Mein Mann, die Supernanny

Ich bin glückliche Besitzerin eines Katers und zweier Katzenmädchen. Deren Erziehung ist kinderleicht, denn Stubentiger sind sehr klug. Supernanny, Montessori, Fröbel oder Pestalozzi? Brauche ich nicht. Ich habe schließlich meinen Mann. 

Von Andrea Schwarzmeier

Meine drei Katzen haben ein feines Gespür für Anstand, Benimm, vorbildliches Verhalten sowie eine übersensible Ader für die Regeln des Herrn Knigge. Beweise gibt es genug. „Sunny“ gehorcht mir aufs Wort, wenn ich sie aus Nachbars Garten nach Hause locke. Schnurstracks stapft sie – in die entgegengesetzte Richtung davon. Ich beherrsche halt den Laissez-faire-Erziehungsstil in Vollendung.

 

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Sunny, unser Sonnenschein.
Mausi, unsere Dame.
Mausi, meine Dame.
Lucky, unser Glück.
Lucky, unser Glück.

Heikler wird es da schon mit „Mausi“. Madame braucht da viel mehr erzieherisches Fingerspitzengefühl. Wenn sie täglich auf der Zeitung so formatfüllend Platz nimmt, dass ich keine Schlagzeile mehr lesen kann, dann genügt ein scharfes „Mausi“ – und sie dreht sich schnurrend auf den Rücken und streckt auf dem Papier alle Viere genüsslich gen Himmel.

Diplomatie und Taktgefühl braucht es im Umgang mit meinem Kater „Lucky“. Der Prinz des Hauses trampelt bei Tisch solange auf meinen Füßen herum und kratzt an meinen Beinen, bis ich ihm als Waffenstillstand ein Stück Streichwurst, das ich mir eigentlich aufs Brot schmieren wollte, auf den Boden lege. Partnerschaftliche Erziehung ist einfach alles.

Für solche Feinheiten hat mein Mann kein Verständnis. wenn er „Sunny“ ruft,liegt sie ihm schnurrend zu Füßen, „Mausi“ setzt sich neben die Heimatzeitung und „Lucky“ schaut stumm zu, wie die Streichwurst auf dem Brot landet.

Nein, eine Supernanny zur Zähmung widerspenstiger Katzen brauche ich nicht. Ich habe die männliche Version geheiratet.

 

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