Landau: Weinstube Kanzler: Die Welt zu Gast bei Hannelore und Kurt

San Francisco ist die Stadt, in der die Träume zu Trends gedeihen. Landau ist der Ort, an dem dieser Trend verwirklicht wird. Hannelore Kanzler bietet in ihrer Weinstube Kanzler seit letztem Sommer auf der Internetplattform Airbnb, einem Wohnungsvermittlungsportal, zwei Zimmer für Übernachtungsgäste an. Nun zieht sie nach der Radler-Saison positive Bilanz: „Über 30 Leute aus der ganzen Welt waren innerhalb ein paar Monaten bei uns zu Gast.“

Von Andrea Schwarzmeier

Landau. Wer draußen in der Welt kennt diese Stadt? Die zunehmende Sehnsucht nach authentischen Urlaubserlebnissen und echten Begegnungen mit den „Locals“ animiert immer mehr Menschen dazu, einen Mittelweg zwischen anonymer Privatsphäre wie in vielen Hotels und engem Einheimischen-Anschluss, wie beim Couch-Surfing auszuprobieren. Ob Luxusapartment in einer Weltstadt, Baumhaus in Italien, Leuchtturm in Kroatien, Iglu am Polarkreis oder ein hübsches Gästezimmer in der deutschen Provinz: das Angebot auf dem kalifornischen Buchungsportal Airbnb ist vielfältig.

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Anklopfen – jedem Gast wird in der Weinstube Kanzler geöffnet. (Foto: Helmut Schwarzmeier)

„Wir haben uns entschieden zwei Zimmer zu vermieten, weil wir festgestellt haben, dass es in Landau wenig Übernachtungsmöglichkeiten vor allem für Radfahrer gibt“, erzählen Hannelore Kanzler und ihr Mann Kurt Denzinger. Mit Hilfe von Kurts Sohn Philipp inserierten die beiden auf dem Portal von Airbnb. Innerhalb von kürzester Zeit beherbergte Hannelore Kanzler in ihrem historischen Haus in der Höckinger Straße ein Paar aus England, das schon Afrika mit dem Rad durchquert hat und auf ihrer Tour durch die Stadt Landau kamen. Ein Mann aus Kalifornien, ein Ehepaar aus Holland, dass zur Volksfest-Saison in der Stadt ein Zimmer suchte oder einen Radler aus München, der es bis nach Landau geschafft hat – sie alle waren zu Gast in Hannelores Weinstube. Viele Gäste kommen auch aus Österreich und aus Deutschland sowieso. Kurt Denzinger, der im Sommer gerne an der Isar spazieren geht und radelt, traf immer wieder auf Radfahrer, die eine Bleibe suchten. „ Kurt ist einem Paar aus Garmisch begegnet, die ebenfalls einen Platz zum Übernachten brauchten. Da hat Kurt sie gleich zu uns mitgenommen“, lacht Hannelore Kanzler. Und die Gäste fühlen sich wohl bei Hannelore und Kurt.

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Hannelore Kanzler und Kurt Denzinger bieten den Gästen in ihrer Weinstube Gastlichkeit und ein einmaliges Flair. (Foto: Helmut Schwarzmeier)

„Alles hat super gut und sehr schnell geklappt. Hannelore ist sehr gastfreundlich, ihre Weinstube sehr gemütlich. Das Zimmer ist in einem schönen altem Haus und nur zu empfehlen ebenso wie das Essen in der Weinstube“, gab Gast Julia ein Feedback. Airbnb-Besucher Hans-Jürgen schrieb die Bewertung: „Hannelore ist eine nette Gastgeberin. Das Zimmer ist in einem alten, urigem Haus. Es gibt ein gutes Glas Wein und leckeres Essen im malerischen Garten“, während Gast Lisa lobt: „In der Weinstube im Haus konnten wir im Garten ein leckeres Abendessen genießen. Auch sonst sind schöne Spazierwege, Geschäfte und Cafés gut fußläufig zu erreichen. Hannelore hat uns sehr freundlich empfangen und uns mit allen Informationen versorgt. Rundum sind wir sehr zufrieden und kommen gerne wieder.“ Hannelore Kanzler und Kurt Denzinger vermieten ein Privatzimmer in zentraler Lage von Landau sowie einen zweiten mit antiken Interieur eingerichteten Raum, nur 200 Meter vom Isarradweg entfernt. Abends gibt es für die Gäste Essen und Getränke in der hauseigenen Weinstube.

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Warum hinausfahren in die Welt, wenn das Paradies so nahe liegt? (Foto: Helmut Schwarzmeier)

Das Hannelore Kanzler und ihr Mann Kurt Denzinger Gastgeber mit Leib und Seele sind, das ist in der Stadt wohl bekannt. Im Familienbetrieb wirkt Hannelore Kanzler in der vierten Generation. 2007 nach dem Tod ihrer Mutter hat sie die Weinstube in der Höckinger Straße übernommen. Seit 1881 ist das historische Haus gegenüber dem Landauer Heimatmuseum in Familienbesitz. Hannelores Urgroßeltern haben das Haus gekauft, es ihrem Großvater vererbt. Vom Opa kam das Gebäude in den Besitz von Hannelores Vater Edmund Kanzler. Doch die Geschichte des Hauses reicht bis ins Jahr 1684 zurück, wie in einem Stifts- und Salbuch nachzulesen ist. So soll der Landauer Bürger und Bierbrauer Kaspar Höchtl der erste Besitzer des Hauses gewesen sein. „Auf unserem Haus waren immer Brauereien mit einem Wirtshaus drauf“, erzählt Hannelore Kanzler. „Meine Eltern Hannelore und Edmund Kanzler machten in den 50er Jahren aus dem Wirtshaus eine Weinstube“, so die Landauerin. Weit und breit die einzige Weinstube. Die nächste gibt es erst in Deggendorf. Auch die Süddeutsche Zeitung wurde schon auf die Weinstube Kanzler aufmerksam. Im September gab es in einer Ausgabe den Ausflugs-Tipp:“ Weinstuben sind in der Bierregion Bayern und speziell in niederbayerischen Landstrichen nicht allzu verbreitet, doch Landau an der Isar kann sich einer Ausnahme rühmen: Die Weinstube Kanzler gibt es schon seit 1949. Die Atmosphäre hat sich seitdem nicht nennenswert verändert: Die gemütlichen kleinen Gaststuben des denkmalgeschützten Hauses bewahren bis heute den Charme der Nachkriegszeit,“ wird in der Süddeutschen Zeitung geschrieben. Und es stimmt: Da gibt es einen alten Schrank, der einst in einem Verkaufsladen im Haus stand – früher wurde hier Wein und selbst produzierter Essig verkauft. Im Sommer können die Gäste den mit Blumen bepflanzten Garten genießen und ein „weinumrankter Innenhof lässt an südliche Gefilde denken“, wie die Süddeutsche beschreibt.

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Die Weinstube Kanzler in früheren Zeiten. (Repro: Helmut Schwarzmeier)

„Mir ist es wichtig, diese langjährige Tradition weiterzuführen und zu erhalten. Ich fühle mich verpflichtet diese Erbe zu bewahren“, sagt Hannelore Kanzler. Noch bis vor kurzem hat Tochter Anna, die bei „Feinkost Käfer“ ausgebildet wurde, gemeinsam mit ihrer Mutter Hannelore die passenden Speisen zur internationalen Weinauswahl kredenzt. Seit 1. Oktober hat sich Tochter Anna privat verändert. Nun ist die Senior-Chefin Hannelore die alleinige Regentin am Herd. Ob die „Weinbegleitung“ mit Schinken, Käse und Basilikum-Pesto oder die würzigen Schaschliks, die landauf und landab bekannt sind und zu denen auch heimisches Krieger-Bier serviert wird: Hannelore weiß, was verwöhnte Gaumen lieben. Die Gäste werden zudem von den netten Bedienungen liebevoll bewirtet. Die Weinstube ist immer mittwochs bis sonntags ab 18 Uhr geöffnet. „ Früher hatten wir nur vier Tage offen, doch auf Wunsch unserer Gäste öffnen wir unsere Weinstube auch am Sonntag, egal ob im Winter oder im Sommer“, sagt Hannelore. Jeden zweiten Mittwoch im Monat sind zudem die Abende zur Brauchtumspflege sehr beliebt.

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Hannelore Kanzler bietet über Airbnb Zimmer für Gäste aus aller Welt an. (Foto: Kanzler)

Auch die über 30 Gäste aus aller Welt, die während der letzten Wochen bei Hannelore Kanzler über Airbnb zu Gast waren, schätzen, das sie eintauchen und teilhaben konnten an einem möglichst authentischen Alltag im Reiseort. „Living like a local“ ist die Devise. Über private Gastgeber wie Hannelore Kanzler und Kurt Denzinger findet der Reisende und Radler Unterkünfte, auch in kleineren Städten wie Landau, die bisher abseits der Touristenrouten lagen. Und so ganz nebenbei erfahren die Übernachtungsgäste von Hannelore, dass es gleich um die Ecke das beste Frühstück gibt. „Kurt ist schon immer gerne gereist und ist als Weltreisender bekannt, jetzt kommen die Gäste aus aller Welt zu uns ins Haus“, lacht Hannelore , „ so kann Kurt auch seine Englisch-Kenntnisse anwenden.“ Seit Anbeginn an liegt auf dem denkmalgeschützten Haus in der Höckinger Straße ein Tafernrecht. Eine Tavernwirtschaft ist eine alte Bezeichnung für eine Gaststätte. Das Tafernrecht wurde vom Landesherrn verliehen und beinhaltete diverse Privilegien. So hatte früher der Wirt einer Tafernwirtschaft das öffentliche Schank- und Krugrecht, das Herbergs- und Gastrecht sowie das Recht, Tiere im Stall unterzustellen, sowie Hochzeiten, Taufen oder sonstige Feiern auszurichten. Zu diesem Recht gehörte auch das Braurecht, das Brennrecht und das Recht Brot zu backen, als auch Bier, Wein und Branntwein auszuschenken. „Eine Tafernwirtschaft musste auch reisende Handwerksgesellen gegen Geld oder handwerkliche Gegenleistung beherbergen“, erzählt Hannelore Kanzler. Heute finden bei ihr Reisende aus aller Welt eine Herberge und ein Zimmer für die Nacht zudem werden sie in ihrer Weinstube vorzüglich bewirtet. „Wir haben immer noch das alte Beherbergungsrecht“, sagt sie.

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Musikerfreundlich ist die Weinstube Kanzler (Foto: Helmut Schwarzmeier)

Zu den knappen Übernachtungsmöglichkeiten rund um die Stadt Landau haben Hannelore Kanzler und Kurt Denzinger mit Hilfe der Internetplattform Airbnb eine Möglichkeit gefunden, Gäste zu sich einzuladen. „ Überhaupt lädt Kanzler zu einer wohltutenden Zeitreise ein, wie man früher einmal zusammensaß – ohne Konservenmusik und Handys, dafür angeregt in Gespräch vertieft“, schreibt die Süddeutsche Zeitung. Schon viele Gäste haben dieses besondere Flair in der Weinstube und im denkmalgeschützten Haus kennengelernt. Die Weinstube Kanzler ist in Landau eine Institution und dies schon seit 135 Jahren. Einzig in der Zeit von 5. November bis 22. November 2016 müssen die Besucher auf die Gastlichkeit von Hannelore Kanzler und Kurt Denzinger verzichten. Die beiden, die sich im letzten August das Eheversprechen gaben, werden auf Flitterwochen-Reise sein. Erst ab Mittwoch, dem 23. November empfangen die beiden wieder Gäste in ihrer Weinstube und stellen ihre Übernachtungsräumlichkeiten bereit. Tipp: Auch Tischreservierungen sind erbeten unter der Telefonnummer: 09951/59370.

 

 

 

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