Böllerschützen Zeholfing – für die Tradition der richtige Rumms

In Zeholfing knallt es an ganz besonderen Tagen ganz gewaltig. An kirchlichen Festtagen, zu Neujahr oder an Jubiläen untermalt ein kolossaler Klang so manch bayerischen Brauch, wenn es die Böllerschützen der Schützengesellschaft D`Isartaler es richtig krachen lassen. Seit nunmehr 15 Jahren pflegen die Isartaler Böllerer mit diesem Schießsport eine alte Tradition.

Von Andrea  Schwarzmeier

Zeholfing. Hochzeiten, Kirchweih, Totensonntag, Sonnwende, Heiligabend oder Neujahr; christliche, heidnische oder weltliche Feiertage: erst ein ordentlicher Rumms macht in Bayern die Angelegenheit so richtig rund. Auch in Zeholfing gehören Böllerschüsse nun seit 15 Jahren zum Brauchtum. Die Böllerer der Schützengesellschaft D`Isartaler läuten, besser gesagt, böllern alljährlich am 1. Januar mit einem weithin hörbaren Salut das neue Jahr an, sind am Totensonntag mit dabei oder an Fronleichnam.

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Mit dem Böllerschießen wird eine alte Tradition hochgehalten: Stefan Zauner und Anton Wenninger lassen es richtig krachen. (Foto: Schwarzmeier)

„ Früher hat man mit dem Böllerschießen vor allem im Winter die bösen Geister vertrieben oder auch an Hochzeiten und Geburtstagen Salut geschossen“, berichtet Schussmeisterin Monika Löffler. Das ist auch noch heute so: Mit Böllerschüssen Menschen salutieren oder Feste und kirchliche Feiern begleiten, für die Zeholfinger Böllerschützen Hans Nüßl sen. , Monika, Manuel und Herbert Löffler, Andreas Kohl, Hans Nüßl, Renate Plosczak, Stefan Zauner, Josef Würzinger, Anton Wenninger, Herbert Pinkl, Herbert Pinkl sen., Richard Kirschner, Hermann Wimmer und Gerhard Schmidt sind dies wunderbare Gelegenheiten, es wieder einmal richtig laut werden zu lassen. Ob bei Fahnenweihen oder Gründungsfesten, bei Jubiläen oder Geburtstagsfeiern, die Zeholfinger Böllerschützen bereichern viele Veranstaltungen, so auch jedes Jahr den Landauer Volksfestauszug, wenn am letzten Freitag im Juni die Stadt-Honoratioren, Vereinsabordnungen, Kind, Pferd und Hund zum Volksfestplatz ziehen.

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Die Böllerschützen aus Zeholfing sind jedes Jahr beim Volksfestauszug mit dabei und begrüßen mit einem Salut und Reihenfeuer die Vereine. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Dann führt Schussmeisterin Monika Löffler das Regiment und jeder Böllerschütze folgt ihren Anweisungen: „ Die Schussfolge ist langsamen Reihenfeuer oder Salut“, gibt Löffler die Anweisung. Noch bevor es losgeht wurden die Enten in der Isarbucht verscheucht und Spaziergänger mit ihren Hunden darauf aufmerksam gemacht, dass es gleich laut werden kann. Die Schützen stehen unten an der Isarbrücke in Reih und Glied. Böllerschütze an Böllerschütze. Einzig Schussmeisterin Monika Löffler steht mit ihrer weiß-blauen Fahne auf der Isarbrücke. Sie allein gibt den Einsatz zum feuern. „Es ist wichtig, das die Rösser, die im Zug mitgehen, weit genug weg sind, damit sie sich nicht erschrecken von den Böllern und eventuell durchgehen“, viel Verantwortung lastet auf der Schussmeisterin. Schließlich soll alles gut gehen. Monika Löffler hat sich die Reihenfolge des Festzuges eingeprägt. Sie weiß genau, wann sie das Kommando zum Schuss geben darf. „Wir schießen, wenn der Bürgermeister und die Stadträte sowie unsere Vereine kommen einen Salut und ansonsten ein langsames Reihenfeuer“, weißt sie ihre Schützenmänner ein, die alle auf ihr Kommando hören. „Vor allem bei den Tieren, die im Zug mitgehen, den Pferden oder den Hunden muss man gut Acht geben auch darauf, dass durch das Böllern keine Gefahr für Tier und Mensch entsteht“, weiß sie.

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Schussmeisterin Monika Löffler hat alles im Griff. Auf ihr Kommando achtet jeder Schütze. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Auch die Böllerschützen bereiten sich vor: „Die Böller werden vorne mit 30 Gramm Schwarzpulver geladen. Dann kommt der Korken drauf“, sagt Monika Löffler. Die Korken werden ganz nach hinten geführt, damit das Pulver verdämmt wird. Das Pulver wird in die Nähe des Piston geklopft. „Da kommt dann die Zündkapsel drauf. Bei einem Schuss verursacht die Zündkapsel einen Funken im Pitonloch und so wird das Schwarzpulver entzündet und der Stöpsel Knall nach vorne“, informiert Löffler über die Mechanik beim Böllerschießen. Geschossen wird locker aus der Hüfte und es wird laut, wenn die Schützen böllern. „„Die Schüsse beim Volksfestauszug sind über die Isar oft noch bis Zeholfing zu hören“, sagen Schussmeisterin Monika Löffler. Kurios: Über die Straubinger Straße breite sich der Schall des Böllerschusses weniger laut aus.

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Die Böllerschützen bereiten sich vor. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Die Zeholfinger Böllerschützen beherrschen seit nunmehr 15 Jahren viele Schussfolgen, ob den Salut, das schnelle oder langsame Reihenfeuer, die Doppelschussfolge, bei der jeweils zwei Schützen schießen oder den sogenannten Reißverschluss, bei dem die Schützen von außen nach innen oder von innen nach außen schießen. Dafür hat jeder der 15 Isartaler Böllerschützen eine Prüfung abgelegt. „Wir hatten vor 15 Jahren so viele Schützen, die sich für das Böllerschießen interessierten, dass wir in Zeholfing die Prüfung abhalten konnten“, erinnert sich Schussmeisterin Monika Löffler. Bei dieser Prüfung wird Theorie und Praxis abgefragt, die Schützen erhalten Einsichtigen in die Handhabe mit den Böllern für Handböller, Standböller und auch Kanonen. Die Zeholfinger Böllerschützen verwenden für ihr Traditions-Handwerk Handböller und Schaftböller. Die Handböller haben das Aussehen einer Pistole und sie sind bis zu sieben Kilogramm schwer. Schaftböller erinnert eher an ein Gewehr.

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Beim Neujahrsanschießen werden die bösen Geister vertrieben. (Foto: Helmut Schwarzmeier)

Beim Böllern geht es nicht um Schnelligkeit oder Eleganz, sondern um Lautstärke, um den richtigen Rumms. Das Böllern selbst hat eine traditionsreiche Geschichte. Seit Jahrhunderten wird im gesamten deutschsprachigen Raum geböllert. Zum einen sollte der laute Knall der Abwehr von bösen Geistern und Dämonen dienen, oder helfen das Wetter zu ändern oder die Natur zu erwecken. Durch das Böllern soll auch die Lebensfreude zum Ausdruck gebracht werden, wenn Taufen, Hochzeiten oder Geburtstage zu feiern sind. So wurden früher auch Könige und wichtige Personen mit einem Salut begrüßt oder aber vor Gefahren wie Feuer oder Krieg, gewarnt.

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Früher wurde mit dem Salut vor Feuer und Gefahren gewarnt. (Foto: Helmut Schwarzmeier)

Wie es mit den Zeholfinger Böllerschützen angefangen hat: Beim 50 Niederbayerischen Schützentag im März 2001 in Ruhstorf an der Rott, bei dem auch viele Zeholfinger Isartaler-Schützen zugegen waren, wurde ein Böllerschießen abgehalten. Hier wurde bei den Mitgliedern der Isartaler die Idee geboren, eine eigenen Böllerschützengruppe zu gründen. Bei einer Umfrage unter den Vereinsmitgliedern meldeten sich genügend Interessenten, so dass beim Landratsamt die Schießerlaubnis für den Verein beantragt werden konnte. Der Böllerhersteller Hermann Schillinger hielt im Juli 2001 einen Grundlehrgang für Böllerschützen im Schützenheim der Isartaler. Die abschließende Prüfung, die vom Gewerbeaufsichtsamt Landshut abgenommen wurde, legten damals 14 Mitglieder der Isartaler ab. Die Vereinigung hat sich neun Handböller, Kaliber 20 Millimeter und einen Schaftböller, Kaliber 25 Millimeter angeschafft. Ihren ersten öffentlichen Auftritt hatte die neu gegründete Böllerschützengruppe der Isartaler am 21. Oktober 2001 bei der Altarweihe der neu renovierten Zeholfinger Pfarrkirche Sankt Laurentius.

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Die Zeholfinger Böllerschützen mit befreundeten Schützen beim Neujahrsanschießen. (Foto: Helmut Schwarzmeier)

Seither bereichern die Zeholfinger Böllerschützen viele Festivitäten. Mit dem Böllerschießen wird ein Stück alpenländische und bayerische Tradition aufrechterhalten und fortgeführt. Der Böllergruppe der Isartaler gehören zur Zeit 15 Schützen an. Im Schützengau Landau werden bei fünf Schützenvereinen mit Böllern geschossen.

 

(Foto: Andrea und Helmut Schwarzmeier)

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