Cote d`Azur: Saint-Jean-Cap-Ferrat – Sammy und die Halbinsel der Milliardäre

Wir wollen nach Saint-Jean-Cap-Ferrat, zur Halbinsel der Millliardäre, die auf ihrem Rücken noble Villen und prächtige Gärten trägt. Der Ort war lange Zeit ein beliebter Treffpunkt der High Society. Also müssen Helmut, Sammy und ich auch hin, denn obwohl Cap Ferrat so exklusiv ist, hat es sich für Besucher geöffnet. Ein Netz von Spazierwegen überzieht die Halbinsel, die der 14 Kilometer langen Küstenlinie folgen.

Von Andrea Schwarzmeier

Reiche und Schöne? Wir müssen hin zur schicksten Adresse an der Riviera. Wir wollen die Anwesen der Betuchten sehen, doch leider haben die ihre Villen gut versteckt in mediterranen Gärten liegen. Beschaulich und ruhig geht es auf der Halbinsel zu. Schmale Straßen führen um die Insel herum. Die Grundstücke sind mit schmiedeeisernen Toren, Mauern und Zäunen umgeben. Doch immer wieder erhaschen wir einen kleinen Blick auf eine der Villen und traumhafte Ausblicke auf das azurblaue Meer.

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Auf Saint-Jean-Cap-Ferrat gibt es die prächtigen Villen der Milliardäre. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Unser Ziel ist der Hauptort der Halbinsel, Saint-Jean-Cap-Ferrat. Das kleine verschlafenen Städtchen erwartet uns mit Restaurants und Cafés und einem malerischen Hafen. Wir bummeln wie die Einheimischen am Kai von Saint-Jean-Cap- Ferrat und genießen den Blick auf das Meer, den Hafen und die Berge.

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Der beschauliche, kleine Hafen auf Saint-Jean-Cap-Ferrat. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Doch unser Hund Sammy ist verärgert. Nachdem wir seine Autotransportbox geöffnet haben, erhaschte er seinen Lieblingsball und trug ihn stolz zwischen seinen Zähnen. Schließlich will Sam den adeligen Hunden der Insel zeigen, was er für einen edlen Spielball besitzt. Einmal schnappte er kurz nach Luft und ließ den Ball aus Versehen fallen. Dieser rollte und rollte und war nicht mehr auffindbar. Sammy Blutdruck stiegt rapide an auf 180! Unser Australian Shepard war aufgebracht, erbost, gereizt und missgelaunt. Kurz gesagt: fuchsteufelswild. Sein Lieblingsball war verschwunden. Helmut und ich krochen unter die parkenden Autos, suchten sämtliche Randsteine ab, liefen auf dem Parkplatz hin und her. Der Ball blieb verschwunden, wie vom Erdboden verschluckt. Das Lieblingsspielzeug unseres Hundes war nicht mehr auffindbar.

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Die Insel der Reichen? – Für Hund Sammy ein Desaster. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Die Insel der Reichen und Schönen? Sammy war dies nun gänzlich egal. Egal war nun auch sein gutes Hundebenehmen. Sollte eines Tages so ein reicher, verzogener Hundeköter Sammys Lieblingsball in die Schnauze bekommen? Für unseren Hund war dies schlichtweg unvorstellbar und unerhört. Er regte sich auf bis zur Weißglut. Er tapste mit betütelten und missmutigen Hundegesicht über den exakt geschnittenen Rasen und hob demonstrativ sein Beinchen an einer marmornen Sitzbank, auf der ein elegant gekleideter Herr saß. Helmut und ich beschlossen das Verhalten unseres tierischen Familienmitgliedes einfach zu ignorieren. Doch Sammys sensibler Hundeseele war durch den Verlust seines Lieblingsballes nun ein schwerer Schaden zugefügt. Dies ließ uns unser Hund nun heftigst spüren. Da konnte nun noch so viel Prominenz auf dieser Insel beheimatet sein, für Sam war dies nun alles nebensächlich.

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Der Kirchturm von Saint-Jean-Cap-Ferrat. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

So soll ja einst der belgische König Leopold II hierher gezogen sein, weil die Spieltische von Monaco nicht weit entfernt waren. Wenn der König ins Meer stieg, so lautet ein Gerücht, steckte er seinen weißen Bart in eine Gummihülle. Der Monarch erbaute für jede seiner Mätressen eine Villa im Garten. Auch Beatrice Ephrussi, eine geborene Rothschild, die 1905 von ihrem Vater mehr als 250 Millionen Goldfrancs erbte, lebte hier. Sie ersteigerte ein Grundstück am Cap Ferrat und ließ sich von Nicolas Aaron Messiah ihre Villa „ille de France“ bauen. Ihren Park pflegten Gärtner mit roten Bommeln auf ihren Baskenmützen. – Da half auch die blaublütige große Vergangenheit der Insel nicht – unser Hund hatte gehörig die Schnauze voll. Helmut zog Sam sanft bis zum Hafen.

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Helmut beruhigt unseren verärgerten Kaniden Sam und bringt ihn zum Hafen. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Man muss sagen: Unser Kanide liebt Wasser, vielleicht stimmt ihn ein Bad im kühlen Nass versöhnlicher? Doch nichts half. Missgelaunt beobachtete Hund Sammy, wie die Boote in den Wellen sanft hin und her schaukelten. Helmut und ich dachten uns, das wir auf der Insel den rosafarbenen Palast, die Villa Ephrussi de Rothschild besuchen wollen. Das Anwesen wurde 1912  von der leidenschaftlichen Kunstsammlerin und Weltreisenden Beatrice de Rothschild erbaut. Sie ließ ihre Traumvilla im Stil der italienischen Renaissance errichten und einen französischen Garten anlegen. 40 Architekten benötigen fünf Jahre für den Bau. Einige von ihnen wurden schon wenige Stunden nach Arbeitsantritt von der Baronin aus ihren Diensten entlassen. Als die Baronin 1934 starb hinterließ sie das Anwesen der französischen Akademie der Schönen Künste. Heute können die Besucher durch den Garten flanieren und das Erdgeschoss der Villa besichtigen. Im Inneren der Villa gibt es seltene Antiquitäten zu bestaunen, darunter auch Stücke aus dem Besitz von Marie Antoinette. Teure Teppiche, Porzellan, Wandbehänge und erlesene Kunstobjekte, Stilmöbel, Gobelins, Truhen aus China – rund 5000 Exponate sind zu sehen. Der Garten der Villa Ephrussi de Rothschild ist in neun Bereiche aufgeteilt. So  gibt es einen Japanischen Garten, einen Rosengarten, einen Garten der Provence. Auf Saint-Jean-Cap-Ferrat finden sich aber auch schöne Strände, ein Zoo und ein Leuchtturm.

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Der Leuchtturm der Halbinsel Saint-Jean-Cap-Ferrat. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Die Perle der französischen Rivera zwischen Nizza und Monaco hat unserem Hund Sammy großen Schaden zugeführt. Sein Lieblingsball ist weg. Bellend hofft Sam auf Gerechtigkeit. Helmut und ich geben uns geschlagen.Wir steuern schnurstracks das nächste Hundegeschäft in Nizza an und kaufen einen neuen Ball. – Dies stimmt unser tierisches Familienmitglied wieder versöhnlich. Die Reichen und Schönen auf Saint-Jean-Cap-Ferrat mögen unserem Hund Sammy seine sündhafte Entgleisung vergeben.

(Fotos: Andrea Schwarzmeier)

 

 

 

 

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