Kroatien: Cizici – Sommerheimat auf der Insel

Ab Morgen beginnt ein neues Leben. Dann schmecken die Tage nach Sonne, Sommer und Himbeereis. Nein, wir fahren nicht in den Urlaub, wir vertauschen unsere Heimat. Wir verreisen mit unserem Hund Sammy in unserem Mazda. Noch vor einigen Jahren nutzten wir die freien Tage, setzten uns in einen Flieger und bereisten die Welt. Wir waren mal hier und mal da, doch nirgends so wirklich zuhause. Heute machen wir es anders. Wir packen unser Auto voll mit Koffern, Strandliegen, Hundefutter und Büchern. Dann geht es Kilometer für Kilometer in unsere Sommerheimat. Die Entfernung zieht sich dahin, voller Langeweile und Muskelkater in den Kniekehlen. Die Geschichten sind der Grund, warum wir reisen. 

Von Andrea Schwarzmeier

Endlich, es riecht nach Kiefern, nach Meer und Stein, nach Salbei, Rosmarin und Wermut. Von der Ferne ist das Meer zu sehen. Es ist eine magische Landschaft, die eingetaucht ist in das helle, heitere Licht. Hier feiern wir den Sommer, in den sonnenwarmen Dörfern an der Küste, die erfüllt sind von mediterraner Lebensart. Hier trinken wir mit Zvonimir einen Zhlatina, einen vollmundigen Weißwein. Hier verrät mir Tomislav sein altes Familienrezept, wie man Strukli zubereitet. Hier tollt unser Hund Sammy in den Meereswellen.

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Weingärten schmücken das Inselinnere. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Die Bäckersfrau Marija kennt unsere Lieblingsbrotsorte und Antun, der im kleinen Dorf eine Konoba betreibt, tischt uns die beste Fischplatte unseres Lebens auf. Wir grüßen die alte Magda, die am Steinbrunnen vor ihrem kleinen Häuschen sitzt und ihre Katzen streichelt und wir beobachten Zlatko, wie er seine Weinreben schneidet.

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Helmut, Sammy und ich sind in unserer Sommerheimat angekommen. (Selfie: Helmut Schwarzmeier)

Hier liegt uns eine ganze Welt zu Füßen, eine Welt, die den Geschmack meiner Kindheit trägt. Ich muss raus in dieses Leben, zu den Menschen und den Orten dieser kleinen Insel. Ich muss raus zu den unglaublich schönen Buchten und Badestellen. Ich tauche meine Füße in das warme, azurblaue Meer und weiß: „Hier bin ich angekommen.“

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In den Felsnischen suchen sich die Menschen einen Badeplatz. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Die Luft ist warm und mild. Ich schließe die Augen und rieche das Meer.

Leise schaukeln die Boote in den Wellen. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Am Morgen sind wir ganz unter uns. Emilijan schleppt einen Zementsack. Ljubicia  trägt die Kiste mit den Tomaten vor ihren kleinen Laden, vor dem Cafe lehnt Kellner Stjepan und raucht. Die Dachziegel der Häuser leuchten rot in der Morgensonne.

Gemeinsame Stunden, so viele, dass sie nicht gezählt werden müssen. (Foto: Helmut Schwarzmeier)

Wir wissen eines: Wir haben so viele Stunde, dass man sie nicht zählen muss, sondern einfach nur dahinziehen lassen kann. Das Meer hinter dem Kiesstrand ist klar und blau. Hier sitze ich still und blicke über das Wasser. Weich fühlt sich der Boden unter den Füßen an. Ich lausche den alten Geschichten, die mir das kleine Dorf Cizici von den kroatischen Sommern erzählt.

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Auf der Insel gibt es viele einsame Wege und Pfade. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Doch das Herz der Insel schlägt in den einsamen Dörfern im Inneren. Verrostete Renaults parken in den engen Straßen. In den Gärten der Häuser werden Gemüse und Kartoffeln angebaut. Unter alten Bäumen dösen Hunde. Auf einsamen Friedhöfen legen ältere Frauen Wildblume auf die Gräber. Männer lehnen an der Friedhofsmauer. Rund um die Dörfer sind Olivenhaine, die seit beinahe zweitausend Jahren fast unverändert sind mit aufgeschichteten Steinmauern, die die Bäume vor der Bora schützen. Obstgärten und Hänge mit Weinreben, Eichenwälder und Wiesen, am Straßenrand verkauft ein alter Mann Honig und selbstgebrannten Schnaps.

In den Dörfern gibt es alte Autos zu sehen. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Mittags. Die Zeit hält sich auf, verweilt im Duft der Wellen. Fischerboote schaukeln in den leichten Meereswogen. Bewaldete Hügel und einsame Dörfer, die auf Bergrücken thronen, im Meer vorgelagerte Inseln. Der Tag döst leise vor sich hin. Auf dem Felsen abgetrotzten Badenischen liegen Menschen in der Sonne. Einfach blau machen auf kroatisch.

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Der Sommermohn erzählt Geschichten. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Nachmittags liegt das steinalte Pflaster unter meinen Füßen. An Brunnen haben sich junge Leute auf den Stufen verabredet. Abends treffen sich die Menschen auf den Stühlen, die vor der Kanoba stehen. Dann erzählen sie. Manchmal singen sie, von der Liebe, dem Leben, der Heimat. Der Geruch von gegrilltem Fisch zieht in meine Nase. Dies sind meine Sommer unter diesem weiten Himmel. Es tut gut, wieder hier zu sein und alten Erinnerungen in meiner Sommerheimat aufzuspüren und den alten Inselgeschichten zu lauschen. Krk ist ein Kommen und Bleiben.

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Sammy liebt es, im Meer herumzutollen. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Abends, wenn sich dann die Meereswellen ruhig an der felsigen Küste brechen und die Adria in den letzten Sonnenstrahlen des Tages bricht, weiß ich: „Ich bin angekommen. Ich bin zuhause.“

Angekommen in der Sommerheimat. (Foto: Helmut Schwarzmeier)

(Fotos: Andrea und Helmut Schwarzmeier)

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