Hunde-Yoga: Sam´s Gespür für die Mitte

Mit einem Hund meditieren? Zur Mitte der Hundeseele finden? Eine weiche Schurrwoll-Yogamatte auf der der Kanide alle Viere von sich streckt und allmählich ganz ruhig und selbstvergessen vor sich hinhechelt? Unser Hund Sam hat einen anderen Weg entdeckt, um zu seiner eigenen Mitte zu finden.

Von Andrea Schwarzmeier

Manche Hunde sollen es ja voll drauf haben: Sie setzen sich in ihr Hundekörbchen und bringen ihr Ying und Yang ins Gleichgewicht. Dafür braucht es diverse Yoga-Stellungen. Da gibt es die Übung des Dreiecks, bei dem Hund seine Vorderbeine einen Meter  weit auseinander stellt, seinen Blick auf einen Punkt in der Ferne richtet. (Am besten funktioniert dies, wenn Frauchen ein Stück Wurst in der Hand hält). In solchen Augenblicken ist dann jeder Vierbeiner im Hier und Jetzt und nichts kann  den Hundeblick von der leckeren Wurst ablenken. Ich muss sagen, unser Sammy beherrscht diese Yoga-Technik aufs Vortrefflichste, besonders wenn ihm seine Lieblingsspeise, eine Leberwurst, vor die Nase gehalten wird. Diese Übung soll im übrigen das Nervensystem anregen. Sammy Nervenkostüm ist allemal erregt, vor allem, wenn er die Übung länger als drei Augenblicke durchhalten muss. Dann ist er fuchsteufelswild. Schließlich will er seine Lieblingswurst sofort verspeisen.

“Sam, mach mal Yoga!” Unser Hund hat jede Übung voll drauf. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Dann beherrscht Sam natürlich die Yoga-Übung namens der Hund. Ist ja logisch: Sammy ist ja ein Hund, einer von der Art Australien Sheperd. Reinrassig. Nach der Yoga-Lehre soll diese Exerzitie namens Hund seine Lunge reinigen, Krampfadern und Verstopfungen vorbeugen und den Gleichgewichtssinn schulen. Was soll ich sagen? Während Sam auf den Boden steht und sein Gewicht ästhetisch einwandfrei mal auf die Hinterpfoten dann wieder auf die Vorderpfoten verlagert und er exakt den Vierfüßlerstand beherrscht, liege ich schon längst auf der Yogamatte auf meiner Nase und habe das Gleichgewicht verloren. In diesem Falle stellt sich Sammy neben mich, leckt mir mitleidig einmal mit seiner Zunge im Gesicht und fängt dann lautstark zu bellen an, so als wolle er mich auslachen. Ich sag es ja, nach dieser Übung arbeitet jede Hundelunge auf Hochtouren.

Sam im Einklang mit der Welt – dank Hunde-Yoga. (Foto: A. Schwarzmeier)

Im Übrigen ist unser Hund ein ganz eifriger, wenn es um seine Yoga-Übungen geht. Sogleich, nachdem er morgens seine Hundeaugen aufschlägt und in den neuen Tag blickt, beginnt er mit seinen Aufgaben: Die Yogaübung “Kobra” ist angesagt, noch bevor Hund zum Frühstücksnapf schlürft. Sammy liegt auf dem Bauch, hat die Hinterfüße ausgestreckt. Seine Vorderpfoten stellt er auf, dann wirft er seinen Kopf zurück und gähnt aus Leibes-Hunde-Kräften. Also die Übung „Kobra“ ist schon frühmorgendlich in Vollendung ausgeführt. Jeder Yoga-Meister wäre von Sams Yogakünsten hellauf begeistert.

Vor dem Domplatz in Linz entdecken Hund Sammy und Helmut ihre Mitte. (Foto: A. Schwarzmeier)

Vor kurzem hat Sammy eine ganz andere Art entdeckt, um sein seelisches Hundegleichgewicht zu schulen. Im Grunde genommen hält unser Australian Sherperd nichts von Entspannung, von Gelassenheit und Ruhe, nichts von Körperübungen und rhythmischen Hecheln, um zu einem bewussteren Hundeleben zu gelangen. Er liebt Action und Radau. Die höchste Form der Hunde-Selbstverwirklichung erlebte Sammy kürzlich mit Herrchen Helmut in Linz. Hier haben Hund und Mann die höchste Stufe der Yogapraxis für sich entdeckt. Was soll ich sagen? Sie haben den Zustand vollkommenen Wachseins und der höchsten spirituellen Glückseligkeit erlebt. Und das kam so: Wir waren für einen Tag in der oberösterreichischen Hauptstadt Linz unterwegs. Auf dem Platz vor dem Mariendom in Linz war aus Mauerziegeln ein Labyrinth aufgebaut. Etwa 300 Meter  Wege fasst das Labyrinth vor dem Linzer Domplatz. Es hat einen Durchmesser von rund zwanzig Metern. Viel Spaß hatten Hund Sam und Helmut, der beste Ehemann von allen, bei ihrem Gang durch diesen Irrgarten, der von Österreichs Jugend aus ganz ordinären Mauerziegeln erbaut wurde.

So ein Labyrinth steht als Symbol für das Leben, für die überraschenden Wendungen, die die Lebenswege nehmen können. Labyrinthe fand man schon auf über 3000 Jahre alten kretischen Münzen, bei den Römern, bei den seefahrenden Völkern des Nordens und gar bei den Indianerstämmen Nordamerikas. Auch die mitteleuropäische Kultur kennt das Labyrinth. Zu unterschiedlichen Anlässen wurde es schon seit alters her genutzt: für Tänze, Hochzeiten, Begräbnisse, Initationsfeiern, Spielen und gar Stadtgründungen. „Labor intus“ ist der lateinische Name für Labyrinth. Dies bedeutet so viel wie „innere Arbeit.“ Diese innere Arbeit sollen beim Gehen eines Labyrinths geschehen. Auch Hund Sammy und Herrchen Helmut, der beste Ehemann von allen, hatten viel Arbeit im Labyrinth zu verrichten: Die beiden folgten dem Weg der Ziegelsteine in weiten Bögen. Sie gingen, liefen, hüpften und drehten sich immer wieder um 180 Grad. Die beiden gingen mal vorwärts, dann wieder zurück, sie liefen, sprangen über die Begrenzungen. Sam tänzelte fast auf vier Pfoten durch das die Wege des Labyrinths, schanzwedelnd und mit viel Gebell. Schließlich waren Hund und Mann zur Mitte gelangt.

So ein Lauf durch ein Labyrinth macht unheimlich Spaß. (Foto:A. Schwarzmeier)

Sammy wurde natürlich von Helmut mit einem besonderen Hundekeks belohnt. Hund Sam hatte also im Labyrinth zu seiner Mitte und zu seinem Leckerli gefunden. Was gibt es glückseligeres für eine Hundeseele?  Dieser Weg im abenteuerlichen Labyrinth war eine Übung, so ganz nach seinem Kaniden-Geschmack: laufen, springen, hüpfen, ein Weg voller Action und Bewegung und ganz viel Spaß. Wer also sagt, dass Hunde-Yoga nicht möglich ist?

Noch nie war ihr Ying und Yang besser im Gleichgewicht, als nach dem Gang durch das Linzer Labyrinth. (Foto: A. Schwarzmeier)

 

 

 

 

 

 

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