Agility: Zum Mensch-Hund Glück

Lange habe ich mit mir gerungen meine Geschichte auf Andreas Blog zu veröffentlichen. „Schreibe doch mal etwas über Sam und dich“ – animierte mich meine geschätzte Gattin. Lange habe ich gezweifelt. Doch heute Nacht „schnackelte“ es. Warum? „Aus dem Sam ist ein wirklich angenehmer und lieber Hund geworden und das bei eurer Vorgeschichte“ – dieses Lob aus dem Munde einer lieben Agility-Sportkameradin machte mir klar: „Ich muss es tun, für mich und vielleicht auch für andere, die meiner Geschichte etwas abgewinnen und, so hoffe ich, etwas daraus mitnehmen können. Geplant sind Berichte über mich und Sam. Zuerst in der Rückschau und danach Aktuelles.

Von Helmut Schwarzmeier

Aber nun zurück zu den Ursprüngen. Sam, ein Australien Shepherd (zumindest zu zwei Dritteln) zog Ende 2013 bei uns ein. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich gedacht, ich kann mit Hunden. Schließlich hatten wir in unserer Familie schon immer Vierbeiner. Doch meine schwarz-weiße Fellnase hat mich schnell eines Besseren belehrt. Er war Hütehund durch und durch und ich… ich war überfordert und das durch und durch. Doch es traten Menschen in mein Leben, die mir genau dann, wenn ich kurz vor dem Aufgeben war, beigestanden sind. Es gibt viele Gründe, warum ich dankbar bin, das ich meinen “Treibauf” habe, das ist eindeutig einer davon. Ohne ihn wären diese lieben Menschen nicht in mein Leben getreten. Aber dazu mehr etwas später.

Als unser Sam noch ein Sammy war – wonneproppig und mit einem starken Willen. (Foto: Schwarzmeier)

Sam hütete was das Zeug hält. Autos, Motorroller, Fahrradfahrer, Kinder, Fußgänger, Nachbarn. Leider war er dabei nicht zimperlich. Das war mir natürlich sehr peinlich und machte mich gleichzeitig traurig. Was ich auch versuchte – es war zum Scheitern verurteilt. Eine gute Hundeschule musste her. Den ersten „Unterricht“ gab es von Susanne Kornacher. Dies brachte uns bei, dass Ruhe wohl das Wichtigste sei, was unser Sam braucht und sanfte Konfrontation. Also auf in den Kampf. Sam, der an unseren Arbeitstagen immer bei unseren Eltern zusammen mit deren Maltesermann „Willy“ verbrachte, durfte zu Hause bleiben. Beschreiben wir es mal so: Willy kann schon anstrengend sein. Er kommt aus dem Tierschutz und hat eine kleine Macke, die er sich wohl bei einem illegalen Tiertransport zugezogen hatte.

Eine große Hundeliebe: Malteser Willy und Aussie Sam sind ein Herz und eine Seele. (Foto: Schwarzmeier)

Ab sofort fuhr ich mittags heim, es gab einen kurzen Spaziergang. Meine Frau kommt ja sowieso zwei Stunden später zu Hause. Hiermit möchte ich den vielen Hütehundebesitzern zurufen: „Nicht immerwährende Power ist des Rätsels Lösung, sondern das krasse Gegenteil.“ Sam genoss diese Auszeiten, was ich anhand unserer angebrachten Haus-Kamera beobachten konnte. Also nun zu Schritt zwei, der sanften Konfrontation.

Mediale Fortbildung genießt bei Sam oberste Priorität. (Foto: Schwarzmeier)

Ich weiß nicht, wie viele Stunden ich an den unzähligen Parkplätzen von Super- oder Baumärkten mit Sam auf der Kofferraumkante sitzend, das Geschehen beobachtet habe,  aber es müssen seeeeeehr viele gewesen sein. Ziel war es, ihn an Menschen zu gewöhnen. Je länger ich Sam kenne, desto mehr wird mir klar, dass er alles andere als eine perfekten Sozialisierung genossen hat. „Bewaffnet“ mit Bergen von Leckerlies gab es für jeden ruhigen Blick ohne bellenden Kommentar eine wohlschmeckende Belohnung.

Kleiner Mann mit einem eigenen (Dick)-Kopf. (Foto: Schwarzmeier)

Ob sich das gelohnt hat? Da bin ich mir nicht ganz sicher. Es dauerte lange bis ich darauf kam, dass ich das eigentliche Problem bin. Heute weiß ich – das ist immer so. Es ist immer der Mensch Schuld und es tut mir wirklich total leid, dass ich in dieser Zeit Sam so gemein im Stich gelassen habe, aber ich wusste es halt nicht anders, habe stets versucht, das Beste für ihn zu machen. Doch das half Sam halt auch nicht weiter. Ich gab meinem Seelenverwandten keine Sicherheit und er meinte, die Kontrolle übernehmen zu müssen, da ich diese ja anscheinend nicht hatte.Bis Maike Brunnermeier in mein Leben trat – natürlich rein platonisch und rein „hündischer Natur“.

Sam und Herrchen Helmut im Mensch-Hunde-Glück. (Foto: A.Schwarzmeier)

Mittlerweile sind Maike und ihre liebe Familie tolle und liebe Freunde geworden. Sollte es Probleme mit dem pelzigen Hausgenossen geben – bei der Hundeschule „Schnauze voll“ in Landshut (https://www.hundeschule-schnauzevoll.de/) wird geholfen. Ich war verzweifelt – während die anderen „Hundeschüler“ brav bei ihren Herrchen oder Frauchen blieben und sich darauf konzentrierten, flippte mein Sam total aus, er zog, nein, er riss an der Leine, jaulte, bellte, interessierte sich weder für mich, noch für das, was um ihn herum geschah. Zuviel Testosteron vielleicht?

Hat Hund Sam zu viel Testosteron? (Foto: Schwarzmeier)

Sam war damals eineinhalb Jahre alt. Kastrieren kam für mich nur in Frage, wenn es auch helfen sollte. Und was soll ich sagen – ich würde es wieder machen. Wir ließen ihm zuerst einen Kastrationschip setzen. Sam wurde ruhiger und konzentrierter. Es mussten wohl oder übel die Hoden weg. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass so ein Kastrationschip zwei Vorteile hat. Zum einen sieht man, ob ein Eingriff in das Hormonleben eines Rüden überhaupt hilft. Zum anderen schrumpfen dabei die Hoden und die Operation wird dann nicht mehr ganz so aufwendig. Soweit so gut. Nun haben „wir“ keine Hoden. Alle Probleme sind also beseitigt? Von wegen.

Sam und Herrchen Helmut bei den Übungen in Maike´s Hundeschule. (Foto: privat)

Durch den operativen Eingriff hatten ich und Sam nun erst einmal die Möglichkeit mit der Arbeit zu beginnen. Es konnte also losgehen. Soviel sei verraten – es war ein laaaaanger Weg, der noch lange nicht beendet ist. Es gab nicht wenige Rückschläge. Doch die Kunst wenn Problemherrchen und Problem-Aussie zusammen kommen und versuchen, eine verschworene Partnerschaft zu werden ist, sich Scheuklappen anzulegen und den Frustrationspegel auf astronomische Höhen zu schrauben. Ich hoffe durch meine ersten geschilderten Erfahrungen Interesse geweckt zu haben. Die Geschichte wird weiter geschrieben…..

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