Männer und die Mathematik zu Beginn des Monats Mai

In Niederbayern wurde die Mathematik erfunden, genauer gesagt im Raum zwischen Meisternthal und Kothingeichendorf. Unsere Vorfahren aus der neolithischen Zeit konstruierten akribisch ausgerechnete Kreisgrabenanlagen auf den Hügeln des Isartals, rund 2000 Jahre früher als die Engländer in Stonehenge das Rechnen lernten. Da verwundert es nicht, wenn der einheimische Mann noch heute über kolossale und gigantische Rechenkünste verfügt.

Von Andrea Schwarzmeier

Schon gentechnisch attestiert die Wissenschaft dem Manne, dass seine grauen Zellen ein ausgeprägteres mathematisches Denken besitzen, also das das Gehirn der männlichen Spezies besser rechnen, dividieren, addieren und subtrahieren kann. Jedoch pünktlich zum 1. Mai versagt das gesamte mathematische Wissen der Männer, nämlich bei der Einschätzung der Höhe eines nackten, fichternen Stammes, der jedes Jahr zu Beginn des Wonnemonats Mai in die Höhe gehievt wird.

„Sag ma 25 Meter ist er hoch unser Baum. Na, 27 Meter is a. A schreib gleich, er ist 33 Meter hoch. Auf jeden Fall ist er einen Meter höher, als der Baum vom Nachbardorf.“ Genauestens denken sich männliche Gehirne in ein Objekt ein und kalkulieren. Noch in der Waagerechten wird am Maibaum das Meterband angelegt und millimetergenau gerechnet.

Ragt das Stück dann nach getaner schweißtreibender Arbeit in die Höhe, ist es aus mit der gesamten Rechenkunst. Es ist wie verhext. Aber eigentlich ist es auch egal: Man(n) will immer den längsten Maibaum haben. Schließlich werden am 1. Mai landauf und landab körperliche Meisterleistungen für das Brauchtum und die Kultur erbracht. Was macht da ein Meter hin oder her schon aus? Und da ist es auch egal, das zwischen Meisternthal und Kothingeichendorf die Wiege der niederbayerischen Mathematik gestanden haben soll.

(Foto: Andrea Schwarzmeier)

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