Euroline Security: Ein Job zwischen Schlichtung und Rauferei

Er tingelt im Sommer von Volksfest zu Volksfest, vom Open Air Festival zur Zeltparty, von Gründungsfesten bis zu Public-Viewing-Veranstaltungen, nicht zum Feiern sondern zum Arbeiten. Der 46-jährige Christian Schrettenbrunner und sein fünfjähriger Schäferhund Timo sind für den Sicherheitsdienst Euroline Security im Einsatz. Sie haben einen Job zwischen Schlichtung und Schlägerei, die zu ihrem Berufsrisiko zählt. Auch auf der Landauer Wiesn sorgen sie mit viele anderen Security-Mitarbeitern für die Sicherheit der Volksfestbesucher.

Von Andrea Schwarzmeier

Landau. Das ist das eine Gesicht: die ausgelassene und fröhliche Wiesengaudi. Es wird gefeiert, geschunkelt und manchmal wird es verbal etwas laut. Das andere Gesicht: Der Wiesn-Schreck, wenn in groben Fällen gestritten wird oder es manchmal zu handfesten Schlägereien kommt, die unberechenbar sind und eskalieren. So sorgt an den Wiesentagen zu späterer Stunde der steigende Alkoholkonsum, für Stress, weil bei manchen Volksfestbesucher die Hemmschwelle sinkt. Vor allem an den ersten Volksfesttagen wochenends herrscht am Landauer Volksfest zu späterer Stunde auch ein gefährlicher Mix aus Alkohol und Massen-Ausgelassenheit. Klar, dass wenn spätabends der Bierkonsum steigt, nicht jeder Gast friedlich bleibt. Dann ist es machmal vorbei mit der bayerischen Gemütlichkeit. – Hier sind dann die Frauen und Männer des Sicherheitsdienstes Euroline Security im Einsatz, um die Sicherheit der Besucher zu garantieren. Auch Sicherheitsmann Christian Schrettenbrunner ist gut trainiert, routiniert, hat starke Nerven und geht wenig zimperlich mit nächtlichen Störenfrieden um. Seit 16 Jahren arbeitet der 46-jährige im Sicherheitsdienst, kennt die Situation auf Volksfesten. So begegnet man Schrettenbrunner am Zelteingang, oder auf Plätzen rund um das Volksfest. Zweier-Teams der Sicherheitsleute sind unterwegs, achten auf die Stimmung, auf Pöbeleien, aber auch darauf, ob der, der da gerade an seinem Festbier trinkt auch wirklich schon 16 Jahre alt ist. Dabei setzt Schrettenbrunner in brenzligen Situationen auf Deeskalation: „ Wir haben die Aufgabe zu schlichten und die Aggressionen abzubauen.“ Vor allem müsse man auf den Veranstaltungen gut präsent sein. Seien wenig Sicherheitsleute am Platz, dann trauen sich Besucher oft mehr und gehen bis an die Grenze. „Dann ist man schnell an einem Punkt angelangt, wo provoziert wird“, ist die Erfahrung von Christian Schrettenbrunner. Vor jedem Arbeitseinsatz rüstet sich der 46-jährige aus: mit Sprechfunk, Handy, einem Kopfhörer im Ohr, Desinfektionsmittel, Handschuhen einem kleinen Erste-Hilfe-Set. „Die Handschuhe sind zum Selbstschutz, wegen der Glasscherben. Wir dürfen auch kein Pfefferspray dabei haben und keinen Schlagstock,“ sagt der Security-Mann. Bei Einsätzen trägt er auch immer wieder Schutzwesten. „ Vor allem dann, wenn viel Aggression auf dem Platz herrscht oder bei einem ersten, neuen Einsatz, wenn man die Situation noch nicht einschätzen kann“, erläutert der 46-jährige seine Arbeit. Von der acht Millimeter dicken schusssicheren Weste bis zur dünneren Jacke, die nur einen Stichschutz bei Messerattacken abwehrt: „Ich habe meine Westen schon öfters gebraucht“, gesteht der Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes Euroline Security. Für seinen Einsatz beim Landauer Volksfest zieht sich

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Robert Biebl und Alex Perfler kontrollieren mit Christian Schrettenbrunner den Volksfestplatz. (Foto: Helmut Schwarzmeier)

Christian Schrettenbrunner sein schwarzes Käppi in die Stirn, so dass sein silberner Ohrring leicht hin und her baumelt. Er steckt die Daumen seiner beiden Hände in den Hosenbund seiner schwarzen Cordhose, dreht seine Ellbogen leicht nach außen. So strahlt er raumeinnehmend eine gewisse Autorität aus. Auf seiner schwarzen Fleecejacke prangert ein weißer Schriftzug: „Security“. Unübersehbar weiß jeder Volksfestbesucher, mit wem er es bei den „schwarzen Männern “ zu tun hat. Doch noch mehr, als all die äußerlichen Erkennungszeichen ist Christian Schrettenbrunner eines wichtig: die Menschenkenntnis, um Personen und Situationen richtig einschätzen zu können.

In den 16 Jahren, in denen der Pilstinger nebenberuflich für einen Sicherheitsdienst tätig ist, habe er, wie er sagt: „noch nie richtig hinlangen müssen“, da sich die Brutalität in Grenzen halte. „Wir versuchen eine Situation immer erst mit dem Reden oder mit lauter Stimme zu deeskalieren. Hilft dies nicht, wird der Störenfried schon mal auf den Boden gelegt und fixiert, bis er heruntergekommen ist. Dann wird die Polizei gerufen“, sagt Schrettenbrunner. Wie weit darf ein Security-Mitarbeiter im Ernstfall gehen? „Wir dürfen Handschellen anlegen, wenn sich die Person nicht anders beruhigen und bändigen lässt, auch wenn Fluchtgefahr besteht. Es wird immer die Polizei hinzugerufen“, erklärt der 46-jährige. Bei den Aggressionen, also bei verbalen oder körperlichen Verhalten, dass mit Absicht einen anderen Menschen verletzt oder schädigt, gibt es viele Abstufungen, aber auch Unterschiede zwischen den Aggressionen von Frauen und Männern sowie zwischen Jugendlichen und Erwachsenen „Frauen werden nicht so gewalttätig wie Männer. Frauen beleidigen mehr, ziehen mal jemand anderen an den Haaren, zwicken oder beißen. Männer raufen eher. Eine bestimmte Kategorie von Leuten schlägt auch so lange zu, bis der andere am Boden liegt“, erzählt Christian Schrettenbrunner von seinen Erfahrungen. Auch hätte Jugendliche oft mehr Aggressionen aufgebaut, als Erwachsene.

Im übrigen hätte sich auch einiges während der letzten Jahre in Sachen Gewaltfreudigkeit verändert. So habe die Gewaltbereitschaft beim Landauer Volksfest allgemein abgenommen. Jedoch gäbe es auch bestimmte Zeiten, in denen der Alkoholspiegel der Volksfestbesucher ansteigt, dass Rangeleien unter den Besuchern zunehmen. „Dies ist meistens ab 23 und 24 Uhr nachts zu beobachten“, sagt Schrettenbrunner. Als es früher beim Landauer Volksfest das Weißbierzelt noch gab, kam es fast jeden Abend vor oder im Zelt zu Rangeleien. „Diese Auseinandersetzungen wurden nun gut um die Hälfte weniger“, so Schrettenbrunner. Gemeinsam mit den anderen Frauen und Männern des Sicherheitsdienstes ist er zuständig für die Ordnung auf dem Volksfestplatz. „Wir haben das Hausrecht für alles, was zum Volksfest gehört, das Zelt, den Platz, die Parkplätze, die Nebenstraßen, den Damm bis hinauf zur Isarbrücke und die Gässchen hinunter zum Freibad bis zur Dreifachturnhalle“, informiert der Sicherheitsmann über sein Einsatzgebiet während der sechs Landauer Volksfesttagen.

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Christian Schrettenbrunner mit seinem Hund Timo. (Foto: Schrettenbrunner)

An manchen Tagen ist Christian Schrettenbrunner auch mit seinem fünfjährigen Schäferhund Timo im Einsatz. „Ich werde oft von den Leuten gefragt, wieso man einen Hund für die Arbeit beim Sicherheitsdienst braucht“, stellt Schrettenbrunner fest. Der Hund komme immer dann zum Einsatz, wenn andere Menschen auf die Sicherheitsleute losgehen. „Beinahe hätte ich Timo einmal beim Landauer Weinfest einsetzen müssen, als zwanzig Leute auf uns Securitys zukamen“, erinnert sich der 46-jährige. Ein Hund reagiere anders, er sei schnell, er bellt oder stellt schon mal einen Angreifer. Schrettenbrunner trainiert seinen Schäferhund ähnlich so wie Polizeihunde ausgebildet werden. „Teilweise absolvieren wir auch Schnüffeltraining und Fährtensuche“, sagt der Sicherheits-Mann. Schrettenbrunner selbst hat für seine Aufgaben im Sicherheitsdienst die Ausbildung „34A“ absolviert. Als Personenschützer und für seine Security-Tätigkeiten beherrscht er den Umgang mit gewalttätigen Personen und kann Gefahrensituationen einschätzen. Er wurde ausgebildet in den Themen Gewaltprävention, Deeskalationsmethodik, richtiges Verhalten in Konfliktsituationen, Kontrolltechniken, Eigenschutz sowie Fremdschutz. Schrettenbrunner hat zudem eine Ausbildung zur Selbstverteidigung absolviert und übt sich im Abwehrsport „Es gibt Griffe, mit denen man die Leute außer Gefecht setzen kann. Dies trainierte ich mit einem Trainer, der unter anderem die Polizisten-Ausbildung begleitet und Teakwondo trainiert“, so Schrettenbrunner. Doch seine Geheimwaffe, um mit aggressiven Pöblern umzugehen lautet: „ Jeder Situation etwas Witziges und Lustiges abgewinnen, dass kann auch aufgebrachte Leute zum Lachen bringen und die Gegebenheiten beruhigen.“ So fahren die Leute schneller wieder runter und mit einem Shake-Hand ist alles wieder gut. Wenn jedoch die Personen zu betrunken sind, hilft nur noch Zeltverbot.

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Christian Schrettenbrunner sorgt seit vielen Jahren für die Sicherheit auf dem Landauer Volksfest. (Foto: Helmut Schwarzmeier)

Doch manchmal sind die Sicherheitsmänner und – frauen auch die Buh-Männer. „ So war es, als wir am Samstag wegen des Gewitters das Zelt zumachen mussten und wir die Menschen nicht mehr in das überfüllte Zelt lassen konnte. Da kam es zu manchen agressionen. Jedoch gibt ein Sicherheitskonzept. Für die Sicherheit ist Florian Englert von der Stadt zuständig und der entscheidet, ob wir bei Windstärke sieben oder neun das Zelt zumachen müssen. Wir führen dann diese Anordnung aus. Jedoch gibt es immer wieder unvernünftige Menschen, die die Plane des Zeltes dann aufmachen“, bedauert Schrettenbrunner. Das schöne an seinem Job: „ Das die Leute respektieren was wir tun. Auch von unserem Landauer Polizei-Chef Polizeihauptkommissar Stefan Grube erhielten wir Sicherheitsleute Lob für unsere Arbeit am Volksfest“, freute sich Schrettenbrunner, der mit seinen Kollegen auch mit vielen anderen Organisationen wie dem Roten Kreuz, der Feuerwehr und auch der Polizei und der Stadt zusammenarbeitet. Irgendwann spät nachts blickt dann Christian Schrettenbrunner auf seine silberne Armbanduhr, die am rechten Handgelenk baumelt. Für heute ist es wieder einmal gut gegangen. Whrend des Volksfestwochenendes kam es freitags zu einer kleinen Schubserei, am Samstag zu einem Handtaschendiebstahl, zu Trunkenheitsfällen, zu den obligatorischen Schnittverletzungen und zu Kreislaufschwächen. Viele Gäste haben sich auf dem Sicherheitsprofis von Euroline Security und Christian Schrettenbrunner und Hund Timo.

 

 

 

 

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