Älteste Breze der Welt in Regensburg gefunden

Gräber, Galgen und Gebäck, bei archäologischen Rettungsgrabungen am Donaumarkt in Regensburg, die am Bauplatz des künftigen Museums der Bayerischen Geschichte stattfanden, wurden gleich mehrere Superlative entdeckt: Der bislang älteste Galgenstandort Bayerns, frühmittelalterliche Gräber, sowie die älteste Breze Bayerns, die sich in verkohlter Form in einer Abfallgrube erhalten hat. 

Von Andrea Schwarzmeier

Die bayerische Standard-Breze – in Regensburg wurde sie entdeckt. Die älteste Breze Bayerns, als die Mutter aller Brezen, sie wurde von Dr. Silvia Condreanu-Windauer bei ihren Ausgrabungen in Regensburg gefunden. Eine Brotzeit anno 1750 wurde der Nachwelt durch ein Malheur eines Bäckermeisters erhalten. Diesem Ahnen ist wahrscheinlich eine Ofenladung mit Brezen verbrannt. Voller Wut warf er die verkohlten Semmeln und Brezen in eine Abfall-Kuhle im Boden. Ein Glücksfall für die Archäologen und eine wahre Weltsensation, die es bis in die NBC-Nachrichten schaffte. Auf einem Grundstück am früheren Hunnenplatz, in dem sich seit Generationen eine Bäckerei befand, wurde diese Breze aller Brezen entdeckt. Dieses handwerkliche Missgeschick bereitet der Nachwelt ein Bild davon, was unseren Vorfahren mundete. Schon vor 250 Jahren also hat den Bayern eine Brotzeit aus Semmeln und Brezen geschmeckt, wie die Funde dieser historischen Backwaren belegen. Unter diesen Backwarenfund aus dem 18. Jahrhundert wurde die garantiert älteste Breze Bayerns entdeckt. Die Breze war in früherer Zeit eine Fastenspeise vor allem für betuchte Leute.

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Die älteste Breze der Welt wurde in Regensburg gefunden. (Repro: Andrea Schwarzmeier)

Auch eine grausame Seite aus der Zeit des Mittelalters kam bei Grabungen am Donaumarkt zum Vorschein: Ein bisher in Deutschland ältesten bekannter Galgen, an dem das Gesindel gehängt wurde. An diesem Platz, an dem zu Land und zu Wasser die Menschen in die Stadt Regensburg kamen, wurde vor aller Augen zur Abschreckung die Straftäter gehängt. „ An so einem öffentlichen Ort wollte man Zeichen setzten. Die Deliquenten blieben so lange am Galgen hängen, bis die Krähen sie weggepickt hatten. Deshalb heißen die Krähen auch Galgenvögel“, erklärte die Archäologin. Dieser Galgen stand vor den Stadtmauern. „Reiche Straftäter wurden in bester Lage in der Stadt geköpft. Die weniger Reichen hingen am Galgen am Donaumarkt“, wusste Condreanu-Windauer. Was erstaunlich ist: Dieser Galgenstandort befand sich ganz in der Nähe der ersten romanischen Steinhäuser. Makaber: „Blickten die Menschen damals aus dem Fenster, hingen die Leichen vor ihrer Nase“, erzählte die Referentin. Der Galgen stammt aus der Zeit zwischen dem 11.und 13. Jahrhundert. Die Archäologen haben Mauerreste eines kleinen steinernen Rondells mit einem Zugang freigelegt. Das Rondell bildete wohl den Steinsockel, auf dem der Galgen angebracht war. An diesem Platz konnten mehrere Straftäter der unteren Gesellschaftsschicht gleichzeitig erhängt werden. Nach der Erweiterung der Stadt Regensburg wurde der Galgen an einen nördlichen Standort südlich der Altstadt verlegt, auf den „Galgenberg“. Diese Hinrichtungsstelle wurde bis ins 19. Jahrhundert benutzt. Bisher haben die Archäologen jedoch wenige Skelette dieser Erhängten gefunden. Vermutlich wurden die wenigen Reste in die vorbeifließende Donau geworfen. „Man kann sich dies so vorstellen, wie heute am Ganges die Toten entsorgt werden“, glaubt die Leiterin des Referats Ostbayern des Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege.

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Eine Rekonstruktion eines Galgenstandortes für das Gesindel. (Repro: Andrea Schwarzmeier)

Ein weiterer spektakulärer Fund war der eines Holzgebäudes. „Dieses Haus wurde an der Uferkante errichtet und gilt als eines der ältesten und besterhaltendsten Holzgebäude aus Bayern. Es wird in die Zeit 985 datiert“, erklärte die Archäologin. So wird vermutet, das dieser Holzgebäude ein pergolaartiger Lagerraum war. Vermutlich wurde es an der Uferzone der Donau als Anladeplatz genutzt. Es war mit einem Holzsteg befestigt. So konnte man die Waren trockenes Fußes an Land bringen. Noch weiteren Sensationen gibt es um die Ausgrabungen am Regensburger Donaumarkt zu berichten. „Wir Archäologen mussten unter einem großen Zeitdruck arbeiten. Zudem gilt dieses Areal als dicht bebaut“, erzählte Referentin Condreanu-Windauer von den Ausgrabungen, die im Herbst 2000 begannen und sich bis Ende Januar 2015 hinzogen. Insgesamt wurden über 15.000 Quadratmeter Fläche archäologisch untersucht. Die Fläche ist seit 2000 Jahren besiedelt. Sie lag erst am Rande einer römischen Legionslagermauer und später innerhalb der römischen Stadtbefestigung. Von 1890 bis 1944 stand ein Stadtlagerhaus der Donaudampfschifffahrtsgesellschaft an diesem Ort. Nach einem Treffer im 2. Weltkrieg wurde dieses Gebäude abgerissen. Bis in die 1960er Jahren standen auf dem Platz Häuserzeilen mit kleinen Gässchen, die einem asphaltierten Parkplatz weichen mussten. Auf dem Gelände will der Freistaats Bayern anlässlich der 100-Jahr-Feier des Freistaats ein Museum der Bayerischen Geschichte errichten. Archäologen durchkämmten deshalb den Untergrund und entdeckten nur wenige Zentimeter unterhalb des Asphalts die ersten Funde. Gegraben wurde bis in fünf Meter Tiefe. Zu Tage kam ein Stück Geschichte eines versunkenes Regensburger Viertels. Am Rande der UNESCO-geschützten Altstadt von Regensburg errichteten die Archäologen zu Beginn ihrer Arbeiten zwei Gräben in Nord-Südrichtung quer durch das Gelände, rund 500 Meter Luftlinie vom Regensburger Dom entfernt. Hier am Südufer der Donau ist ein altes Siedlungsgebiet. „Die Donau ist kein statisches Gebilde. Wir wollten wissen, wo sich in römischer Zeit das Ufer des Flusses befand“, erklärte Dr. Silvia Condreanu-Windauer.

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Ausgrabungsarbeiten in Regensburg. (Repro: Andrea Schwarzmeier)

Innerhalb des einstigen römischen Legionslagers wurde in fünf Meter Tiefe eine mit Holz befestigte tiefe Grube entdeckt. Ebenfalls wurde eine Kloake des Legionslagers gefunden, die die Abwässer der Soldaten sammelte. „Diese Kloake lief schräg und wurde nicht direkt in die Donau abgeleitet“, berichtete die Referentin. Gefunden wurde in zwei Metern Tiefe ein von den Römern erbauter Kanal, der mit schönen Quadern ausgelegt war. Im Bereich des Ostenstadels fanden die Forscher Reste eines staatlichen römischen Gebäudes, das nahe am Ufer gestanden haben muss. „Dieses Gebäude muss ein sehr repräsentativ ausgestattetes Wohngebäude gewesen sein. Wir haben Fragmente des Putz gefunden, der mit Wandmalerei geschmückt war“, berichtete die Leiterin des Referats Ostbayern des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege. Die Archäologen waren erstaunt darüber, dass solch ein Gebäude so nah am Ufer der Donau stand.Entdeckt wurden römische Ziegelgräber. „Wir fanden eine schöne Dame, die mit viel Armringen geschmückt war“, berichtete die Referentin. In diesem gut ausgestatteten Grab aus dem frühen vierten Jahrhundert wurde zudem eine intakte Glasschale gefunden. Ebenfalls wurden Gräber aus karolingischer Zeit entdeckt. Ein weiterer Römerfund kam auf dem Areal Donaumarkt zum Vorschein. Ein riesiges Kapitell, das 1,10 im Quadrat groß ist. „Dieses Kapitell muss zu einem architektonisch anspruchsvollen Gebäude gehört haben. Wir fanden es in fünf Metern Tiefe“, gab die Fachfrau bekannt. Ebenfalls wurde eine Reihe von römischen Blöcken entdeckt, die in späterer Zeit benutzt wurden, um das Donauufer zu fixieren.

Zum Vorschein kam auch ein perfekt erhaltener Holzsarg, den Experten auf das Jahr 888 datieren. „Es ist sehr seltsam, dass die Toten am Donauufer in Särgen bestattet wurden“, informiert Condreanu-Windauer. Solche Gräber wurden an vielen Stellen gefunden. Aus der Zeit um 900/950 stammen die Öfen, die bis zu zwei Meter große Plattformen aufweisen. „Diese Lehmplattformen sind mit einer kompakten Ascheschicht bedeckt“, so die Rednerin. Dies gab den Fachleuten Rätsel auf. Da man nicht weit entfernt eine große Schlackenhalde gefunden hat, geht man davon aus, dass diese Öfen von Schmieden genutzt wurden. „Diese großen Schmieden zeugen davon, dass Regensburg ein bedeutender Handels- und Handwerksstandort war. Es ist bekannt, dass in Regensburg Waffen geschmiedet wurden“, erklärt die Fachfrau. Gefunden wurde romanisches Mauerwerk, ein romanischer Keller aus der Zeit um 1280 sowie gemauerte Schwitzkammern, in denen Felle der Tiere erhitzt wurden, damit das Leder leichter gegerbt werden konnte. Zur großen Überraschung der Archäologen kamen im letzten Jahr große Rundpfeilerfundamente zum Vorschein, die möglicherweise einer offenen Warenhalle oder einer Art Werft zugeordnet werden könnte. „So ein Gebäude war bislang absolut unbekannt“, erklärte die Referentin.  Der Donau war ein Haupthandelsweg. Condreanu-Windauer glaubt, dass auf der ganzen Länge der Stadt Regensburg von der Donau her Waren angelandet wurden. Gefunden wurden auch fast vergessene Regensburger Gassen, ein alter Anlegesteg an der Donau,Teile der alten Stadtmauer, Fundamente aus der Zeit des Barocks und Mittelalters.

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Dr. Florian Eibl, der Vorsitzende des Förderverein Niederbayerisches Vorgeschichtsmuseum freute sich zum Vortrag die Leiterin des Referats Ostbayern des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege Dr. Silvia Condreanu-Windauer willkommen heißen zu können.

Pünktlich zum Baubeginn des Museums der Bayerischen Geschichte war die Suche nach archäologisch relevanten Funden abgeschlossen. Zum 100. Geburtstages des Freistaates soll 2018 das Museum eröffnet werden. An einem Platz, in dessen Erde viel Vergangenheit liegt.

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