Niederbayern: Der Weißwurschtäquator

„Dahoam is oiwei no am schönsten“ – Die Niederbayern sind ein ganz besonderer Menschenschlag. Glücklich ist er nur daheim. In diesem Landstrich ist alles ganz anders. Hier essen die Leute Würschte, die das Zwölfuhrläuten nicht gehört haben. Hier gibt es Bazis, Larifaris und Striezis. Da gehen die Uhren anders, langsamer, behäbiger. Obwohl das Verrinnen der Zeit sich überall auf der Welt gleich gestaltet und sich die Zeiger der Uhr nach rechts bewegen. In Niederbayern gelten alle Gesetze wie auch anderswo, manchmal auch nicht.

Von Andrea Schwarzmeier

Goaßgesicht und Grant

Und da ist diese niederbayerische Seelenlage: Der Einheimische hat ein eher schlichtes, einfaches Gemüt mit der niederbayerischen Gemütlichkeit. Um diese zu erleben, muss man sich an einen Wirtshaustisch hocken und sich von Bier und Schweinsbratenduft umwabern lassen. Nur dann kann man hinabblicken in die tiefste Seele der niederbayerischen Wirklichkeit. Vor allem der Fremde soll sich aber nicht irritieren lassen von dem meditativen Blick, dem Goaßg´schau der Einheimischen, die vor sich hinsinieren und granteln – einer typischen Geistesregung von echten Niederbayern. Erdig und ehrlich, naturbelassen ist der Biotop Südostbayern, der sich über weite Rübenfelder und Fichtenwälder erstreckt. Erdig, ehrlich, naturbelassen sind auch die Menschen, die in diesem Landstrich zu Hause sind.

Das Herz am rechten Fleck

Doch einen Unterschied gibt es schon zwischen all den Einheimischen, die Gott auf dieses gesegnete Fleckchen Erde gesetzt hat. Da gibt es die Rottaler Büffel, die Waidler oder die Hollerdauer Bummerln. Charakterfeste Sturschädel sind im Rottal zu Hause. In der Hollertau leben die Menschen, die stark sind wie Jungrinder, also wie die „Bummerl“ und im Bayerischen Wald die Waidler, die echten Bayern, die sich im tiefsten Dickicht des mystischen Woids auskennen. Doch eines ist ihnen gemeinsam: Sie haben alle das Herz am richtigen Fleck, sind ehrlich und sagen gerade heraus, was sie denken.

Gottes Segenshand

Südostbayern ist ein weiß-blaues Paradies, in dem nicht nur viel Wasser die Isar, die Donau, den Inn oder die Rott hinunterfließt, sondern auch viel Bier in Strömen sprudelt. Wen Gott besonders liebt, den setzt er in der Region zwischen Zeholfing, Landau und Dingolfing auf die Erde. Hier hat der Herrgott den Himmel der Bayern lieblich weiß-blau aufgespannt. In der Region stehen viele Kirchen, wie das Wallfahrtskirchlein in Haid und die Steinfelskirche in Landau, in denen der Einheimische den Himmivater an jedem Tag über den Schellnkini loben kann, weil er hier geboren wurde, in einem Land, in dem Bier als Grundnahrungsmittel gilt, und in dem ein Tag ohne den Gerstensaft als Gesundheitsrisiko gilt. Nette und freundliche Menschen leben in dieser Provinz – ein Glück wer in Niederbayern seine Heimat hat – und noch mehr Glück, wen Gott so liebt, dass er ihn nach Niederbayern reisen lässt.

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