Ägypten: Dorf der Handwerker

Sie waren Mumifizierer, Steinmetze, Maler, Zimmermänner, Konstruktionszeichner, Schreiber oder Bildhauer – die Handwerker, die die Tempel, Pyramiden und Grabbauten der Pharaonen errichteten. Ein Dorf der Handwerker befindet sich zwischen dem Tal der Könige und der Königinnen in Theben. Hier lebte Ägyptens Handwerker-Elite, die die Pharaonengräber erstellten.

Von Andrea Schwarzmeier

Die Elite des ägyptischen Handwerks lebte hier im Dorf der Handwerker. Den Handwerkern wurde im Tal der Könige, auf jener Seite des Nils, in der die Pharaonen ins Totenreich einzogen, ein Ort errichtet. Die westliche Nilseite ist das Tal der Pharaonen. Es diente als Totenstatt, in der die Herrscher ihre Grabstätten errichten ließen. Die Handwerker lebten und arbeiteten zwischen Leben und Tod.

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Noch heute wird in Ägypten viel Handwerk verrichtet. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Der Bau der Grabmäler war ein durchorganisierter Vorgang. Nur die besten Künstler und Handwerker wurden dafür beschäftigt. Für diese privilegierten Arbeiter erstreckte sich in der Wüste nahe dem Tal der Könige ein umfriedetes Dorf. Arbeiter und Handwerker, die Tempel, Grabbauten und Pyramiden errichteten, spielten eine wichtige Rolle in der alten ägyptischen Gesellschaft. Ich besichtige die Ruinen der Wohnunterkünfte, in denen die Handwerker lebten,einen Hathor-Tempel sowie das Grab des Handwerkers Sennedjem. Sennedjem war für die Bemalung in der Königsgräbern zuständig. Mit seinem eigenen Grab hat er wich besonders viel Mühe gegeben. Es st für mich das Schönste öffentlich zugängliche Grab. Es ist zwar nur etwa zwei auf vier Meter groß, aber die Farben der Bemalung sind so intensiv, als wären es gerade erst angefertigt worden.

Das Dorf der Arbeiter, die an den Königsgräbern arbeiteten, hatte einen streng geometrischen Grundriss. Die Behausungen der Handwerker lagen an schnurgerade ausgerichteten Straßen. Einige der Häuser verfügten über einen kleinen Hof. In diesem Dorf der Handwerker kommt vieles aus der Vergangenheit ans Tageslicht, das vom Leben jener erzählt, die die Königsgräber schufen. Nur die talentiertesten Handwerker und Künstler wurden für den Bau der Königsgräber verpflichtet. Sie lebten im Dorf: Set Maat, dem „Sitz der Weltordnung.“ Inmitten dieser Wüste hatten die Arbeiter alles, was sie zum Leben brauchten: Werkzeuge, Bier und Brot.

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Mit Hammer wird das Material bearbeitet. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Die Arbeiter bildeten den größten Teil der Bevölkerung. Die Schwerarbeit wurde von großen Gruppen ungelernter Arbeiter ausgeführt, die überwiegend aus dienstverpflichteten Bauern, Soldaten, Kriegsgefangenen oder Sträflingen bestand. Es wurde von jedem männlichen Ägypter erwartet, dass er eine gewisse Zeit an „öffentlichen Bauprojekten“ mitarbeitete. Vor allem die Kleinbauern waren in der Zeit der alljährlichen Nilüberschwemmung darauf angewiesen, anderweitig ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Die ägyptische Regierung kam für den Lebensunterhalt eines Arbeiters während der Bauzeit auf.  Obwohl die Arbeit zweifellos hart war, standen jedem Arbeiter freie Tage zu. Auch bei Krankheiten oder Verletzungen wurde er von der Arbeit freigestellt.

Neben den Arbeitern gab es die Schicht der Handwerker: Töpfer, Tischler, Skulpteure, Goldschmiede, Weber, Gerber, Maler oder Steinmetze sowie eine große Zahl weiterer Gewerbetreibender, die mit der Ausstattung der Gebäude in Verbindung standen. Die Geheimnisse des Gewerbes wurden vom Vater auf den Sohn vererbt und oft gut gehütet. Erfolgreiche Handwerker konnten in die Mittelklasse aufsteigen und sich schöne Häuser leisten. Die Handwerker lebten in spezielle errichteten Arbeiterstätten, die sich in der Nähe der Baustellen befanden.

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Konzentriert ist ein Künstler bei der Arbeit. (Foto: Andrea Schwarzmeier)

Vor allem die Errichtung der Pharaonengräber, die Erstellung der Grabausstattung und der Beerdigungsrituale verlangte im Alten Ägypten Spezialisten. Um den Totenkult hatten sich viele Berufsgruppen gebildet. So gab es Arbeiter, die Gräber gruben, Händler, die mit Textilien handelten, Menschen, die das Natron abbauten. – Auch im Jenseits will der verstorbene König von Prunk und Pracht umgeben sein und die Weltordnung erhalten.

Die Erbauer der Königsgräber wussten meist um die gewaltigen Schätze, die in den Grabkammern verborgen lagen. So gab es im Tal der Könige auch mehrere Wachhäuser. Die Gräber sollten vor Grabräubern geschützt werden. Auch Fallschächte und zugemauerte Durchgänge verhinderten, dass die Mumie des Königs in der Unterwelt gestört wurde.

Die Sehnsucht nach dem ewigen Leben und das Streben das Leben in Ewigkeit fortzuführen hat im Alten Ägypten die ganze Gesellschaft zusammengehalten und Monumente geschaffen, wie die Pyramiden, die Tempel und Gräber, die noch heute an eine große Hochkultur erinnern.

Mein Tipp: Ich persönlich war begeistert vom Dorf der Arbeiter. Es ist unbedingt sehenswert. Besonders zu empfehlen ist der Besuch des Grabes des Handwerkers Sennedjem.

(Fotos: Andrea Schwarzmeier)

 

 

 

 

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