Ägypten: Assuan – am Wendekreis des Krebs

In Assuan, am Ziel unserer Reise, schimmert der Fluss leuchtend blau. Das Wasser ist tief und klar. Felukken mit weißen Segeln gleiten über das Wasser. Die nubischen Kapitäne winken uns zu. Im ruhigen Assuan spüre ich den Hauch von Afrika.

Von Andrea Schwarzmeier

Die Stadt Assuan befindet sich am östlichen, rechten Nil-Ufer, unterhalb des ersten Nil-Kataraktes. Sie ist die südlichste Stadt im eigentlichen Ägypten und Hauptstadt im gleichnamigen Gouvernorat. „Swnw“ lautet der altägyptische Name der Stadt, was soviel wie „Handel“ bedeutet. Die Stadt war im alten Ägypten eine der wichtigsten Umschlagplätze für den Handel mit Nubien. Von Assuan aus behinderten Felsen und Stromschnellen die Weiterfahrt der Schiffe gen Süden. So wurde die Stadt Anlaufpunkt von Handelskarawanien aus Nubien. Gold, Elfenbein, Kräuter, Pfauenfedern, edle Hölzer aber auch Sklaven wurden gehandelt.

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Assuan – die Stadt am Wendekreis des Krebs.

Die Griechen entdeckten im Altertum, dass in Synene (Assuan) am Tag der Sommersonnenwende die Sonne den Zenit erreichte und keinen Schatten warf. Deshalb legte man hier den Wendekreis des Krebs fest.

In dem berühmten Hotel „Old Cataract“ in Assuan schrieb einst Agatha Christie ihren Roman „Tod auf dem Nil“, der weltbekannt wurde. Der krebskranke Francois Mitterrand nahm in dem Hotel Abschied von der Welt.

Ich beobachte die gemütlich dahintuckernden Schiffe. Eine besondere Magie liegt über diesen Ort. Nur ein paar Kilometer südlich hat Staatspräsident Gamal Abdel Nasser von 1954 bis 1970 den Assuan-Staudamm anlegen lassen. Weil ihre Heimat geflutet wurde, mussten deshalb rund 150.000 Nubier umgesiedelt werden. Viele von ihnen leben nun in kleinen Dörfern rund um Assuan. Der künstlich angelegte Nasser-See umfasst 5250 Quadratkilometer.

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Der älteste Teil der Stadt Assuan befindet sich auf der Insel Elephantine, deren Siedlungsspuren bis um 3500 vor Christi zurückreichen. Die Gebiete auf dem Ost- und Westufer wurden im wesentlichen für den Abbau von grauen und von Rosengranit seit dem frühen Alten Reich benutzt. Hier befanden sich Ägyptens berühmtesten Granitsteinbrüche.

Das Stadtgebiet von Assuan ist etwa fünf Kilometer lang. Im Osten grenzt Assuan an die Arabische Wüste, westlich des Nils an die Libysche Wüste. Der Nil umfließt die Inseln Elephantine und die Lord-Kitchener-Insel, die zur Stadt gehören.

Unser Schiff legt am östlichen Nilufer gegenüber der Insel Elephantine an. Am Südende der Uferstraße erblicke ich das 1902 erbaute Old Cataract Hotel. Nach Süden hin entstehen neue Wohnblocks und weiten sich Trabantensiedlungen aus.

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„Wer Assuan nicht gesehen, hat die Welt nicht gesehen. Ihre Erde ist Gold, der Nil ist ein Wunder, ihre Frauen sind wie die schwarzäugigen Jungfrauen des Paradieses, ihre Luft ist weich und süß, duftend wie Aloeholz.“ (Unbekannter Dichter)

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