mehr im dritten Teil. Doch am Ende dieser Gesichte lasst euch sagen:“ Ich habe viel gelernt vor allem dass man immer jeden Tag und jede Stunde dran bleiben muss. Fordert von eurem Hund immer das ein, was ihr ihm aufgetragen hat, sonst nimmt er euch nicht ernst. Wisst ihr bereits im Vorfeld, das euer Auftrag an eure Fellnase nicht klappen wird, dann lasst es einfach. Sonst wird das nix. Hört sich schwer an. Ist es aber nicht und…. euer Hund wird es euch danken.

 

 

 

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