Naturschätze vor der Haustür: Sechs wilde Orchideenarten im Auwald bei Ettling

Zu einer Halbtages-Exkursion zu den Biotopen des Auwalds bei Ettling waren die Interessenten am Samstagnachmittag im Rahmen der BayernTourNatur eingeladen. Dieter Nuhn erläuterte diverse Orchideenarten sowie die Kleine Wachsblume, die Aufrechte Waldrebe, die Akeleiblättrige Wiesenraute, die Echte Küchenschelle, den Kreuz-Enzian und andere sehr seltene Pflanzen. Zudem wurde ein Wildacker mit Kornblumen und Kornrade besichtigt. Veranstalter war der Naturwissenschaftliche Verein Landshut sowie der Bund Naturschutz – Kreisgruppe Landshut. 

Von Andrea Schwarzmeier

Ettling. Den botanischen Kostbarkeiten des Auwalds bei Ettling, auf einem Acker im Wallersdorfer Moos und südlich der Erlau auf die Spur kamen viele Interessenten, vor allem aus dem Raum Landshut. Gemeinsam mit den Führer Dieter Nuhn entdeckten die Wanderer viele seltene Pflanzenarten. Höhepunkt der Exkursion waren sechs Orchideenarten, die in unserer Heimat blühen. Ob die Hundswurz, eine Pyramiden Hundswurz, die auch Spitzorchis genannt wird und zur Gattung der Hundswurzen gehört oder weitere Orchideenarten – die Teilnehmer waren begeistert von der Pflanzenvielfalt des Auwalds. So wurde, um auf die besondere Schutzwürdigkeit der Pyramiden-Hundswurz aufmerksam zu machen, diese Pflanze zur Orchidee des Jahres 1990 gewählt.

DSC_5463
Nicht nur Orchideen, sondern auch die blutrote Sommerwurz gibt es im Auwald zu entdecken. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Die Hundwurz ist eine sommergrüne, krautig wachsende Pflanze, die etwas 20 bis 40 Zentimeter hoch wird. Die Blüten sind leuchtend hellrot bis dunkel-purpurrot. Blütezeit dieser Orchideenart ist von Mai bis Juli. Als Standort bevorzugt die kalkliebende Pflanzenart trockene bis wechselfrische Magerrasen und lichte Wälder. Die Exkursionsteilnehmer entdecken zudem das fleischfarbene Knabenkraut, aus der Familie der Orchideen. Die krautige Pflanze wird bis zu 60 Zentimeter hoch. Die Blüten sind fleischfarben, gelegentlich auch hellrosa. Die Blühzeit ist von Mitte Mai bis Mitte Juni. Diese Art gilt in Deutschland als stark gefährdet. Ein weiteres Orchideengewächs ist das Helm-Knabenkraut. Diese Pflanze ist ein sommergrüner, ausdauernder Knollengeophyt. Die Blütenblätter sind leicht hell weißlich-rosa. Diese Pflanzen können zwar lokal gehäuft auftreten, sind aber ansonsten sehr selten. Wie alle in Europa vorkommenden Orchideenarten steht auch das Helm Knabenkraut unter strengem Schutz europäischer und nationaler Gesetze

DSC_5485
Wildwachsende Orchideen sind seltene Kostbarkeiten. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Die Exkursions-Teilnehmer fanden zudem auch die Hummel-Ragwurz, die aufgrund ihrer relativen Seltenheit sehr gefährdet sind. Der Naturführer Dieter Nuhn informierte die Teilnehmer auch über die weiße Waldhyazinthe. Auch diese Pflanze wurde bei der Wanderung gesichtet. Die Zweiblättrige Waldhyazinthe ist ebenfalls eine Orchideenart. Sie wird im Volksmund auch Kuckucksblume genannt. Die Pflanze wird bis zu 60 Zentimeter hoch. Eine zu frühe Mahd vor der Samenreife lassen die Bestände der Waldhyazinthe schrumpfen. Das Große Zweiblatt, ebenfalls eine Orchideenart wurde ebenfalls bei der Exkursion gesichtet. „ Dieses Gebiet hier ist ein Juwel für viele Pflanzenarten“, freute sich Dieter Nuhn vom Naturwissenschaftlichen Verein Landshut.

Viele kleine Pflanzenarten, die man am Vorbeigehen übersieht und dennoch die Vielfalt der heimischen Fauna ausmachen, auf diese machte Dieter Nuhn aufmerksam. Ob das Sandkraut, das Klettenlabkraut, die Nachtkerze oder Kratzdistel, die Hopfenlutzerne, das kriechende Fingerkraut oder das Vergißmeinnicht. Im Auwald bei Ettling wurde eine artenreiche Fauna entdeckt. Die Exkursionsteilnehmer waren begeistert von dieser Pflanzenvielfalt. Derzeit gäbe es nur ein Problem, dass der Pflanzenvielfalt im und um den Auwald zu schaffen macht: „Der Stickstoff kommt nun von oben als Dünger auf die Pflanzen“, sprach Nuhn vom anhaltenden Regen. Für Pflanzen wie das Hirtentäschl, die Roßminze, den Feldsalat, die Platterbse oder den mittleren Wegerich, die ebenfalls beim Spaziergang gefunden wurden, ist dieser Dünger weniger ideal.

has Natur 3
Wilde Orchideenarten blühen im Auwald bei Ettling. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Ausgerüstet mit einer Pflanzliste machten sich die Wanderer Notizen über die vielfältige Pflanzenwelt rund um den Auwald. So wurde der Knollenkälberkopf, die späte Goldrute, Salbei, die Vogelwinde, der blutblättrige Stengelwurz, der Klappertopf, das Zittergras, der Feldehrenpreis und die Taubenkropflichtnelke gesichtet – allesamt Schätze der Natur. Der Kamm-Wachtelweizen ist ebenfalls sehr selten. Er besiedelt trockene Wälder und deren Ränder sowie lichte Gebüschsäume und Halbtrockenrasen. Diese Art kommt in Deutschland nur noch wenig vor. Die Bestände des Kamm-Wachtelweizens sind im abnehmen, so dass er in Deutschland als gefährdet gilt. Besondere Pflanzen am Wegrand südlich der Erlau wie der Ehrenpreis, der weidenblättrige Alant, oder besondere Pflanzen auf einem Acker im Wallersdorfer Moos, wie der Acker-Zahntrost, der Feld-Rittersporn und die stengelumfassende Taubnessel begeisterten die Exkursionsteilnehmer, die von Landshut her angereist kamen, um die Kostbarkeiten der Pflanzenwelt in unserer Heimat zu entdecken.

 

(Fotos: Andrea Schwarzmeier)

 

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.