Ahnungslos

Sammy ist ein Hund. Ich bin ein Mensch. Sammy hört eigentlich ganz gut, nur nicht auf das, was ich sage. Vielleicht versteht Hund keine Menschensprache? Oder wir Menschen keine Hundesprache? Arbeiten an der Kommunikation ist also angesagt.

Von Andrea Schwarzmeier

Da war er nun, dieses kleine, schwarze Bündel voller Leben. Der fromme Mann Hiob, von dem in schon in der Bibel berichtet wird, versprach schon vor tausenden von Jahren: „Frage doch das Vieh, das wird dich ’s lehren, und die Vögel unterm Himmel, die werden dir ’s sagen.“ Ok. Nun gut. Einen Stall voller Vieh habe ich nicht und die Vögel haben sich vor dem kalten Winter in den Süden geflüchtet. Ich bin nun dran. „Sammy hörst du mich, ich will dich fragen, ob du das tun kannst, was ich dir sage?“ Also ich verstehe es, Touchscreens zu bedienen, mein Essen mit Hilfe virtueller Speisekarten zu bestellen, auf einem Smartphone und einem iPod herumzudaddeln, ich kann einen Computer bedienen, doch bei meinem Hund Sammy finde ich irgendwie nicht den richtigen Knopf. Er versteht einfach nicht, was ich meine. Sage ich „sitzt“, läuft er schwanzwedelnd um mich herum. Sage ich „bleib“, trägt er meinen Hausschuh in der häuslichen Gegend herum. Sage ich „Platz“, macht er es sich auf meinem Sofa gemütlich.

 

Sammy hört eigentlich ganz gut. Und eigentlich heißt, er hört gar nicht, wenn es darauf ankommt. Doch wer ein gutes Frauchen ist, glaubt an das Gute in ihrem Hund und hat Demut vor ihrem Tier. Schließlich ist es ja wissenschaftlich bewiesen, das Graupapageien 70 menschliche Wörter nachsprechen können, Seelöwen menschliche Gesten nachahmen und sogar Delfine irgendwie mit uns Menschen kommunizieren. Da werden Sammy und ich unser Kommunikationsproblem auch noch in den Griff bekommen. Was ich brauche ist nur Durchhaltevermögen und Hartnäckigkeit. Schließlich haben auch Hunde das Recht auf ein gepflegtes Vokabularium.

Also fange ich ganz von vorne an. Schließlich ist Sammy noch ein Baby-Hund: „ Duzi-duzi, eieiei, wen haben wir den da? Unseren Sammylein?“ Ich weiß, dass unser Australien-Shepard nun tapfer sein muss, wenn ihm sämtliche meiner Wortsilben an sein Ohr dringen und ich ihm hirnlose Satzruinen an den Kopf werfe. Doch wir müssen ganz von vorne anfangen. „Sammy, nam, nam, nimm dein Fressen“ – Mein reduzierte Sprechvermögen mit unserem Familienhund hat sich ausgezahlt. Ich wusste, dass Sammy ein intelligentes Wesen ist, und jedes meiner Wörter versteht. Bei jedem nam nam aus meinem Mund schlingt er seine Shappi-Happen hinunter in seinen Rachen. Na also, geht doch. Er versteht mich.

So schrubble ich monatelang nur noch Schwachsinn im Barbbel-Jargon vor mich hin: „Oh, oh, oh, da macht unser Sammy jetzt heia“ oder „Sammy gassi gassi“. Schön langsam entwickle ich das „Deideidei-Syndrom.“ Trotz totaler Verblödung meinerseits, da müssen Frauchen und ihr Goldstück nun durch. Sätze mit grammatikalisch richtigem Aufbau und Interpunktion sind mir, seit ich Hundebesitzerin bin, Fremdworte. Ich bin mit meinem Latein langsam am Ende und fühle mich immer ahnungsloser, obwohl die Dialoge mit meinem Australien Shepard irgendwie immer komplexer werden:

„ Sammy! Hierher! Sam! Verdammt! Sammy! Wirst du wohl! Sammy! Nein! Um Gottes Willen! Saaaaammmmmmm…“

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