Ägypten: “Lasst euch im Suq einfach treiben”

Schafsköpfe, Safran, Weihrauch, Fladenbrot, Orangen, Hibiskusblütentee, Goldschmuck, Weidenkörbe, Rotpfeffer, Süßholz, Goldschmuck und Rosenöl – im ägyptischen Luxor bietet der Markt den Besuchern viele Einblicke in das orientalische Leben.

Von Andrea Schwarzmeier

Der Suq, so der arabische Name für Markt, ist ein unüberschaubares Labyrinth. In den engen Gassen im Marktviertel reihen sich winzige Straßenläden aneinander. Vor diesen Läden ist das Warenangebot aufgebaut: Hier Gewürze, dort Obst und Gemüse, gegenüber hängen Rinderhälften vor der Fleischerei in der prallen Sonne, Ziegen und Schafe irren frei in den Gassen herum. Auf Decken liegen ausgebreitet Aprikosen, Pistazien und Feigen, in Tonkrügen lagert Pfeffer und Henna.

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Selbst auf dem Boden bieten Händler ihre Waren feil.

Händler preisen lautstark ihre Kräutermixturen an. Überall sind Menschen unterwegs. Es ist ein heilloses Durcheinander. Hier lachen Kinder. Dort ziehen Frauen den Schleier enger um den Kopf. Eine Junge putzt schmutzige Schuhe blank. Männer wiegen Tomaten ab. Dazwischen surrt die Nähmaschine eines Schneiders. Stimmen, Menschen, Gerüche.

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Ein Fest für die Sinne: ein ägyptischer Suq.

Durch die engen Gassen schwebt der Duft von Zimt und Minze. Es riecht nach Kaffee, Wasserpfeifen und Kräutern. Doch es riecht auch nach altem Obst und rohem Fleisch. Hier liegen Stoffballen zwischen Schafsköpfen, Dessous lagern neben Bergen von Knoblauch. Auf hölzernen Marktkarren lassen Blumen ihre Köpfe hängen.

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Die Händler bieten ihre Waren feil.

Gamal, unser Reiseführer sieht uns an, dass wir in diesem orientalischen Chaos überfordert sind. Er lächelt uns beruhigend zu und lädt uns ein, auf einem Hocker vor einem Gewürzstand Platz zu nehmen. Ihsan, der Gewürzhändler bietet uns Pistazien und Nüsse an, wiegt die Pfefferkörner ab und lässt uns Bockshornklee kosten. “Lasst euch hier im Suq einfach treiben”, rät uns Gamal, ” lasst euch auf die Menschen hier ein.”

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Viele Ägypter kaufen auf dem Markt ein.

Und wir probieren dies aus. Hier lädt uns ein Ägypter zum Tee ein. Wir erzählen, wo wir herkommen. Er will uns eine hölzerne Schatulle verkaufen. Wir feilschen und handeln, fast zwanzig Minuten lang. Und können am Ende den Preis für das Schmuckkästchen um die Hälfte herunterhandeln.

Helmut und ich finden uns in einer Menschenmenge wieder. Sie stellen sich vor einer Bäckerei an. Warm duftet das Brot. Viele der Menschen, die hier auf den Markt einkaufen sind auf eine Zweit- oder Drittarbeit angewiesen, um das Existenzminimum für ihre Familien zu sichern. Der Staat Ägypten subventioniert Grundnahrungsmittel und andere Güte des Massenkonsums.

Der Fladen duftet.

Der Bäcker bringt den duftenden Fladen.

In einer kleinen Nebenstraße sind Ziegen und Schafe mit Stricken angebunden. Abrahams Opferfest steht bevor. Zu diesem Festtag soll in jeder Familie ein Tier geschlachtet werden. Abraham hatte zwei Söhne, Ismail und Isaak. Eines Tages befahl Abraham ein Engel, seinen Sohn Ismail zu töten. Als Abraham zum Messer griff, sprach die Stimme Gottes zu ihm, er solle seine Sohn nicht töten. Abraham hatte die Probe bestanden, auf die sein Gottvertrauen gestellt worden war.  Gemeinsam mit seinem Sohn opferte er einen Widder. Zur Erinnerung an die Rettung Ismails schlachten die Muslime jährlich zum Opferfest ein Tier und teilen das Fleisch mit der Familie, mit Freunden, verwandten und den Armen.

Zum Opferfest wird in jeder Familie ein Tier geschlachtet.
Zum Opferfest wird in jeder Familie ein Tier geschlachtet.

Alluah akkbar” – der Ruf des Muezzins dringt an unser Ohr. Zeit aufzubrechen aus diesem Meer an Duft und Farben.

(Fotos: Andrea Schwarzmeier)

 

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