Ins Herz geschlichen

Frauen haben es manchmal nicht leicht. Ehefrauen schon gar nicht, denn ihre Ehemänner machen manchmal die verrücktesten Dinge. Kann es sein, dass mein Mann in die Midlife-Crisis hineinschlittert? Letztens fragte er mich, warum wir eigentlich keine Hundebesitzer sind.

Von Andrea Schwarzmeier

Ich bin mir eigentlich gar keiner Schuld bewusst. Ich wüsste nicht, dass ich etwas falsch gemacht habe, dass ich meinen Mann je schlecht behandelt habe (außer er sitzt im Auto als Beifahrer neben mir). Er hat von mir immer sein Lieblingsessen vorgesetzt bekommen. Ich habe ihm jedes Trauma und jeden Schock erspart und nun dies: „Warum haben wir eigentlich keinen Hund?“

Manchmal schlägt das Schicksal hart zu: Mein Mann will einen Hund.  Vor zwei Jahren war es soweit. Was um Himmels willen, will ich mit einem Köter im Haus? Hunde bellen und beißen. Sie verschmutzen meinen Teppich und meine Welt. So wollen gefüttert und gepflegt sein. Sie kosten Steuern, haben Krankheiten, dürfen in kein Restaurant und in kein Hotel. Zudem fressen Hunde Wurst und Fleisch und eine eklig stinkende Pampe aus der Dose. Dies ist schon gar nichts für mein feines Vegetarier-Näschen. Ganz diplomatisch zähle ich meinem Mann die schweren Gründe auf, die gegen eine Hundehaltung in meinem und seinem Leben sprechen.

Sammy Baby 1

Ich habe eigentlich gar nichts gegen Hunde. Ich quäle sie nicht. Ich streichle sie nicht. Ich gehe nicht mit fremden Hunden spazieren und schon gar nicht habe ich die Angewohnheit ständig in Hundedreck zu treten. Und ich habe noch einen Trumpf in der Hand: Ein Hund verträgt sich nicht mit meinen Katzen, die schon so lange in Haus meines Mannes und mir leben, seit wir denken können. Wenn ein Hund nicht in dieses Familienschema passt, dann hat er in meinem Haushalt nichts verloren.

Mein Mann war immer gut gelaunt. Doch nun schlitterte er in das biologische Tal seines Lebens. Da half mein Coaching mittels seiner Lieblingsschokolade und meine Wellnesskopfmassagen gar nichts mehr. Plötzlich und unerklärlich wurde er reizbar, missgelaunt, ungeduldig, unleidlich, ungnädig, vorlaut, kurzum ein ganz anderer Ehemann. Meine akribisch betriebene Krisenforschung kam zu keinem Ergebnis, oder steckt etwa eine andere Frau hinter seiner Übellaunigkeit?

Dann schmiedete mein Mann ein heimtückisches Komplott. In seinen Hosentaschen fand ich Hundekekse und Notizen über hervorragende Hundeschulen in der Region. Seit neuesten mutierte er sogar zum Lesefreak und verschlang Bücher über die Hundeerziehung. Mir ahnte nichts Gutes. Heimlich besuchte der beste Ehemann von allen gut geführte Hundezuchtzwinger. Eines Tages kam er gutgelaunt nach Hause und wollte von mir wissen, wie mir der Name „Gerry“ gefalle? Naja, also keine andere Frau, denn Gerry war der Name eines kleinen Welpens.

Gerry hin oder her. Hund ist Hund und nein ist nein. Kein Hund in meinem Haus. Doch wer meinen besten Ehemann von allen kennt weiß, wie hartnäckig er sein kann und wie er mich ködern kann. Er brachte mir das Frühstück ans Bett, kaufte mir Rosen und führte mich zum Essen aus, bis ich langsam dahinschmolz. „Was meinst du wegen Gerry?“

Mein Mann versprach mir, dass ich mit einem Hund nichts zu tun haben werde: weder Gassigehen, noch Füttern, wenn ich es wünsche, würde er, falls denn jemals ein Hund in unser Haus kommen würde, diesen sogar auf Rücksicht auf mich, vegetarisch ernähren. Und Gerry würde draußen in einer Hundehütte nächtigen. Frauen haben es nicht leicht. Ehefrauen schon gar nicht. Also stimmte ich zu, er solle mir mal ein Foto von Gerry zeigen, aber nur zeigen, denn ein Hund kommt mir nicht ins Haus.

An einem kalten, ekeligen Novembertag war es dann soweit: ein kleines schwarzes Knäuel sprang übermütig auf mich zu. Nein, es war nicht Gerry, denn Gerry war in der Zwischenzeit an eine andere Familie vergeben. Es war Sammy, ein kleiner Australian Sheperd-Mann. Er schaute mich mit seinen blauen Augen an und hat sich sofort in mein Herz geschlichen.

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