Aufgebrezelt

Is a net fesch, mei Mo? In Lederhose, Trachtenhemd und mit Haferlschuhen? Helmut hat nun als Zweithose zu den Jeans die Lederhose entdeckt. Fehlt ihm nur noch in der einen Hand die Weißwurst und in der anderen Hand die Maß Bier.

Von Andrea Schwarzmeier

Nun hat er die Lederhose für sich ergründet, der beste Ehemann von allen. Herrschaftszeiten, der Trachtenwahnsinn hat nun auch meinen Mann befallen. Da muss ich nun durch. Also rein ins nächste Trachtengeschäft und die Lederhosen anprobiert. Wer ein echter Dorfbewohner ist, trägt nun mal Tracht. Eine maximale Dosis Niederbayern muss her. Konkret heißt dies: Krachlederne und Joppe mit Hirschhornknöpfen. Menschen, die von Bayern keine Ahnung haben, verstehen nichts von dem kollektiven Kleidungs-Style der männlichen Spezies.

Nein, mein Mann sieht nicht jeden Tag so aus. Normalerweise bevorzugt er Jeans und T-Shirt. Doch so kann er sich nicht überall sehen lassen. Zu manchen Gelegenheiten wäre diese lässige Kleidung eine echte Provokation, subversiv geradezu. Etwa, wenn der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer mal durch das Dorf fahren würde oder wenn Paris Hilton Lust auf Land hätte. Oder aber, wenn man ins Preußenland reist.

Deshalb setzt Helmut nun kleidungstechnisch auf Brauchtum und Tradition. Nun läuft er mit der kurzen Krachledernen herum, allein schon aus Widerständigkeit heraus, weil ich ihm dieses bayerische Outfit nicht zugetraut hätte. Ich bin ja froh, dass der beste Ehemann von allen in seinem Anfall von Umstyling sich nicht diverse Metallteile durch den Körper schießt oder sich die Haare wachsen und lila färben lässt.

Helmut hat die Tracht für sich entdeckt.

Helmut hat die Lederhose für sich entdeckt.

Mein Mann trägt nun also ein Gewand in dem man sich jederzeit und überall sehen lassen kann. Bei uns in Südostbayern tragen schließlich die Einheimischen auch im 21. Jahrhundert Tracht, auch wenn diese Sitte der Rest der Welt nicht versteht. Vor allem macht so eine Lederhose wunderbare männliche Beine. Dieses Kleidungsstück verwandelt selbst die dürrsten Haxen in heiße Stampfer und dies schon seit Jahrhunderten.

Ein Niederbayer ist eben erst ein richtiger Niederbayern durch und durch mit einer passender Krachledernen. Ein Niederbayer ist zünftig, gesellig, naturverbunden und vor allem eins: koa Saupreiß. Deshalb trägt mein Mann nun auch die lederne Wichs. Für den besten Ehemann von allen kann nun das Wildleder gar nicht wild genug aussehen. Nun trägt Helmut die Trachtenhose mit Tellernaht am Hinterteil und dem aufklappbaren Hosentürl nach alter Väter Sitte. (Hoffentlich weiß er, wie das Hosentürl bei Bedarf nach einigen Litern Bier schnellstens geöffnet werden kann!)

Mit der Tracht und der Lederhosen im Allgemeinen ist es schließlich wie mit dem Reinheitsgebot für das Bier. Alles muss echt an der Hose echt sein. Mit seinen Shorts aus Hirschledern sieht Helmut wie aufgebrezelt aus. A g´standener Niederbayer kommt aus der Lederhose praktisch das ganze Jahr nicht mehr heraus. Er weiß das strapazierfähige Kleidungsstück in allen Lebenslagen zu schätzen – beim Wirtshausbesucht, auf Reisen und sogar beim Wechseln der Autoreifen.

Nun gehört mein Mann zur Hautevolee. Das Erdige und Kernige der Lederhose kombiniert Helmut mit Haferlschuhen und einen Karo-Hemd. Das war nicht immer so. Als Kind hat er diese Hosen unter Zetern und Heulen in den Müll befördert, weil er nicht mit diesem hässlichen Teil von seinen Eltern unter die Menschen gezwungen werden wollte. Schon gar nicht mit einer Hose, die knapp unterhalb des Knies endete.

Helmut hat die Tracht für sich entdeckt.

Heute ist er mit der Ledernen salonfähig, in jeder Lebenslage. A ganz zünftiger Mo, mei Mo, wenn er die traditionelle Kluft der Heimat trägt. Einfach cool. Fehlt jetzt nur noch, dass er zu jodeln beginnt.

(Foto: Andrea Schwarzmeier)

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