Grubenlaufkäfer: Vom Aussterben bedrohte Spezies in Zeholfing beheimatet

Das seltene Krabbeln – in Zeholfing ist es zuhause: Zeholfing ist eines der Gebiete in dem ein seltener Erdkäfer vorkommt – der Schwarze Grubenlaufkäfer. Innerhalb Deutschlands liegt der Verbreitungsschwerpunkt dieser Art heute in der südlichen Hälfte Bayerns. In Niederbayern vor allem an der Donau, der Vils, in den Ilz-Einzugsgebieten und in den Leitenbereichen der Isar, so wie in Zeholfing. Die Pressesprecherin der Regierung von Niederbayern, Sarah Pancur bestätigte, das diese Käferart bayern- und deutschlandweit vom Aussterben bedroht ist. Franz Meindl, der Vorstand des Bund Naturschutz ist begeistert: „ Die Zeholfinger dürfen stolz sein, dass in ihrer Heimat eine sehr seltene Käferart lebt.“

Von Andrea Schwarzmeier

Zeholfing. Carabus nodulosus ist der wissenschaftliche Name des bis zu drei Zentimeter großen Käfers, der in feuchten und sumpfigen Waldgebieten lebt. Er gehört zu den wenigen Großlaufkäfern, die eine wassergebundene Lebensweise führen. „Bei uns in der Heimat kommt diese seltene Käferart vor allem in feuchten Bruchwäldern vor und am Isarhang, wo sich auch Quellen befinden“, erklärte Franz Meindl vom Bund Naturschutz. Insgesamt gäbe es in Niederbayern nur noch sechs Lebensräume, in denen diese Art vorkommt, davon ist einer in Zeholfing. Wo fühlt sich der Grubenlaufkäfer wohl? Während der Nacheiszeit habe habe sich im tertiären Hügelland der Isar in den einzelnen Erdschichten Ton eingelagert. Dieser Ton lässt kein Wasser hindurch. „Das Regenwasser versickert deshalb in den Leitenbereichen in Richtung Isar“, so Meindl. In diesem Bereich gäbe es auch viele Quellen. Hier wo der Boden sumpfig ist liegt das Verbreitungsgebiet des auf der roten Liste stehenden Insekts. „Zudem braucht der Käfer viel Todholz. Dies ist in unseren Leitenbereichen an der Isar zu finden“, erklärt Franz Meindl. Der seltene Grubenlaufkäfer käme in unserer Gegend in Bereichen zwischen Mamming und Zeholfing vor. Die Regierung von Niederbayern habe ein Programm auferlegt zur Erhaltung dieser vom Aussterben bedrohten Spezies, da man in Niederbayern besondere Verantwortung für die seltene Käferart hat, da hier über 60 Prozent der derzeit bekannten Vorkommen des Insekts zur verzeichnen sind. So habe laut Meindl, die Regierung damit begonnen, die Vorkommen der Käferart zu kartieren. Gerade die Gebiete im Leitenbereich in Zeholfing seien ein idealer Lebensraum für den schwarzen Grubenlaufkäfer. Das Programm zur Erhaltung des schwarzen Grubenlaufkäfer sieht vor, dass Träger wie beispielsweise der Bund Naturschutz, Grundstücke aufkauft und dafür von der Regierung Zuschüsse erhält, damit der Lebensraum des seltenen Erdkäfers erhalten werden kann. „Wir haben eine große Verantwortung, dass der Käfer nicht ausstirbt“, bestätigte Franz Meindl vom Bund Naturschutz. Laufkäfer gäbe es viele, aber der Schwarze Grubenlaufkäfer habe besondere Lebensansprüche an einen Biotop. „ Er kommt vor allem in schattigen Quellbereichen mit viel offenen Boden vor. An der Hangleiten der Isar zwischen Zeholfing und Frammering sind seine Vorkommen“, erklärt der Vorstand des Bund Naturschutz. Gerade an den Isarhängen versickerten viele Hangquellen. Durch den Lauf der Isar seien, so Meindl, die verschiedenen Erdschichten angeschnitten worden. Oben seien die Erdschichten durchlässig. In der Erde befinden sich auch undurchlässige Tonschichten, auf denen Wasser nicht versickern kann. So entstehen Hangquellen, wie sie bei Zeholfing zu finden sind. Die stark kalthaltigen Quellen haben kleine Kalktuffablagerungen geschaffen. „ So ist auch der Wachsende Felsen in Usterling entstanden“, wusste Meindl. In Zeholfing an der Isarhangleite befinde sich der tonige Erd-Horizont knapp über den Boden. So entstanden viele Feuchtgebiete im Auwald an der Isar. Hier konnte der Schwarze Grubenlaufkäfer überleben. „Dieses Land war nie richtig nutzbar“, glaubt Meindl. Im Bereich dieser Leitenwälder an der Isar ist der vom Aussterben bedrohte Käfer zu finden. In Niederbayern befinden sich über 60 Prozent der deutschlandweit aktuell bekannten Vorkommen dieses seltenen Laufkäfers. Daher hat Niederbayern eine besonders hohe Verantwortung dafür, die Art in Deutschland zu schützen und zu fördern. Neben Zeholfing kommt der Grubenlaufkäfer noch in Frammering und bei Mamming vor. Einige seiner Lebensräume gibt es noch bei Passau. Der Freistaat Bayern hat sich im Rahmen des Biodiversitätsprojektes das Ziel gesetzt, die bekannten und oft empfindlichen Lebensräume des Grubenlaufkäfers zu erhalten, dauerhaft zu sichern und durch Landschaftspflege gegebenenfalls zu optimieren. Flankierend werden die Grundeigentümer über bekannte Vorkommen informiert, um unbeabsichtigte Beeinträchtigungen der Lebensräume zu vermeiden. Zudem wolle die Regierung die Habitate der seltenen Käferart durch Erwerb von Grundstücken langfristig schützen. Indem Flächen mit bekannten Vorkommen erworben werden, werden die Lebensräume des sehr ausbreitungsschwachen Laufkäfers langfristig gesichert. So können dann auf Grundstücken der öffentlichen Hand zusammen mit den Bayerischen Staatsforsten oder den Wasserwirtschaftsämtern Maßnahmen zur Lebensraumverbesserung durchgeführt werden. Das Projekt wird im Aktionsprogramm Bayerische Artenvielfalt durch das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz gefördert.Der Bund Naturschutz oder andere Vereinigungen kann für diese Flächen die Trägerschaft übernehmen und sie mit Mitteln des Freistaates aufkaufen“, so Meindl. Durch den Kauf der Grundstücke könne das Überleben dieser Spezies gesichert werden. So werde versucht für diese hochbedrohte Art Lebensräume in die öffentliche Hand oder in die Hand von Naturschutzverbänden zu bringen.

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In Gebieten des Grubenlaufkäfers fühlen sich auch andere Tierarten wohl. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

„Es ist aber auch genauso gut, wenn die jetzigen Grundstücksbesitzer die Hangleiten in denen der Grubenlaufkäfer lebt so belassen, wie sie sind“, erklärt Meindl. Es soll auf Wasserentnahme verzichtet werden, die Quellen sollen so belassen bleiben und keine Auffüllung der Erde stattfinden. „Auch das Totholz soll auf den Flächen liegenbleiben“, so Meindl. Wie soll man sich in den Gebieten verhalten? Der Schwarze Grubenlaufkäfer besiedelt nasse, quellige Waldbereiche, die besonders trittempfindlich sind. Deswegen wird empfohlen, die Quellabflüsse in diesem Bereich zu belassen und den Baumbestand im quelligen Waldbereich zu schonen.

Warum ist der Schwarze Grubenlaufkäfer so schützenswert? „ Er steht auf der Roten Liste und ist vom Aussterben bedroht“, berichtet der Naturschützer Meindl. Die Lebensraumansprüche dieser Art seien sehr speziell und seien eng an sumpfige Quelllebensräume gebunden. Der Verlust dieser Lebensräume bedroht die Käferart sowie eine ganze Lebensgemeinschaft seltener Tier-und Pflanzenarten. Der Schwarze Grubenlaufkäfer besiedelt fast ausschließlich schlammige Bodenbereiche, sumpfige Quellfluren oder Quellrinsale und Schwemmkegel mit stetiger Wasserführung an alten Waldstandorten, wie sie auch in Zeholfing vorhanden sind.   „Der bis zu drei Zentimeter große Käfer ist ein Laufkäfer. Er kann nicht fliegen. Dies bedeutet ein großes Manko für die Ausbreitung seiner Art“, berichtete Franz Meindl. Eine Käferart, die nicht fliegen könne, hätte Probleme sich zu vermehren und fortzupflanzen. Die Art ist flugunfähig und gilt als sehr ausbreitungsschwach. „Deshalb gibt es nur noch isolierte Vorkommen der Schwarzen Grubenlaufkäfers“, so Meindl. Ein weiteres großes Problem sei es, wenn die Biotope kleiner werden, könnte die Käferart auch durch Innzucht aussterben. Der Schwarze Grubenlaufkäfer,obwohl er landlebend ist, ernährt sich weitgehend von Wassertieren wie Wasserschnecken, Krebsen, Insekten und Amphibienlarven sowie von kleinen Fischen. Sein Winterquartier findet er im oder unter Totholz.„Der Käfer ist nachaktiv. Dies ist ein Vorteil in der Überlebensstrategie“, glaubt Meindl. Der Käfer ernäht sich von Kleininsekten, Pflanzenrester, Würmern. Vögel, Mäuse und Ringelnattern gehören zu den natürlichen Feinden der seltenen Spezies. Es liege nun an der Verantwortung der Menschen, ob der vom Aussterben bedrohte Schwarze Grubenlaufkäfer in Zukunft überleben kann.

Tipp: Wer Grundstücke auf denen der Schwarze Grubenlaufkäfer vorkommt, zu angemessenen Preisen verkaufen möchte kann sich mit Franz Meindl unter der Telefonnummer: 09951/601318 in Verbindung setzen.

 

Beitragsbild: Der vom Aussterben bedrohte Schwarze Grubenlaufkäfer lebt in quelligen, strukturreichen Waldgebieten, in denen er Wasserlebewesen fängt. Foto: Michael Franzen

 

 

 

 

 

Ein Kommentar

  1. Dr.Hans-Joachim Scheel

    genau derselbe Laufkäfer wurde schon2012 in Reisbach beschrieben.dolumrnentiert und gemeldet,Die Regierung von Niederbayern ignorierte das damals, obwohl gute Referenzen vorlagen..Es ist erstaunlich und merkwürdig, woher jetzt dieser plötzlich Sinneswandel vorgenommen wurde Der käfer war auch Gegenstand einer EU.Beschwerde zur Osterweiterung geschützter Tierarten
    De.Hans-Joachim Scheel,Diplom-Biologe,Reisbach

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