Historisches Uhrwerk in Kammern hat eine barmherzige Seele

Viele Jahre lang verstaubte das ausrangierte mechanische Werk der Kirchenuhr von Sankt Stephanus vor sich hin. Nun wurde das Uhrwerk mit Hilfe der Bramenkamp Stiftung aus dem Dornröschenschlaf geholt. Das vom Uhrmacher Hans Winbauer restaurierte technische Kulturgut wird nun der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. In der frisch renovierten Kirche in Kammern hat das historische Uhrwerk seinen Platz gefunden und kann dort besichtigt werden.

Von Andrea Schwarzmeier

Kammern.  Knapp ein Jahrhundert lang, von 1866 an, tat die historische Mechanik der Uhr im Turm der Sank-Stephanus-Kirche ihren Dienst. 1965 schien ihre Zeit abgelaufen, als die Kirche elektrifiziert wurde. Seit dieser Zeit fristete das Uhrwerk ungenutzt ein Schattendasein im Kirchturm. Es war von Spinnweben bedeckt, verstaubt, die Farbe blätterte ab. Vom alten Glanz des historischen Uhrwerks war nicht mehr viel übrig geblieben: Zahnräder und Metallbolzen waren verdreckt.

Uhrmachermeister Hans Winbauer hat das alte mechanische Uhrwerk aus der Kirche Sankt Stephanus wieder restauriert. „Ich habe es vollständig gereinigt, die Lackschäden ausgebessert, die Goldfassungen nachgefärbt und das Uhrwerk wieder gangbar gemacht“, sagt der Landauer, der schon in der dritten Generation das Uhrmacher-Handwerk ausübt. Auch die mechanischen Stahlteile wurden poliert, Zahnräder, Triebfedern gereinigt. Das historische Uhrwerk findet in Zukunft im hinteren Teil des Gotteshauses seinen Platz. Das Stück ist nach seiner Restaurierung wieder voll funktionsfähig, jedoch soll es als Ausstellungsstück und nicht mehr zur Zeitmessung dienen. Das dies möglich wurde, ist Walter Bramenkamp zu verdanken. Mit seiner Kulturstiftung ermöglichte er die Restaurierung dieses wertvollen Kulturgutes.

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Das Innenleben einer mechanischen Uhr. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Die Förderung von Kunst und Kultur sowie des Denkmalschutzes sind Walter Bramenkamp und seiner Ehefrau Dr. Hedwig Bramenkamp ein großes Anliegen. „ Es ist mir eine Motivation, technisches Kulturgut zu erhalten“, gesteht der ehemalige Notar. So nahm er sich auch des Uhrwerks in Kammern an. Es war sein Ziel, die das alte Uhrwerk wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. “Es ist eine Besonderheit, da die Uhr komplett erhalten ist , weil das Uhrwerk in einem Uhrenkasten untergebracht war“, sagt der ehemalige Notar Walter Bramenkamp. Seine Stiftung hat die Restaurierungskosten für den historischen Uhrenkasten aus Holz und des Uhrwerks übernommen.

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In einem Uhrkasten wird der Zeitmesser der Öffentlichkeit präsentiert. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Das mechanische Uhrwerk in Kammern wurde 1866 von der Turmuhrenfabrik Manhardt in München hergestellt. „Dies war eine berühmte Uhrmacher-Werkstätte“, wusste Bramenkamp. Die Mechanik befand sich in einem historischen Uhrenkasten aus Fichtenholz. „Dieser Uhrenkasten wurde gesteckt und gefugt“, informiert Bramenkamp.

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Kirchenpfleger Anton Simmel und Walter Bramenkamp öffnen den Uhrenkasten. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Bei den Restaurierungsarbeiten, die vom Uhrmachermeister Hans Winbauer durchgeführt wurden, wurde darauf geachtet, dass die Funktionsfähigkeit des Uhrwerks auch für die Zukunft sichergestellt wird. Nach dem Abtransport des Uhrwerkes aus dem Kirchturm wurde die Mechanik in der Uhrmacherwerkstatt vollständig zerlegt. Die Einzelteile wurden mit Putzöl gereinigt, Verkrustungen und Rost wurde beseitigt. Feinmechanische Teile reinigte der Uhrmachermeister Hans Winbauer mit Ultraschall. Es zeigte sich, dass das Uhrwerk mit der Farbe Grün-Chromoxid gestrichen ausgeliefert wurde und in der Vergangenheit keine Überstreichungen erfolgt sind. Der Original-Anstrich ist nahezu ganz erhalten. Restauriert wurde auch der historischen Uhrenkasten aus Holz. Er wurde gereinigt und gegen Holzwurmbefall behandelt. Eine fehlende Türe wurde nachgebaut, fehlende Schlösser angebracht. Die alte beschädigte Verglasung in den Türen wurde entfernt und mit Sicherheitsglas ersetzt, der Außenanstrich wurde in Schwammzugtechnik erneuert oder retuschiert. Die Arbeiten am historischen Uhrenkasten führte der Kunstmaler Hermann Blasy aus Indersbach aus.

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Das mechanische Uhrwerk in Kammern wurde 1866 von der Turmuhrenfabrik Manhardt in München hergestellt. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Dabei ist es ein großes Glück, dass es das alte Uhrwerk der Kamminger Kirche noch gibt. „Viele alte mechanische Werke von Kirchturmuhren wurden entsorgt und an Alteisenhändler verkauft“, erzählt Kirchenpfleger Anton Simmel. Nicht so in Kammern. Nach der Stilllegung des Uhrwerkes wurde diese im Turm belassen und in Vergessenheit geraten. „In den 50er Jahren sind wohl Anbauteile und Gewichte verloren gegangen“, vermutet Kirchenpfleger Anton Simmel. Noch bis 1965 musste das mechanische Werk der Kirchenuhr von Sankt Stephanus einmal täglich mit der Hand aufgezogen werden.

„Uhrwerke sind ewige Werke die tatsächlich funktionsfähig sind“, sagt Bramenkamp. Dass die Uhr heute auch noch funktioniert, dies probierte Kirchenpfleger Anton Simmel gemeinsam mit Uhrmacher Hans Winbauer, Stadtpfarrer Christian Kriegbaum und Notar Walter Bramenkamp aus.

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Uhrmachermeister Hans Winbauer, Walter Bramenkamp, Pfarrer Christian Kriegbaum und Kirchenpfleger Anton Simmel ziehen das Uhrwerk mit der Kurbel auf. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Früher schlug die Mechanik mittels zwei Hämmern zwei Glocken an, die Glocken für die Viertelstunden und die für die volle Stunde. Die Pendel wurden nach oben im Uhrkasten aufgehängt. Heute ist das historische Uhrwerk nach dem Zusammenbau mit einigen vorgenommenen Nachjustierungen voll funktionsfähig. Die Mechanik kann jedoch nur für Minutenintervalle mangels der Uhrengewichte in Betrieb gesetzt werden. Hans Winbauer, der der dritten Generation Uhrmacher restaurierte das historische Uhrwerk. „Früher hat sein Vater die meisten Kirchturmuhren renoviert“, dankte Bramenkamp.

„Walter Bramenkamp ist ein Liebhaber von Großuhren“, freute sich Stadtpfarrer Christian Kriegbaum über die finanzielle Unterstützung. So hat der ehemalige Notar mit seiner Stiftung ebenfalls das alte Uhrwerk der Landauer Stadtpfarrkirche restaurieren lassen. Es ist nun in den Stadtwerken ausgestellt. Auch das Uhrwerk aus der Indersbacher Kirche wurde wieder in Stand gesetzt und kann nun in Eichendorf in der Passage bewundert werden.

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Uhrmachermeister Hans Winbauer hat das alte mechanische Uhrwerk aus der Kirche Sankt Stephanus wieder restauriert. (Andrea Schwarzmeier)

Mit Hilfe der Bramenkamp-Stiftung wurde nicht nur das historische Uhrwerk, sondern auch die seltenen Altäre aus der Renaissance-Zeit restauriert. Viel kulturhistorisch Wertvolles und Seltenes gäbe es in der Sank-Stephanus-Kirche zu bestaunen. So gäbe es eine Verbindung zwischen den romanischen Ecksteine in der Kirche und dem Ganackersberger-Mandl. „Ganackersberg war eine Nebenkirche von Kammern. Das Ganackersberger Mandl wurde lange Jahre im Pfarrhof in Kammern aufbewahrt. Wie der Pfarrhof verkauft wurden ist, übergab der damalige Stadtpfarrer Franz Gabriel das Ganackersberger-Mandl als Leihgabe ans Heimatmuseum“, sagte Stadtpfarrer Christian Kriegbaum. Weitere Kuriositäten: Bei der Sanierung der Kirche Sankt Stephanus wurde der Putz runter geschlagen. Aus Steinen der Vorgängerkirche wurde das Fundament der jetzigen Kirche gemauert. Aus Thomasbach, einer ehemaligen Wallfahrtskirche, stammt einer der beiden Seitenaltäre und der Hochaltar, der auch auf der Rückseite ein Bildnis trägt. Es sind zwei in unserer Gegend seltene Renaissance-Altäre.

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Die bronzene 223 Kilogramm schwere Glocke, die von Christoph Ferdinandt Hueber in Landshut gegossen wurde, fand neben dem historischen Uhrwehr seinen Platz.(Foto: Andrea Schwarzmeier)

„Auch die Kirchenglocken wurden zwischen Kammern und Thomasbach hin- und hergetauscht. Die Glocke, schlug schon einmal in Kammern die Stunden an. Dann wurde sie an die Kirche in Thomasbach ausgeliehen. Nun wurde diese Glocke wieder nach Kammern zurückgebracht“, erzählt Stadtpfarrer Christian Kriegbaum. Die bronzene 223 Kilogramm schwere Glocke, die von Christoph Ferdinandt Hueber in Landshut gegossen wurde, fand neben dem historischen Uhrwehr seinen Platz.

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Mechanische Uhrwerke haben eine barmherzige Seele. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Stadtpfarrer Christian Kriegbaum bedankte sich bei Walter Bramenkamp für die finanzielle Unterstützung bei der Restaurierung des Uhrwerks sowie der Altäre in der Pfarrkirche Stankt Stephanus. Nun werde auch der Öffentlichkeit altes Kulturgut zugänglich gemacht. So können sich die Besucher des Gotteshauses an der wunderbaren Mechanik der Kirchturmuhr erfreuen. Während sich die Menschen die Zeit um das Handgelenk binden, hat die weit über hundert Jahre alte mechanische Uhr in Kammern eine barmherzige Seele.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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