Death Valley: “Caution! Extreme Heat. Danger!” – Eine der heißesten Regionen der Erde

 “Welcome to Baker-Gateway to Death Valley” – Irgendwie ist es mir unbehaglich. In der Kleinstadt Baker in Kalifornien kaufen wir unzählige Wasserflaschen ein. Wir fahren in das Tal des Todes, dem Nationalpark in der westamerikanischen Mojave-Wüste. Wir sind ganz alleine unterwegs. Nur Helmut und ich, ein Auto, eine einsame Straße in der Wüste. Die Sonne brennt unbarmherzig vom Himmel. Staub wirbelt auf. Neben der Straße sind Schilder platziert, die die Aufschrift tragen: “Danger.”  Ich blicke in die Ferne. Die Luft schwirrt. Die Sonne brennt auf das Blech des Autos, das sich gerade den Weg sucht. Wir fahren ins Nichts und haben doch ein Ziel: Furnance Creek.

Von Andrea Schwarzmeier

Wir lassen die halbleeren, bunten Schnell-Restaurants in Baker hinter uns, ebenso die in die Jahre gekommenen Wohnmobile. Zwei Tage im Tal des Todes – ein Wunsch von Helmut. Ich ließ mich überreden und sollte es ziemlich bald bereuen. Furnance Creek ist ein winziges Dörfchen inmitten im heißesten Gebiet der Erde. 24 Menschen sollen hier wohnen. Es gibt nur ein Besucherzentrum, ein Museum, sowie ein kleines Hotel sowie die Hauptzentrale des Nationalparks Death Valley National Park. Die Temperaturen steigen hier im Sommer auf rund 50 Grad Celsius. Mit jedem Kilometer mehr, den sich unser Auto auf einer Asphaltpiste in diese unbarmherzige Landschaft frisst, lässt mich eine Frage nicht mehr los: Warum leben Menschen in einer solchen gottverlassenen Wüste?

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Death Valley – Kilometer für Kilometer geht es in eine der heißesten Regionen des Planeten. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Wir schreiben uns ins Luxusressort Furnance Creek, www.furnancecreekresort.comin eines der 66 Zimmer ein. Seit 1988 werden hier Gäste empfangen, doch mittlerweile nur noch in den “kalten” Monaten von Oktober bis Mai. Ganz in der Nähe, an der Furnance Creek Ranch liegt der heißeste Ort der Erde: 1913 im Juli wurde hier die Rekordtemperatur von 56,7 Grad Celsius gemessen.

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Furnance Creek – ein Hotel mitten in der Wüste. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Kein Ort in der westlichen Hemisphäre liegt tiefer, keiner ist lebensfeindlicher, keiner heißer. Sein berüchtigter Name: Death Valley, “Tal des Todes”. Und wir finden hier Wasser!  Wir besuchen in der Nähe den einzigen Swimmingpool, mitten im Tal des Todes. Der von einer warmen Quelle gespeiste Pool ist Treffpunkt all jener, die in der Wüste unterwegs sind. Als Gast im Furnance Creek kann der Swimmingpool kostenlos genutzt werden. Ich tauche ab ins Wasser. Kein Schatten, kein Baum, nur diese unendliche Hitze. Wie aus dem Nichts tauchen immer wieder Menschen auf, die diesen Pool nutzen, um sich abzukühlen. Ein Mann mit seinem Hund. Der Hund tollt in dieser Hitze herum und springt ebenfalls in das Nass. Ich tauche hinab ins Wasser und legte mir nasse Handtücher auf den Kopf. Die Luft ist trocken. Ich kann kaum atmen. Kaum aufgetaucht aus dem Wasser bin ich samt meinem Bikini trocken. Alles ist trocken, die Haut, die Haare. Kein Schweiß, der trocknet sofort.

Die Sonne brennt erbarmungslos, kein Lufthauch bringt Kühlung, unter meinen  Schuhen knirscht der Sand in einer atemberaubend schönen Wüstenlandschaft. Wir sind unterwegs im Death Valley, dem “Tal des Todes”, in einer geheimnisvollen Landschaft, die die imposante Filmkulisse zahlreicher Western bot. Goldgelbe Sanddünen, bizarr verwitterte Felsformationen und Canyons dominieren den Nationalpark Death Valley National Park im Südwesten der USA.

Wir wollen zur Aussichtsplattform Dante´s View. Enge Serpentinen winden sich hinauf. Wir quälen unser Auto nach oben. Die Temperaturanzeige im Auto zeigt 113 Fahrenheit. An die 45 Grad, in einer Region, die für die heißesten Temperaturen auf dem Planeten Erde bekannt ist: das Death Valley in Kalifornien. Für mich ist das Tal des Todes eine der lebensfeindlichsten Umgebungen.

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Ein perfekt angelegter Parkplatz im Tal des Todes. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Ich blicke über die Landschaft: Nichts als Wüste. Dante´s View, die höchste Aussichtsplattform in Death Valley ist 1669 Meter hoch. Von Dantes View können wir den südlichen Teil des Death Valley überblicken. Hunderte von Kilometern Wüste breiten sich vor unseren Augen aus. Früher war hier einmal ein riesengroßer Salzsee. Dies kann man heute nur noch an den weißen Rückständen erkennen. Unglaublich ist die Landschaft. Ich stiege ein paar Meter den Berg hinauf. Kein gemütlicher Ort, doch was erwartet einem schon im Tal des Todes?

In einer Senke befindet sich der Devil´s Golf Cours, der Golfplatz des Teufels. Es ragen 30 bis 40 Zentimeter hohe Zacken aus dem Boden. Es sind zerklüftete, spitze Salzstrukturen, die von Mineralien stammen, die vor langer Zeit in dem dort anliegenden See aufgelöst wurden und nach der Verdunstung des Sees übrig geblieben waren. Das Thermometer klettert weiter. Kein Windhauch weit und breit.

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Helmut am tiefsten Punkt Nordamerikas. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Wir stehen knapp 86 Meter unter dem Meeresspiegel im Trockenen.  Hier trocknete vor langer Zeit der Lake Manly aus. Badwater ist ein Überbleibsel eines vorzeitliches Sees. Hier gibt es ein quellengespeistes Becken, doch das Salz macht das Wasser ungenießbar. Helmut und ich passieren das Badwater Basin, das 86 Meter unter dem Meeresspiegel liegt und zugleich die tiefste Stelle in ganz Nordamerika ist. Eine hölzerne Brücke führt auf einen mehrere hundert meter langen Salzweg mitten ins Tal. Hier in dieser Region lebt die Badwater-Schnecke, die sich gerne unter dem schattige Steg verkriecht.

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Unbarmherzig und heiß: Für mich ist das Death Valley eine körperliche Herausforderung. (Foto: Helmut Schwarzmeier)

 Sehenswert sind auch die bunten Erosionslandschaften am Zabriskie Point. Der italienische Regisseur Michaelangelo Antonioni drehte hier den Film: Zabriskie Point. Uns bietet sich hier ein beeindruckendes Farbenspiel.

Als größter Nationalpark außerhalb Alaskas ist das Death Valley, das „Tal des Todes“, ein nahezu unergründlicher Ort. Auf seiner Fläche von über 13.300 Quadratkilometern, also etwas kleiner als Schleswig-Holstein, umfasst der Park berghohe Sanddünen, Salzebenen weit unterhalb des Meeresspiegels, geheimnisvoll „singende“ Steine und farbenfrohe Sandsteinschluchten. Das Death Valley ist der heißeste und trockenste Ort in Amerika. Hier fallen durchschnittlich jährlich nur etwa fünf Zentimeter Niederschläge. Auch die Höhenunterschiede innerhalb des Nationalparks sind enorm. Der tiefste Punkt, das Badwater-Becken liegt 86 Meter unter dem Meeresspiegel, der Telescope Peak erreicht eine Höhe von 3.368 Metern.

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Helmut genießt die Aussicht. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Mittlerweile habe ich schon drei 0,5 Liter-Flaschen Wasser leer getrunken. Ich muss mich durchringen zu trinken. Kürzlich waren Helmut und ich in einem Fastfood-Restaurant in Las Vegas. Ich habe das Menü nicht vertragen und habe Magenschmerzen und klage über Übelkeit. Irgendwie kriecht sich Schwäche und Schwindel in meine Glieder und meinen Körper. Wir fahren aus dieser Wüstengegend zurück in unser Hotel Furnance Creek. Obwohl das Auto eine Klimaanlage besitzt, schmerzen meine Lippen bereits, so trocken sind sie. Immer wieder ist es für die Touristen eine besondere Attraktion auf dem heißen Boden im Park Spiegeleier zu braten. Eigentlich wollten Helmut und ich es auch versuchen. Doch nun ist mir der Appetit vergangen. Ich will ins Hotel.

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Trotz Wüstenschönheit, die Hitze ist unerbitterlich. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Furnance Creek ist ein elegantes Refugium mit Palmengarten, natürlichen Quellen, Shop und Terrassen von denen man die Sonnenuntergänge in der Wüste bestaunen kann. Ich brauche nur noch Kühle. In unserem Hotelzimmer läuft die Klimaanlage auf Hochtouren. Es geht mir von Minute zu Minute immer schlechter. Ich erleide einen Schwächeanfall. Helmut sucht bei den Rangers Hilfe. Hier sind die Parkranger alle top in Erster-Hilfe ausgebildet. Ihre Diagnose: Dehydrierung. Sofort in ein Krankenhaus. Das nächste Hospital jedoch ist über eine halbe Stunde Fahrt durch die Wüste entfernt. Ich bleibe. Wenn schon, dann will ich in der Wüste sterben. Nichts um alles in der Welt bringt mich mehr hinaus in diese Wüste mit den heißen Winden. Die Ranger bringen Bananen, Gatorate und eine Menge an Flüssigkeiten und sehen mehrmals nach mir. Helmut zwingt mir alles Trinkbare den Rachen hinunter und staunt, dass ich kein einziges Mal zur Toilette muss. Irgendwann in dieser schrecklichen Wüstennacht bitte ich den besten Ehemann von allen: “Bringe mich sofort morgen bei Anbeginn des Tages aus diesem verfluchten Tal des Todes.”

Nach Park-Statistiken starben seit 1976 fünfzehn Menschen im Tal des Todes durch die Hitze. Darunter ein elfjähriger Junge, der 2009 fünf Tage nach einer Autopanne ums Leben kam, seine Mutter überlebte knapp. Eine Dresdener Familie mit zwei kleinen Jungen verschwand im Juli 1996 in der heißen Wüste. Monate später wurde ihr Mietwagen mit platten Reifen gefunden, erst 13 Jahre danach weiter entfernt Knochenreste. Schon ein kleiner Spaziergang kann zum Tod führen. Überall warnen Schilder im Park: “Caution! Extreme Heat. Danger.”

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“Caution! Extreme Heat. Danger.” – Das Tal des Todes ist eine unwirtliche Gegend. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Dabei gibt es Verrückte, die das Tal des Todes laufend durchqueren. Der Badwater Ultramarathon Run führt 135 Meilen, also 217 Kilometer, durch die Wüste bis rauf zum Mount Whitney. Gestartet wird in Badwater im Death Valley auf 85 m unter dem Meeresspiegel. Im Verlauf des Rennens müssen die Läufer einen Höhenunterschied von über 4000 m überwinden, das Ziel befindet sich am Whitney Portal auf 2530 Meter Höhe am Mount Whitney. Bei Kilometer 196 passieren die Läufer den Touristenort Lone Pine. Die Strecke folgt dem Highway Nr. 190 durch das Herz des  Death Valley National Park. Rund hundert Verrückte quälen sich dabei laufend durch die Wüste.

Ich fühle mich, als ob ich einen heißen, trockenen Ofen betrete. Jede Sauna ist ein Eiskeller gegen die unbarmherzige Hitze im Tal des Todes, in der 240 Kilometer langen Sand- und Steinwüste. An einem der lebensfeindlichsten Orte der Erde versteckt sich aber auch eine Welt voller Rätsel. Es gibt hier singende Sanddünen, ausgedehnte Höhlensysteme und wandernde Felsen. Das Tal des Todes ist trotz der extremen Hitze, Trockenheit und Kargheit voller Leben. Pflanzen und Tierarten wie Big Horn Schafe, Kojoten oder Kängururatten auch seltene Fische, in den Gewässern unter dem Wüstenboden leben, haben hier eine Heimat gefunden. 

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Eine Welt voller Rätsel, das Death Valley. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Noch immer sind die wandernden Felsen ein Rätsel. Im Racetrack Playa, einem einstigen Flussbett liegen große Felsbrocken, die geheimnisvolle Spuren durch die flache Ebene ziehen. Manche der Steine sind bis zu 350 Kilogramm schwer und sie bewegen sich und verändern ihre Position. Dabei ziehen die Felsen Schleifspuren hinter sich her: geradlinig, zickzack oder gewunden. Sind Aliens die Ursache oder Magnetismus, kräftige Winde? Forscher der University of California in Sand Diego haben die Felsen beobachtet und herausgefunden, das unter bestimmten, seltenen Voraussetzungen sich auf dem Racetrack Playa eine dünne Eisschicht bildet. Diese zerbricht in kleine Schollen, die auf Teichen treiben. Die Steine werden durch den Druck der Schollen bewegt.

Wissenschaftlich untersucht wurde auch das Phänomen der singenden Dünen, der Eureka Dunes. Die Sandhügel brummen tief und weithin hörbar. Das Death Valley ist ein eigenes Universum voller Extreme und Schönheit.

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Im Tal des Todes geht ein Tag dem Abend entgegen. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Am nächsten Morgen verlassen wir bei Anbruch des Tages das Tal des Todes. Vor kargen Bergketten und Sanddünen flimmert die Hitze. Darüber liegt ein blauer und wolkenloser Himmel. Wenn es im Frühjahr regnet, verwandelt sich diese Sandlandschaft in eine blühende Wüste. Vielleicht werden Helmut und ich dann wiederkommen?

(Foto: Andrea und Helmut Schwarzmeier)

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