Sonntagsfahrer unterwegs – Eine Reise in die Vergangenheit

Sonntagsfahrer unterwegs auf ihrer Reise wie in der Wirtschaftswunderzeit: Mit 50 km/h ging es für die Musikgruppe „Conny & die Sonntagsfahrer“, und die Mitglieder der Goggo-und Glasfahrergemeinschaft mit ihren Oldtimerfahrzeugen  von Landau nach Ampfing. In einem Oldtimerbus der Firma Auwärter reiste die Musikgruppe weiter auf eine unvergessliche Zeitreise zurück in die 50er Jahre nach Salzburg und an den Wolfgangsee, wo sie mehrere Konzerte gaben.

Von Andrea Schwarzmeier

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„Conny & die Sonntagsfahrer“ werden zum Start ihrer Österreichtournee von Mitgliedern der Goggo- und Glasfahrergemeinschaft begleitet. (Foto: Helmut Schwarzmeier)

Landau. Beim Bus glänzt der Lack, bei Busfahrer Ingo Bogenschneider aus Wallersdorf die Augen. Er hat das Gefährt aus dem Jahre 1954, den Original Auwärter-Bus L 4500 fest im Griff: 8130 Millimeter Buslänge, 2250 Millimeter Breite. Der Lenker befindet sich auf der linken Seite. 24 Personen finden in dem Oldtimer, der aus dem Neoplan-Museum von Konrad Auwärter entliehen wurde, Platz.

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Busfahrer Ingo hat den Lenker fest im Griff. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Am Sonntag beförderte Ingo Bogenschneider „Conny & und die Sonntagsfahrer“, die erfolgreiche Musikgruppe mit Eva Petzenhauser (Conny), Steffen Zünkeler (Freddy), Rainer Heindl (Peter) und Thomas Stoiber (Alexander), die landauf und landab die Menschen mit ihrem Schlager-Nostalgie-Programm: „Komm ein bisschen mit nach Italien“ und ihrer Tanzshow: „Tanze mit mir in den Morgen“, für ausverkaufte Konzertsäle sorgen.

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„Conny & die Sonntagsfahrer“ singen im Landauer Stadtpark Hits aus den 50ern. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Im Bus, in dem einst die deutsche Fußball-Weltmeister-Elf von Sepp Herberger reiste, baumeln am Sonntag Kleiderhacken an denen Anzüge und original 50-Jahre-Damenkleider hängen. „ Für die Tour haben wir sogar Badehosen und Bikinis im 50erJahre-Stil eingepackt“, verrät Eva Petzenhauser. Reisekoffer befinden sich auf den Sitzplätzen, Sonnenschirme, Freddys Kontrabass lehnt an den Bussitzen, Peters Gitarre auf der Rückbank und Alexanders Akkordeon im Zwischengang.

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Reisefertig – Sängerin Conny (Eva Petzenhauser) hat den Picknickkorb für die Reise gepackt. (Foto: Andrea Schwarzmeier).

Eva  Petzenhauser hatte zur Reise nach Österreich Proviant eingepackt und einen Sonnenschirm, der am Sonntag kurzerhand gegen den Regen schützen musste. Ihre Österreichtournee starteten „Conny & die Sonntagsfahrer“ auf ganz besondere Weise: Los ging es vom Maria-Ward-Platz aus – standesgemäß in Begleitung von Oldtimerfahrzeugen und mit viel Musik.

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Die Fans von „Conny & die Sonntagsfahrer“ warten im Regen. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Zuvor war die Musikgruppe schon von vielen Fans in Landau erwartet worden, unter ihnen von Konrad Auwärter mit Frau Christa…

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Konrad Auwärter hatte für die Tournee und die Oldtimerausfahrt den Auwärter-Bus und ein Oldtimer-Fahrzeug zur Verfügung gestellt. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

… sowie den Mitgliedern der Goggo- und Glasfahrergemeinschaft mit Bert Füchsl, der die Oldtimer-Ausfahrt organisiert hatte.

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Die Mitglieder der Goggo- und Glasfahrergemeinschaft gekleidet im Stil der 50er.

Schnell waren die Instrumente der Musiker ausgepackt. Unter dem Stadthallendach fanden die Band mit Sängerin Conny Schutz vor dem Regen.

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Rosi, Karl, Bert und Helmut sind gerüstet für die Fahrt nach Ampfing.(Foto: Andrea Schwarzmeier)

Die Zuschauer formierten sich mit Regenschirmen um die Band und sangen die Hits der 50er Jahre mit. „Komm ein bisschen mit nach Italien“, „ Mandolinen und Mondschein“ oder „Das tue ich alles aus Liebe zu dir“ – eine ganze Generation ist mit dieser Musik aufgewachsen. Auch im Stadtpark wurde unter dem Schutz der Bäume weitergesungen.

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Unter den Schirmen fanden viele Goggo- und Glasfahrer Schutz vor dem Regen. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Conny und ihre Sonntagsfahrer servierten dem Landauer Publikum einen Strauß bunter deutscher Schlagermelodien aus den 50ern. Zwei ältere Damen, die zufällig auf die 50er-Jahre-Gesellschaft getroffen sind, haben Tränen in den Augen und singen die Lieder ihrer Zeit mit.

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„Komm ein bisschen mit nach Italien“ – mit dem Song luden „Conny & die Sonntagsfahrer“ ein zur Fahrt nach Ampfing. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Nach einem Mittagessen hieß es dann: „Auf geht´s!“ Der Auwärterbus, Goggomobile in der Ausführung Coupe, und Limousine, Glas Limousinen des Typs S 1004, C1304 CL und 1700 sowie ein Glas Cabrio S 1204 und ein BMW Barockengel 501 formierten sich zu einem Korso. Musiker Thomas Stoiber versprach vor der Fahrt den Oldtimer-Lenkern: „ Wenn euer Goggo nicht mehr fährt, packen wir es zur Not in unseren Bus hinein.“

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Wir beide, Andrea und Helmut, freuen uns auf die Fahrt mit unserem Goggomobil Coupe.

Nachdem alles verstaut ist, Musikband samt Equipment und Picknick-Koffer, klopft Busfahrer Ingo auf das dicke Blech des Oldtimerbus. Conny und ihre Sonntagsfahrer winken durch die gläserne Dachseiten.

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Die Oldtimer stehen zur Ausfahrt bereit. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Buslenker Ingo startet den Sechs-Zylinder-Dieselmotor des Auwärter—Buses, der einst speziell für eidgenössische Schweizer Passstrecken produziert wurde und deshalb eine schmale „Schweizer Breite“ aufweist.

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Auwärter, respektive Neoplan-Busse – ein Markenzeichen. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Als Basis für diesen Bus diente ein Mercedes Benz Lastwagenfahrgestell L 3500. Die Daimler-Benz Vertretung Höschele baute dieses LkW-Chassis auf einen Omnibus-Frontlenker um, bei dem der Fahrer neben dem Motor saß. Auch die großzügige Verglasung war typisch für die Auwärter-Fahrzeuge dieser Jahre. Der L4500 war einer der letzten Karosserien von Gottlob Auwärter, kurz darauf begann die Produktion von Neoplan-Bussen.

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Thomas Stoiber (Alexander), Eva Petzenhauser (Conny), Steffen Zünkeler ( Freddy) und der Organisator der Oldtimerfahrt Bert Füchsl freuen sich auf die Fahrt. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Schnaufend setzte sich der 1954-Jahre-Bus in Landau in Bewegung. Die Goggomobil-Fahrer drehten den Benzinhahn hinter der Rückbank auf der Hutablage auf, damit der Treibstoff direkt in den Vergaser fließt, um den darunter liegenden Motor anzutreiben. Es klötert und dröhnt im Blechgehäuse. Fensterscheiben der Goggos werden hinunter gekurbelt, damit bei dem Regenwetter die Scheiben nicht beschlagen. Scheibenwischerknöpfe werden nach vorne herausgezogen. Die 2,90 Meter kurze, mit einem 13,6 PS starken Motor ausgerüsteten Goggos rattern laut. Der Geruch der Öl-Benzingemische liegt in der Luft.

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Das Innenleben eines „Barockengels“. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Die Glas-Fahrzeuge werden angelassen. In den Vehikeln gibt es weder Kopfstützen, noch Anschnallgurte oder Tankanzeigen. Eingepackt sind Werkzeugkoffer und diverse Ersatzteile. So wird 50er Jahre- Autofeeling lebendig. „Schön, dass wir mit unseren Goggos- und Glasfahrzeugen den ADAC nicht brauchen“, scherzt ein Fahrer. Derweil strecken am Straßenrand am Maria-Ward-Platz die Zuschauer die Daumen in die Höhe und applaudieren.

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Winkend wird der Oldtimer-Konvoi von den Zuschauern verabschiedet. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Hupend verabschiedet sich der Oldtimer-Bus und hinten dran die Oldtimerfahrzeuge von den Bewohnern der Bergstadt. Der Oldtimer-Konvoi zieht auch auf der Fahrt nach Ampfing viele Blicke auf sich: Menschen winken, lachen, hupten dem Oldtimer-Korso zu. Ein Bus und acht Autos ziehen mit km/h 50 durch die Lande. Kilometer für Kilometer schnaufen sich die Fahrzeuge der B 20 entlang Richtung Simbach, Eggenfelden, Töging am Inn bis nach Ampfing. „Conny & die Sonntagsfahrer“ winken hinter den Busglasfenstern den Menschen zu.

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Ingo steuert den „Weltmeister-Bus“ gekonnt über den Asphalt. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

So eine Oldtimer-Ausfahrt bedeutet nicht nur eine Zeitreise in die 50er Jahre, sondern auch Entschleunigung, da bei der langsamen Fahrweise alles etwas behutsamer ist. Es ist diese Langsamkeit, die einem Orte und Wege in einem anderen Licht erscheinen lässt. „Ich war so begeistert. Es ist super cool mit dem Oldtimer-Bus unterwegs zu sein. Dies entschleunigt ungemein“, ist Eva Petzenhauser vom Fahr-Feeling im Auwärter-Bus von 1954 begeistert.

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Auf geht´s von Landau nach Ampfing! (Foto: Andrea Schwarzmeier)

„Wir werden heute zum ersten Mal von Oldtimern begleitet. Ich habe vom Bus aus Fotos gemacht und die Gesichter der Menschen am Straßenrand beobachtet, als unsere Karawane durch die Straßen fuhr“, erzählt Petzenhauser. So einen Konvoi sehe man nicht alle Tage.

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Ein Gruß vor der Fahrt von dem Glas- Fahrer Erwin an die Goggerl. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

„ Als die Menschen auf den Straßen unseren Bus und die Autos gesehen haben, haben sie und gewunken. Man sah bei vielen die Freude darüber in den Gesichtern“, sagt Sängerin Conny. Mit Oldtimerbus, Goggos und Glas-Fahrzeugen sowie einem alten BMW reisen wie im Wirtschaftswunder: die Auto-Knirpse, die Glas-Fahrzeuge und der Nostalgie-Bus zaubertn am Sonntag ein Bild in die Straßen wie in den frühen fünfziger Jahren.

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Klein, aber fein – unser Goggomobil. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Die „Teufelsdinger aus Dingolfing“ und der Bus der Firma Auwärter begeisterten die Menschen entlang der Route. Schon lange hatten man den einstigen „Ferrari des kleines Mannes“ nicht mehr gesehen. Zweitakt-Wolken entlang der Route verschlucken manchen Winkenden am Straßenrand.

Doch dieser Ausflug mit Nostalgie begeistert nicht nur Teilnehmer, sondern auch Zuschauer, schließlich heißt „goggeln“, die Langsamkeit zu entdecken und dieses Gefühl von früher zu erleben, als die Straßen noch leerer waren, die Welt klein und die Sehnsucht groß. Es geht nicht darum, möglichst schnell voranzukommen. Es geht darum, die Fahrt zu genießen, die Reize der Landschaft zu entdecken.

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Sonntagsfahrer unterwegs: eine nostalgische Zeitreise mit Oldtimerbus sowie mit Goggos und Glas-Fahrzeugen. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Da ist dann dieser Klack mit dem Hebel, in der offenen Schaltkulisse der Goggos – und schon ist man schnell unterwegs. Links fliegen Mercedes und Polo vorbei. Die Goggo- und Glasfahrer halten schön das Lenkrad fest. Der rechte Fuß gibt Gas bis fast zur Stoßstange, den linken Fuß entspannt auf das Radhaus.Unter der Haube des Goggos steckt nur nach das Reserverad und ein winziger Hauptbremszylinder. Der Arm greift um die Beifahrerlehne. Der Motor schnurr zufrieden – so könnte man ewig weitertuckern.

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Der Kühlergrill eines Barockengels. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Nach einer gemütlichen rund zweistündigen Fahrt kam der nostalgische Autokonvoi in Ampfing an.

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Wir sind in Ampfing angekommen. Einzig ein Goggo-Auspuff ging verloren. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Für die Ampfinger Sommerabende, bei denen auch die Musikband „Conny & und die Sonntagsfahrer“ ein Konzert gaben, wurde kurzerhand eine Oldtimerausstellung formiert.

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Die Fahrer unter ihnen Sänger und Gitarrist Rainer Heindl (Peter) werden in Ampfing erwartet. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Es trafen ebenfalls die Rosenheimer Oldtimerfreunde mit ihren Fahrzeugen ein. Sie waren mit einem Mercedes 220 SB Coupe gekommen, einem Opel Rekord, Coupe B, einem Fiat 500, einem MG sowie einem VW Käfer.

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Oldtimer-Fahrer am Ziel. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Vor dem Konzert wurden die alten Fahrzeuge bewundert.

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Unser kleines rotes „Goggerl“ Coupe wird bestaunt. (Foto: Andrea Schwarzmeier)
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Ein BMW Barockengel 501, den Musiker Rainer Heindl lenkte, zog viele Blicke auf sich. (Foto: Andrea Schwarzmeier)
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Eine Goggo Limousine bei den Ampfinger Sommerabenden. (Foto: Andrea Schwarzmeier)
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Da war er noch ohne Schrammen, unser Goggo-Liebling, den Helmut, der beste Ehemann von allen, so gerne ausfährt. (Foto: Andrea Schwarzmeier)
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Gerhard und seine Frau Irmgard waren mit seinem Glas-Fahrzeug mit dabei in Ampfing. (Foto: Andrea Schwarzmeier)
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Die Rosenheimer Oldtimerfreunde waren mit einem alten Mercedes nach Ampfing angereist. (Foto: Andrea Schwarzmeier)
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Karl war mit seinem Goggerl schon in Marokko unterwegs. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Vor ausverkauften Haus schließlich sang die Musikgruppe „Conny & die Sonntagsfahrer“  und begeisterte mit ihrem Programm: „Tanze mit mir in den Morgen“.

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Die Musik aus den 50ern – damit ist eine ganze Generation groß geworden. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

„ Wir singen die Lieder, die in den 50er Jahren schon die Mama daheim in der Küche gesungen hat“, verriet Eva Petzenhauser. Alte Schlager aus den 50ern, die Erinnerung an damals, die Schätze der handgemachten Musik, auch in Ampfing waren die Konzertbesucher von Conny und ihren Sonntagsfahrern restlos begeistert.

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Vor dem Konzert bestaunen Rosi, Sängerin Conny, Helmut und Musiker Peter die ausgestellten Oldtimer. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

„ Nach einem Konzert kam einmal eine 87-jährige Dame mit Gehstock auf mich zu und gestand mir, sie fühle sich heute so wie mit 17 Jahren“, lacht Eva Petzenhauser. Dies ist es, was den Flair ihrer Auftritte ausmacht.

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„Conny & die Sonntagsfahrer “ bei ihrem Auftritt in Ampfing. (Foto: Helmut Schwarzmeier)

Nach einem über zweistündigen Konzert zockelte die Glas- und Goggo-Karawane wieder gen Heimat, während sich „Conny & die Sonntagsfahrer“ aufmachten in Salzkammergut.

Eine kleine Reise in die Vergangenheit, ist an manchen Tagen, so wie am Sonntag, auch ein Ausflug in das Glück.

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Eine Reise in die Vergangenheit, ist ein Ausflug in das Glück. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

(Fotos: Andrea und Helmut Schwarzmeier)

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