Oberbayern: Schönramer Filz im Rupertiwinkel

Tief durchatmen. Der Weg liegt vor uns. Es fühlt sich alles so frei an und so leicht. Die Frühlingssonnenstrahlen tanzen mit uns federleicht in den Tag und schmelzen den Schnee von der Seele. Wir wollen unterwegs sein, wenn leise der Winter verstummt. Der Schönramer Filz, ein Moorgebiet mit einem Moorsee im Rupertiwinkel, im Waginger Becken im Gemeindegebiet von Petting, im Landkreis Traunstein, beschert uns einen wundervollen Frühlingstag.

Von Andrea Schwarzmeier

Geheimnisvoll, mystisch, wie aus einer anderen Welt, so wirkt das Moor. Helmut, der beste Ehemann von allen, und ich haben unseren „Hund von Baskerville“ selbst mitgebracht: Australian Shepherd Sammy ist mit von der Partie. Schon früh am Morgen ging es los. Wir holten die Turnschuhe, den Rucksack. Sammy wich uns nicht mehr von der Seite. Als wir dann die Hundeleine in den Rucksack einpackten und Sam in seinen Transportkorb, war für Hund der Tag gerettet: „Yeah, das wird ein toller Tag“. Unser Ziel ist ein Moorgebiet in der Nähe von Waging. Nach einer Rast am See von Waging und einem guten Mittagessen im Hotel Eichenhof  http://www.hotel-eichenhof.de  geht die Fahrt weiter ins nahe gelegene Schönram.

Das Hotel Eichenhof am Waginger See ist von Wiesen umgeben. Auf der Terrasse lässt sich in beschaulicher Ruhe der Sonntag genießen.(Foto: A. Schwarzmeier)

Der beschauliche Ort, der erstmals in der Mitte des 12. Jahrhunderts in alten Schriften unter dem Namen „Scharram“ oder „Schönrein“ auftaucht, hat eine eigene Brauerei. In den alten Schriften war zu finden, das es im Jahr 1512 eine Tafernwirtschaft im Dorf gab. Früher wurde dieses Tafernrecht vom Landsherrn verlieren. Tafernwirtschaften genossen besondere Vorrechte, so das Recht zum Brauen von Bier, zum Backen von Brot oder dem Brennen von Schnaps. Ebenfalls hatte solche privilegierten Gasthäuser ein öffentliches Krug- und Schankrecht sowie ein Herbergs- und Gastrecht. In Tafernwirtschaften durften Verlobungen gefeiert, Hochzeiten abgehalten werden, Tauffeiern oder das Begräbnismahl. Wandernden Handwerksgesellen musste eine Tafernwirtschaft Obdach gegen Geld oder gegen Handwerksleistungen gewähren.

Das Bräustüberl in Schönram dominiert den kleinen, beschaulichen Ort. (Foto:A. Schwarzmeier)

Die Brauerei Schönram wurde 1780 von Jakob Köllerer gekauft. Seit dieser Zeit ist die Brauerei in Familienbesitz. Heute ist die Brauerei ein moderner Betrieb. Bis zu 80.000 Hektoliter Bier werden heute jährlich gebraut. Im Bräustüberl und im Biergarten werden die Gäste verwöhnt. Infos unter: http://www.schoenramer.de

Der Schönramer Filz, ein Moorgebiet ist unser Wanderziel. (Foto: A. Schwarzmeier)

Bei der Brauerei Schönramer biegen wir links ab und fahren die Straße entlang, bis wir den Parkplatz „Heidewanderung“ an der Straße Schönram- Laufen erreicht haben. Der Schönramer Filz ist unser Ziel. Filz ist eine Bezeichnung für das Moor. „Die Filz“ bedeutet Moorgrund mit Sträuchern und Föhren bewachsen.

Heute ist die Trasse der einstigen Torfeisenbahn ein Spazierweg. (Foto: A. Schwarzmeier)

Nein, wir brauchen keinen Jakobsweg um zu Fuß unterwegs zu sein. Wir schüren unsere Turnschuhe und Hund Sammy wird an die Leine genommen. Der Weg liegt uns zu Füßen. Wandern soll ja total in sein und den eigenen Horizont erweitern, wusste Helmut, der beste Ehemann von allen. Und tatsächlich. Es sind heute eine Menge Leute unterwegs auf der Trasse der ehemaligen Torfeisenbahn.

Das Moor ist eine mystische Landschaft. (Foto: A. Schwarzmeier)

Wir folgen der Trasse, die durch ein Waldstück führt. Immer wieder kann der Wanderer in die Heide hinein gehen. Helmut und ich bemerken Heidekraut. Wie muss diese Wanderung erst schön sein, wenn diese Pflanzen lila erblühen. Auf baumfreien Flächen wachsen Heidelbeeren und Preiselbeeren.

Immer wieder laden Bänke zum Ausruhen ein. (Foto: A. Schwarzmeier)

Der Schönramer Filz ist ein Moorwald, in dem Fichten, Birken und Kiefern wachsen. Das Gebiet des Filz umfasst etwa 56 Hektar. Drei Kilometer lang ist der Rundweg durch das Moorgebiet. Vor allem ist der Weg eines – fast eben. Er weist kaum eine Steigung auf, so dass diese Wanderung auch für Rollstuhlfahrer und Eltern mit Kinderwägen geeignet ist – und gerade auch für Helmut und mich mitsamt Hund Sammy.

Das größte Hochmoor in Südostbayern liegt in Schönram. Das Moor präsentiert sich heute als intakte Naturlandschaft. (Foto: A. Schwarzmeier)

Hier im Landkreis Traunstein liegt das größte Hochmoor in Südostbayern. Noch bis zum Jahr 1998 wurde hier Torf abgebaut. Dafür wurde das Gebiet entwässert. Bis zu 2000 Menschen fanden einst Arbeit beim Torfabbau im Filz. Hier wurde zwischen 1935 und 1936 ein Reichsarbeitsdienstlager errichtet, dass bis 1940 genutzt wurde. Bis nach Kriegsbeginn waren hier um die 200 Arbeiter eingesetzt, um Torf zu stechen. Später wurde das Baracken-Gelände für Zwangsarbeiter genutzt und nach den Krieg 1946 diente es als Flüchtlingslager. Die Baracken wurden 1950 abgebrochen.

Bis zu 2000 Menschen fanden einst Arbeit beim Torfstechen. (Foto: A. Schwarzmeier)

Eine Gedenkstätte im Nord-Osten des Parkplatzes, der „Ukrainer Friedhof“ erinnert an 53 ukrainische Arbeiter, die während ihrer Zwangsarbeit im Isolierlager Schönramer Filz an TBC verstorben sind.

Beim Spaziergang durch das Moor eröffnen sich uns wunderschöne Einblicke. (Foto: A. Schwarzmeier)

Heute erinnert nichts mehr im Schönramer Filz an diese Vergangenheit. Heute erstrahlt die Natur. Beim Gehen erfahren wir immer wieder schöne und überraschende Augenblicke. Vor uns breitet sich eine intakte Naturlandschaft mit einem Moorsee aus. Wir begegnen Reitern, die ihre Pferde am Halfter führen, wir ruhen uns auf einem alten Baumstamm auf. Wir staunen über die Schönheit des jungen Moorwaldes.

Der Huflattich blüht. Nun ist der Frühling nah. (Foto: A. Schwarzmeier)

Ein Bohlenweg führt über die zentrale Hochmoorweite. Hier können wir den Charakter dieser einstigen Moorlandschaft erahnen.

Helmut und Sammy genießen den Tag im Hochmoor. (Foto: A. Schwarzmeier)

Der Pfad führt uns weiter zum Moorsee, der in einer einstigen Torfabbaugrube künstlich angelegt wurde. Wir staunen über die Vögel und Enten, die hier am See Rast einlegen. Wir genießen den Blick über den See und rasten auf einer hölzernen Bank.

Der Moorsee im Schönramer Filz. (Foto: A. Schwarzmeier)

Ein kleines Stück weiter ist ein Handtorfstich zu sehen, der ein Zeugnis gibt von der schweren Arbeit der Torfgewinnung. Immer wieder informieren Infotafeln über den einstigen Torfabbau und die Entwicklung der Renaturierung des Schönramer Filz.

Auf den Chiemgauer Bergen liegt noch Schnee. (Foto: A. Schwarzmeier)

Moor und Heide erstaunen Helmut, mich und gar Hund Sammy ist begeistert. In der Ferne türmen sich majestätisch die Chiemgauer Alpen auf. Die weißen Farbtupfer zeigen, wo der Schnee liegt. Der Himmel über uns strahlt sein schönstes Frühlingsblau. Die Vögel singen. Zitronengelbe Schmetterlinge tanzen im Wind.

Der Moorsee entstand in einer ehemaligen Torfabbaugrube. (Foto: A. Schwarzmeier)

Wir haben unsere Lust am Wandern entdeckt und freuen uns über die Flora und Fauna der Moorlandschaft im Voralpenraum. Helmut und ich sind erstaunt darüber, welch eine wunderschöne Naturlandschaft dort entstand, wo früher einst Raubbau mit der Natur getrieben wurde.

Dort wo früher Raubbau an der Natur getrieben wurde, entstand nun eine herrliche Landschaft mit einem Moorsee. (Foto: A. Schwarzmeier)

Wir begegnen gut gelaunten Wanderern und Spaziergängern.  Selbst Hund Sam präsentiert sich heute auch von seiner „Strahle-Seite“. Obwohl viele Menschen auf dem Moorweg unterwegs waren: Pferde mit Reitern, brave und ungezogenen Hunde, Kinder mit Roller und Rad, war unser Sammy heute gigantisch brav. Es war von ihm kein einziger Knurrerer und schon gar keinen Bellerer zu hören. 

Sammy genießt den Tag mit Herrli und Frauli. (Foto: A. Schwarzmeier)

Immer wieder noch fegt ein kleiner eisiger Wind über das Moor, doch wir fühlen es, wir riechen und schmecken es, eine andere Jahreszeit wird. Der Frühling kommt endlich zurück.

Ein Birkenstamm zieht meine Blicke auf sich. (Foto: A. Schwarzmeier)

Auf der Heimfahrt fuhren Fraule Andrea und Herrle Helmut ungezogener Weise mit ihrem fahrenden Hotel auf einen Feldweg direkt ans Ufer des Tachinger Sees, wo sie einsam und verlassen Helmuts leckeren Capuccino (so sagt das Fraule) genossen. Angefüllt mit einem Tag voll schöner Begegnungen und Naturerlebnissen treten wir die Heimfahrt nach Zeholfing an. 

Unser Rastplatz am Tachinger See. (Foto: A. Schwarzmeier)

Tipp:  Es werden im Schönramer Filz geführte Moor- und Kräuterwanderungen angeboten.  Zur Wanderung kann man sich über die Touristinfo Petting unter der Telefonnummer:08686/200 anmelden.

 

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.