Ägypten: Wüstenblumen

Die alte Frau kneift die Augen zu Schlitzen zusammen. Wie eine Waffe hält sie die Rasierklinge in die Luft – Etwa 90 Prozent der Ägypterinnen zwischen 15 und 49 Jahren sind Studien zufolge beschnitten. Die Nachwirkungen dieser grausamen Prozedur begleiten Frauen meist ein Leben lang. Obwohl in Ägypten die Frauen seit 1956 den Männern gleichberechtigt sind, ist die Diskriminierung der ägyptischen Frau noch weitreichend und in fast allen Schichten der Gesellschaft gegenwärtig.

Von Andrea Schwarzmeier

Ägyptischen Mädchen wird aus Kostengründen die schulische Ausbildung oft vorenthalten. Das staatliche Gesundheitssystem bleibt ebenfalls vielen Frauen vorenthalten, da sie oft nicht im Besitz einer Geburtsurkunde oder eines Personalausweises sind. Als Konsequenz werden viele Mädchen schon vor dem gesetzlichen Alter von 16 Jahren verheiratet, nicht selten auch gegen ihre Willen.

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In der ärmeren Unterschicht Ägyptens sind viele der Frauen Analphabeten. Bezeichnend ist, dass die Häufigkeit der Beschneidung von jungen Mädchen sehr stark von der Ausbildung der Mütter abhängt.

In Provinzen, in denen die Mehrheit der Menschen weder lesen noch schreiben kann, halten sich diese Bräuche besonders hartnäckig.

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Bei der Beschneidung werden die weiblichen Geschlechtsteile teilweise oder ganz entfernt. Diese Entfernung von Schamlippen und Klitoris sei notwendig, um die Mädchen moralisch rein zu halten. Nur beschnittene Mädchen seien gute Ehefrauen. Der Eingriff der Beschneidung erfolgt vom Säuglings- bis ins Erwachsenenalter, meistens jedoch vor Beginn oder während der Pubertät.

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Wegen der weitreichenden Folgen für Leib und das Leben der betroffenen Mädchen und Frauen steht die Praxis der Beschneidung schon seit langen weltweit in der Kritik. Die Tradition ist die stärkte Rechtfertigung für diesen Brauch. Die Beschneidung wird in vielen Kulturen als Initiationsritus begangen mit dem ein Mädchen offiziell als erwachsene Frau anerkannt wird. Nicht beschnittene Frauen riskieren soziale Ausgrenzung und riskieren keinen Ehemann zu finden.

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Die ältesten Funde, die einen Rückschluss auf einen operativen Eingriff an den weiblichen Genitalen vermuten lassen, stammen aus Ägypten. Forscher entdeckten Mumien, die entsprechende Anzeichen aufwiesen.

Seit 2008 ist die Beschneidung der Mädchen in Ägypten offiziell verboten.

(Fotos: Andrea Schwarzmeier)

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