Kleine Wachsblume –  seltene Wildstaude wächst an der Straßenböschung bei Kothingeichendorf

Die kleine Wachsblume ist eine mehrjährige, sehr seltene heimische Wildstaude, die auf der Roten Liste für stark gefährdete Pflanzen steht. Im gesamten Landkreis kommt sie nur noch an drei natürlichen Standorten vor: in der Erlau, zwischen Westerndorf und Poldering sowie an der Staatsstraße 21/14 an einer Straßenböschung in Richtung Kothingeichendorf, dem sogenannten „Marderstall.“ Franz Meindl sowie Franz Dick vom Bund Naturschutz informieren über die Pflanze aus der Gattung der Boretschgewächse.

Von Andrea Schwarzmeier

Zeholfing.  Franz Dick und Franz Meindl sind ausgerüstet mit Spaten und acht Blumentöpfen, in denen eine seltene Rarität herangewachsen ist: die kleine Wachsblume. Nur noch an drei Standorten kommt diese meist zweijährige Pflanze im Landkreis vor. Im Auftrag der staatlichen Behörden züchtet der Bund Naturschutz die kleine Wachsblume nach.Franz Meindl, Franz Dick und Klaus Klobe ist die Nachzucht der ungewöhnlichen und seltenen Pflanze gelungen. „Die Auspflanzung von Wildpflanzen ist nur mit staatlicher Genehmigung erlaubt“, erklärt Franz Meindl. Auf dem Grundstück des Bund Naturschutzes in der Nähe des Ortseingangs bei Zeholfing in Richtung Hochberg pflanzen die beiden Naturschützer Franz Meindl und Franz Dick acht kleine Wachsblumen aus und hoffen, dass diese an diesem Ort wachsen und gedeihen mögen.“Der Standort muss den Behörden gemeldet werden“, erklären die beiden. Die Kleine Wachsblume, die auch Cerinthe minor L. genannt wird, wächst auf wärmebegünstigten, kalkhaltigen Lehmböden, wo sie insbesondere von der hochspezialisierten Wachsblumen-Biene bestäubt wird. Die Samen der Kleinen Wachsblume überdauern im Boden. „Eigentlich ist die kleine Wachsblume eine Steppenpflanze. Sie hat sich jedoch an unsere offenen Böden angepasst“, erklärt Meindl. Der Samen der Blume keimt auf offenen Böden. Die Pflanze wird bis zu 80 Zentimeter hoch und blüht von Mai bis Juli. Ihre lanzettlichen, hellgelben Blütenzipfeln hängen leicht herab und laufen spitz zu, so dass die Blüte knospenartig geschlossen wirkt. „Die kleine Wachsblume braucht einen kalkig-lehmigen Standort und einen immer wieder offenen Boden. Deshalb sind Ackerränder ideal. In diese Ackerraine fallen die Samen, die dann keimen und wachsen“, erklärt Franz Meindl. So einen Ackerrand findet die geschützte Blume, die auf der Roten Liste 2 steht, weil sie stark vom Aussterben gefährdet ist, auch an der Straßenböschung bei Kothingeichendorf. Dieser Feldrain ist ideal, weil hier keine Düngemittel angewendet werden.

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Franz Dick und Franz Meindl am natürlichen Standort der kleinen Wachsblume bei Kothingeichendorf. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

„ Die kleine Wachsblume stellt große Ansprüche an ihren Lebensraum. So verträgt diese seltene Pflanze keine Düngemittel. Wenn die Straßenränder gemäht werden, können sich auch keine Samen ausbilden und die Blume kann nicht wachsen“, erzählt Franz Meindl vom Bund Naturschutz. Die kleine Wachsblume komme in Deutschland sehr selten vor. Rund um Zeholfing gibt es sogar zwei Standorte, an denen diese pflanzliche Rarität zu finden ist. Die kleine Wachsblume, die zu den Rauhblattgewächsen zählt, hat schwach verdickte Blätter, die einen wachsartigen Überzug haben. Daher leitet sich auch der deutsche Name Wachsblume ab. In den Blüten reifen die zwei bis drei Millimeter großen Samen heran. Sobald die Samen ausgereift sind, fallen sie ab, obwohl die Pflanze noch Knospen trägt und blüht. So fruchtet und blüht die Pflanze gleichzeitig. Die Wachsblume vermehrt sich ausschließlich über die Samen. Nach der Keimung im Frühjahr bildet sich eine Blattrosette aus, die den Winter überdauert. Im zweiten Jahr treiben aus dieser Rosette mehrere Blütenstängel. Nach der Blüte stirbt die Pflanze normalerweise ab. „Uns vom Bund Naturschutz liegt viel daran, die Vielfalt der seltenen Arten zu erhalten“, bekräftigten Franz Meindl und Franz Dick. Gefährdungsursachen seien der Herbizideinsatz, tiefe Bodenbearbeitung, die intensive Nutzung von Ackerrändern, die Verdrängung der Wachsblume durch wuchsstarke Pflanzen aus Saatmischungen. Aufgrund der großen, schweren Samen hat die Pflanze auch ein geringes Ausbreitungsvermögen.

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Franz Meindl und Franz Dick pflanzen am Grundstück des Bund Naturschutz zwischen Zeholfing und Hochberg nachgezüchtete kleine Wachsblumen aus. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Für die stark gefährdete kleine Wachsblume habe auch der Freistaat Bayern eine besondere Verantwortung übernommen. So habe, erzählt Meindl, die Regierung von Niederbayern eine botanische Erfassung in Auftrag gegeben. Dieter Nuhn vom naturwissenschaftlichen Verein Landshut kartiert die Standorte seltener Pflanzenarten. Nuhn hat auch die zwei Standorte rund um Zeholfing festgehalten. In Deutschland kommt die Wachsblume hauptsächlich noch in Bayern und in Thüringen vor. Die Pflanze ist in vielen Unkrautgesellschaften anzutreffen. Weg- und Ackerränder, Raine und Gebüschsäume sind ihr Lebensraum. Nur an offenen Bodenstellen, wie sie auch bei Kothingeichendorf, zwischen Westerndorf und Poldering und in der Erlau vorkommen, kann sie sich erfolgreich etablieren und Rosetten ausbilden. „In einem dichten Pflanzenbestand ist dies nicht möglich“, informiert Franz Meindl. Am Wuchsort bei Kothingeichendorf gibt es immer wieder offene Bodenstellen, auf denen diese Art wachsen kann. Die Blüten der Wachsblume werden vor allem von Hummeln und Bienen bestäubt. „Die Wachsblumenbiene hat sich ausschließlich auf die Wachsblume spezialisiert“, geht Franz Meindl davon aus, dass in Kothingeichendorf diese Bienenart anzutreffen ist. Auch diese Wachsblumenbiene steht auf der Roten Liste und ist vom Aussterben bedroht. Diese Wildbiene tauscht die Pollen zwischen den Wachsblumen-Beständen aus und sichert so eine hohe genetische Vielfalt. Diese Wachblumenbiene kann über größere Distanzen die Blumen ausfindig machen. „Kilometerweit kann die Biene den Geruch der Pflanze riechen“, wusste Franz Meindl. Die wissenschaftliche Betreuung über den Bestand der kleinen Wachsblume hat der Landwirtschaftspflegeverband Dingolfing-Landau im Auftrag der Regierung übernommen. Der Bund Naturschutz unterstützt den Verband in dieser Aufgabe. „In Absprache mit dem staatlichen Bauamt in Landshut wird die Pflege der Straßenböschung optimiert, an der die kleine Wachsblume wächst. Diese Standorte werden bei der Böschungsmahd ausgespart“, sagte Meindl. Im letzten Sommer konnte der Bund Naturschutz 25 Pflanzen der kleinen Wachsblume unter anderem entlang des Bockerlbahnradweges einsetzen. Der Schutz der Natur ist den vielen Mitgliedern des Bund Naturschutzes ein Anliegen. „Um die bedrohten Arten kümmern wir uns besonders“, sagte Meindl. Die Biodiversitätsstrategie der Bayerischen Regierung ist auch den Naturschützern Auftrag. „Wir wollen unsere Artenvielfalt erhalten und verbessern“, sagten Franz Meindl und Franz Dick, die sich gemeinsam mit Spaten und acht nachgezüchteten Wachsblumen aufmachten, um sie an einen Hang des Bund Naturschutzes zwischen Zeholfing und Hochberg anzupflanzen, in der Hoffnung, dass hier die kleine Wachsblume wachsen, gedeihen und sich vermehren kann.

(Fotos: Andrea Schwarzmeier)

 

 

 

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