Zeholfing: Unsere Wurzeln

Die Gemeinden Poldering und Zeholfing sind altes Siedlungsland. In der Zeit ab 5300v. Chr. ließen sich auf den fruchtbaren Lößboden am dem Isarhochufer bäuerliche Siedler nieder. Zeugnisse dieser frühen Bauernkultur sind die neolithischen Kreisgrabenanlagen, die ältesten Monumentalbauten der Steinzeit.

Von Andrea Schwarzmeier

Von neun Erdwerken, die im südbayerischen Raum bekannt sind, stehen zwei in der Gemarkung Zeholfing – die mit 650 Metern als längste jungsteinzeitliche Befestigung in Bayern zählende Anlage in Kothingeichendorf und die „erste Ellipse der Welt“, in Meisternthal. Diese Kalenderbauten wurden rund 2000 Jahre vor dem britischen Steinkreis Stonehenge und den ägyptischen Pyramiden errichtet. Von Kleegarten ist aus dieser Zeit der Fund einer steinernen Lanzeaxt bekannt.

Die Römerzeit: 15 v. Chr. war der Raum Poldering/Zeholfing Teil der römischen Provinz Rätien. Die Furt bei Zeholfing über die Isar wurde schon von den Römern genutzt. Bei Ausgrabungen der Kirche St. Laurentius wurde römisches Fundmaterial entdeckt. In Kothingeichendorf findet sich eine Villa Rustica – ein römischen Gutshof. Das untere Isartal lag am nördlichsten Rand des römischen Weltreiches und war gefährdetes Grenzgebiet. Eine Römerstraße, die Isartalstraße, die von Moos/Burgstall in Richtung Landshut verläuft, streift im Norden die Gemeindegrenze.

Der römische Erdkreis stürzt – Die Zeit der Völkerwanderung beginnt: Als echter – ing-Ort hat Zeholfing seinen Ursprung in der Landnahme des 6. Jahrhunderts. Erst im 12. Jahrhundert wird das Dorf urkundlich genannt, im Zusammenhang mit Dienstleuten des niederen Adels, den sog. Ministerialen, wie Pabo und Albero, die Herren von „Ceholvinge.“

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Die Pfarrkirche St. Laurentius in Zeholfing – Ein Gemälde von Hans Lehermeier. (Repro: Schwarzmeier)

Zeholfing im Besitz des Bistums Bamberg:

1296 verpfändete Bischof Arnold von Bamberg Zeholfing an den Grafen Albert von Hals. Die Güter in Zeholfing wurden 1422 von den Bamberger Bischöfen wieder eingelöst. Zeholfing war einst Edelsitz. Die „ Herren von Zeholfing“ dürften im 12. und 13. Jahrhundert als bambergische Vögte tätig gewesen sein. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts lassen sich Beziehungen des Ortes zum Kloster Sankt Emmeram in Regensburg nachweisen.

Die Hofmark in Zeholfing – die Closen und Tattenbacher

Das Adelsgeschlecht der Closen herrschten von 1454-1643 in Zeholfing. Die Closen hatten ihren Stammsitz in Arnstorf sowie in Gern bei Eggenfelden. Wolf Jakob von Closen zu Arnstorf, Gern und Ruhstorf (1643-1669) verkaufte die Hofmark Zeholfing und Prunn an das österreichische Adelsgeschlecht der Tattenbacher . Die Grafen von Arco-Valley in Adldorf übten die gräflich tattenbachische Gerichtsbarkeit aus. Es gab ein Patrimonialgericht Zeholfing mit Sitz in Zeholfing. Sitz der Verwaltung war Adldorf (1812/13). Die Hofmark Zeholfing umfasste die Gemeinde Zeholfing, Poldering, Sonderham, Kleegarten, die Einöde Rufenberg und die einstige Andreas-Kapelle in Kothingeichendorf.

Die Pfarrei Zeholfing

Die Pfarrgemeinde Zeholfing gehörte ursprünglich zur Pfarrei Ettling (Otilinga). Ettling war ein Kammergut der bayerischen Herzöge und später der karolingischen Kaiser, deren einer es dem Kloster Niederaltteich schenkte. Eine Kirche stand in Zeholfing schon im 8. Jahr-hundert.

Im Jahre 1250/1300 wurde die Kirche in Zeholfing aus Stein erbaut. 1261 wurde Zeholfing eine selbständige Pfarrei. Die Pfarrkirche steht auf dem höchsten Punkt der Ortschaft. Sie verehrt den heiligen Laurentius als ihren Patron. Ursprünglich war die Kirche jedoch eine Marienkirche, wie aus einer Quelle von Papst Eugen III. aus dem Jahre 1148 hervorgeht. Die Zeholfinger Kirche war eine Friedhofskirche und so verdrängte der heilige Laurentius als beliebtester Friedhofspatron das Marienpatrozinium.

Bei der Renovierung 2001 wurde ein kunsthistorisches Kleinod entdeckt: An der Decke des Vorbaues wurde ein seltener barocker Totentanz freigelegt. Der letzte Pfarrer von Zeholfing war Pfarrer August Benedikt Ortmayr (ab 1958 bis 1977).

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Pfarrer August Benedikt Ortmayr war der letzte Geistliche von Zeholfing. (Repro: Schwarzmeier)

Seit jeher prägt die Isar die drei Dörfer Kleegarten, Poldering und Zeholfing

Erstmals wird die Brücke urkundlich 1581 erwähnt. Zu Hofmarks-Zeiten wurde Brücken-Maut erhoben. In den letzten Kriegstagen 1945 wurde die hölzerne Brücke vor den anrückenden Amerikanern gesprengt. 1981/82 wurde die jetzige Brücke errichtet. Sie spannt sich 186 Meter über den Fluss. 1989 wurde die Stützkraftstufe in Ettling erbaut. So hat sich die Isar heute zu einem künstlichen See verwandelt.

Kleegarten

Der Kleegarten zu Zeholfing war bereits im 15. Jahrhundert besiedelt. Hier siedelten sich Schiffsmüller und Fischer sowie Handwerker an. Ihr Grundbesitz bestand meist in einem Grasgärtl,etwas Acker und Weideland. Erst das 19. Jahrhundert brachte mit der Verlegung der Schiffsmühlen an den Mühlbach einen Siedlungsschub. Durch die Verteilung von Gemeinderechtanteilen ließen sich Land erwerben, das eine wirtschaftliche Grundlage bilden konnten. Der wirtschaftliche Aufschwung nach dem 2. Weltkrieg brachte wiederum eine rege Siedlungstätigkeit mit sich.

Die Mühlen die eigentlich das Gesicht des Kleegartens und des Mooses geprägt hatten, verschwanden immer mehr. Waren es vor dem 2. Weltkrieg noch drei Mühlen, die arbeiteten, so konnte sich bis 1991 nur noch eine Mühle, die Dorfnermühle der wirtschaftlichen Konkurrenz der Großmühlen standhalten.

Poldering

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Poldering unter dem Namen Paltheringa in einem Entwurf zu einem Diplom Kaisers Heinrich II. (1002-1024) für das Kloster Niederalttaich.

Sederhof

Der Sederhof- der Urhof von Poldering. (Repro: Schwarzmeier)

Den ältesten Teil des Dorfes trägt die flache, nach Osten geneigte Randhöhe des Tälchens, der gegenüber dem „Einberg“ aufragt. Bis vor Jahrhunderten wuchsen hier Reben. Im 13. Jahrhundert war der Ort zum Kloster Niederaltteich grundbar. Der Sederhof gilt als Urhof von Poldering. Die Gmain verfügte bis ins 19. Jahrhundert über einen ausgedehnten Besitz mit fast ausschließlich Wald. Poldering war früher zwei Gerichtsherren unterworfen: dem Gericht Osterhofen und der Gerichtsbarkeit der Hofmarkherren. Zudem gab es Güter, zum Gotteshaus in Zeholfing gehörten. Bis 1803 bildete Poldering den westlichsten Punkt des Landgerichts Osterhofen. Ab 1894 kam es zu Landau. Nach dem 2. Weltkrieg wurde am 1. Januar 1946 Poldering mit der Gemeinde Zeholfing zusammengelegt.

Am 1. Juli 1972 kamen die drei Orte Kleegarten, Poldering und Zeholfing zur Stadt Landau. Letzter Bürgermeister der Gemeinde Zeholfing war Josef Geier(von 1948 bis 1972).

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