Sensationsfund in Großköllnbach: Größte Scheibenkeule in ganz Mitteleuropa

Es war ein Sensationsfund, der bei den Ausgrabungsarbeiten der Kreisarchäologie im Baugebiet Großköllnbach-Steigäcker entdeckt wurde, die größte Scheibenkeule, die es aus der Jungsteinzeit in ganz Mitteleuropa gibt.

Von Andrea Schwarzmeier

Sie ist im Durchmesser etwa 21 Zentimeter groß. Sie besteht aus Serpentinit, einem metamorphen Gestein und weist in der Mitte eine Öffnung auf, die bislang größte Scheibenkeule in ganz Mitteleuropa. Bei Ausgrabungsarbeiten im Steigäcker in Großköllnbach stießen die Archäologen auf diesen Fund. Über die Funktion und Bedeutung dieser Scheibenkeulen ist sich die Forschung noch nicht im Klaren. Zum einen ist der durchlochten Scheibe der Waffencharakter nicht abzusprechen, zum anderen seien derartig große und sorgfältig geschliffene Scheiben wie die aus Großköllnbach nicht nur profan zum Zuschlagen zu interpretieren, glaubt der Kreisarchäologe Dr. Ludwig Kreiner.

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Die größte Scheibenkeule die bislang in ganz Mitteleuropa bekannt ist, diente vermutlich als Statussymbol. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Es erscheint hier eher glaubhaft, dass die Scheibe sich um ein Statussymbol als Zeichen von Macht und Ansehen handelt. Ihre Form mit der leicht erhabenen Bohrstelle ist im süddeutschen und im österreichischen Raum mehrfach belegt. Das Gestein aus dem die Scheibe besteht, ist leicht magnetisch. Der Leiter der Mineralischen Sammlung der TU München, Dr. Anton Hochleitner, hält die Herkunft des Gesteins aus der Gegend des Hohen Bogens bei Cham für wahrscheinlich. Auch bei der Ausgrabung in Aufhausen wurden Scheibenkeulen gefunden, allerdings viel kleinere. „Vielleicht ist die Scheibenkeule auch der erste Versuch einer Bürgermeister-Kette?“, meinte der Kreisarchäologe im Hinblick auf die Bedeutung des Gegenstandes als Statussymbol. Kreiner, der zur Ausstellungseröffnung Landrat Heinrich Trapp und die Bürgermeister Dr. Helmut Steininger und Josef Hopfensperger sowie dessen Stellvertreter Martin Hiergeist als auch den Vorsitzenden des Förderkreis Vorgeschichtsmuseum Dr. Florian Eibl willkommen heißen konnte, stellte die Funde von der Ausgrabung Steigäcker vor. Diese Funde seien Zeugen der frühesten Besiedlung von Großköllnbach aus der Linearbandkeramischen Zeit. Vom Februar bis Mitte Mai 2015 wurde in Großköllnbach mit den Grabungsarbeiten begonnen. Großköllnbach liegt am letzten Winkel des Gäubodens am Beginn des tertiären Hügellandes. Schon 1991 hatte man in diesem Gebiet eine kleinere Ausgrabung durchgeführt. „Wir haben bei unseren Ausgrabungen nur wenige Spuren von jungsteinzeitlichen Häusern entdeckt“, ließ Kreiner wissen. Jedoch wurden Kellergruben, die als Lagerort dienten, gefunden. Ebenfalls wurden Tierknochen von Rind, Schwein und Schaf gefunden. „Diese Tiere, als auch die Ackerbaukultur brachten die Einwanderer aus Anatolien und Ungarn in unsere Region“, so der Kreisarchäologe. Aus der Jungsteinzeit fanden die vielen Grabungshelfer in Großköllnbach auch viele Messerklingen, Schaber, Pfeilspitzen und Bohrer aus Hornstein. Dieses Gestein stammt vorwiegend aus einer Miene in Arnhofen bei Abensberg.

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Landrat Heinrich Trapp sowie die Bürgermeister Dr. Helmut Steininger und Josef Hopfensperger als auch Kreisarchäologe Dr. Ludwig Kreiner freuen sich über die Fundstücke aus dem Steigäcker in Großköllnbach. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Viel Keramik als auch Graphit, der als Farbstein zum Schminken oder zur Verzierung von Gefäßen verwendet wurden, wurden in Großköllnbach ausgegraben. Gefunden wurden relativ viel größere Keramikfragmente, manche Gefäße waren auch komplett erhalten. Diese Keramik ist vor Ort entstanden und besteht aus einem mit feinem Sand gemagerten Lehm-Ton-Mergelgemisch. Die luftgetrockneten Gefäße wurden meist im offenen Feldbrand gebrannt. Auch ein kleines Teelöffelchen aus der Zeit der Linearbandkeramik entdeckten die Archäologen. Vermutlich wurde dieser Löffel für Kinder hergestellt. Gefunden wurde zudem das Grab einer etwa 60-jährigen Frau aus der Zeit der Linearbandkeramik. Diese Frau führte ein hartes Leben, wie die starke Abnutzung ihrer Körperknochen vermuten lässt. Das Skelett lag in Alleinlage am westlichen Rand der Siedlung zum Köllnbach in gestreckter Rückenlage und ohne Grabbeigaben. Aus der mittleren Jungsteinzeit stammt eines für diese Epoche seltenes Grab, das zwei ineinander gestellte kleine Gefäße enthielt. Im inneren Gefäß befand sich Leichenbrand. Im äußeren Gefäß wurde ein Graphitstein gefunden.

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Keramikgefäße wurden bei den Ausgrabungen entdeckt. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Nach dem Abtrag eines Humushaufens stießen die Grabungshelfer auf ein Grab eines etwa dreijährigen Bubens, der eines natürlichen Todes gestorben ist. „Die letzte Besiedlung im Steigäcker ist aus der Zeit um 500 bis 600 v. Christus bekannt, also aus der Hallstatt-Zeit“, erklärte Kreiner über die Ausgrabungen in Großköllnbach. Im Steigäcker wurde die bislang älteste Siedlung aus der Gemeinde Pilsting entdeckt. Diese Ortschaft stammt aus der Linearbandkeramik zu Beginn der Jungsteinzeit und ist etwa 7.200 Jahre alt.

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Kreisarchäologe Dr. Ludwig Kreiner sowie Landrat Heinrich Trapp eröffneten die Sonderausstellung im Vorgeschichtsmuseum. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Landrat Heinrich Trapp freute sich: „Wir sind stolz darauf, dass wir jenes, was wir in den Fluren aus der Vergangenheit finden ein Stück zum sprechen bringen können. Diese Stücke zeigen uns unsere Identität auf.“Trapp freute sich, dass man einer von elf Landkreisen sei, die einen Kreisarchäologen haben. „Wir werden diese Stelle, wenn Dr. Kreiner in den Ruhestand geht, mit Sicherheit wieder besetzen“, versprach der Landrat. So wolle man auch an jedem Ort im Landkreis, an dem man Spuren der Vergangenheit entdeckt hat, Infotafeln aufstellen, um an die Vorfahren zu erinnern. Trapp dankte Kreisarchäologen Dr. Ludwig Kreiner sowie dem Archäologen Dr. Florian Eibl sowie dem Grabungsteam. Bürgermeister Josef Hopfensperger aus Pilsting erinnerte, dass im Baugebiet Steigäcker im zweiten Bauabschnitt 18 Parzellen entstehen. An diesem Ort sei das alte Geschlecht der Hoheltinger ansässig gewesen. So entschied sich der Marktgemeinderat die neue Straße Hoheltinger Straße zu nennen. Bürgermeister Dr. Helmut Steininger sprach die Neukonzipierung des Museums an. So wolle man nun ein Jungsteinzeitmuseum in Landau. Die Präsentation zur Ausgrabung Großköllnbach-Steigäcker wird vom Förderkreis Vorgeschichtsmuseum gesponsert. Demnächst wird der Förderkreis auch den Rückkauf einen Eisenfundes aus Ganacker finanzieren. Der Kulturpreisträger Stefan Sirtl umrahmte mit Musik auf der steirischen Harmonika die Ausstellungseröffnung.

Tipp: Die Sonderausstellung zur Ausgrabung Großköllnbach-Steigäcker ist bis 11. September im Vorgeschichtsmuseum zu sehen, immer mittwochs, freitags, samstags und sonntags von 10 bis 16 Uhr.

(Fotos: Andrea Schwarzmeier)

 

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